Delano: „Ich habe etwas zu sagen.“

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Delano hat keine Lust, seinen Rap in momentanen Trends wie Trap und Autotune zu verpacken. Der aus Bielefeld stammende und nun im harten Pott ansässige Rapper möchte sich selbstreflektiert und authentisch zeigen. Und das alles auf Boom Bap Beats von seinem guten Freund B-Doub, der unter anderem schon für MC Eiht produzieren konnte. Neben Selbstreflektion und Authentizität zeigt sich der Rapper als technisch versiert, versucht dabei aber trotzdem, das leidige „Phrasengedresche“ auszlassen. Im Interview mit BACKSPIN stellt er sich und seine Mucke vor. Vorhang auf für Delano!

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Delano (rechts)

„HI, MY NAME IS DELANO“

This is where I’m from…

Geboren und aufgewachsen bin ich in zwei Stadtteilen rund um Bielefeld, verbrachte dann acht Jahre in Köln und lebe seit Anfang dieses Jahres in Essen im Ruhrpott. Ich bin nie gezielt musikbedingt irgendwo hingezogen, jedoch hat sich mein soziales Umfeld meist über die Musik ergeben.

I know my roots…

Ich wurde von meinen Eltern schon im Grundschulalter musikalisch gefördert, besuchte die Musikschule und lernte dann Keyboard sowie Akkordeon spielen. Kleine Gehversuche im Bereich Punkrock ließen mich wissen, dass ich dahingehend nicht so talentiert war, und dann erzählte mir ein Kumpel von so Veranstaltungen auf denen man Leute in Reimen beleidigen musste und dafür sogar noch Geld bekommen konnte. Das fand ich super witzig und so besuchte ich mein erstes Freestylebattle. Davon war ich so geflashed, dass ich anfing, mich mit der Marterie Hip-Hop intensiv zu beschäftigen. Auch in meiner Schule ging es damals los mit Hip-Hop – die ersten Baggy-Hosen tauchten auf, Jungs freestylten auf dem Pausenhof und man fing an, plötzlich auf Graffitis zu achten. Und schon war man süchtig und voll auf dem Hip-Hop-Film. Klassisch, nicht so wie heute. Eben dieses One Love Ding und Each One, Teach One. Stundenlanges Platten-Diggen, Rap-und Graffiticrews, auf Jams fahren und „Welle machen“, Freestylesessions und und und… das volle Komplettpaket. Alles lief halt draußen ab, dieses Internet-Game gab es da ja noch nicht.

You know my steez…

Ich weiß gar nicht, ob es da so etwas wie den springenden Knackpunkt oder ein Schlüsselerlebnis gab. Ich fand Hip-Hop einfach unfassbar geil und hab das Ganze stark gefeiert. Es hatte eine große Wirkung auf mich und ich fand explizit die Rapper sehr cool. Mich berührten viele Texte und ich konnte mich damit identifizieren. Also fing ich selbst damit an –ich denke, der Zeitabstand zwischen „Ach ok, das ist also Hip-Hop“ und „Ok, ich rappe jetzt auch“ war nicht allzu groß. Zwar hatte ich zuerst eine Sprühdose in der Hand, aber das war nicht so mein Ding und ich erkannte ziemlich schnell, dass ich auf Rap-Ebene wesentlich talentierter war. Dann hab ich viel mit meinen Jungs abgehangen und gefreestyled, bin rumgefahren um mit Leuten zu rappen und mich zu messen. Das ging dann ungefähr ein Jahr so, bis ich mich entschied, mit dem Songwriting zu beginnen. Wobei die erste Erfahrung sich eher aus einer emotionalen Situation heraus ergeben hat, als dass es eine bewusste Entscheidung war.

That’s my motherfuckin name…

Ach, das ist eigentlich ganz easy zu beantworten. Ich hatte ja früher mal einen anderen Künstlernamen, dann hab ich versucht, circa zwei Jahre lang aufgrund diverser negativer Rapwelt-Erlebnisse mit dem Mucke machen und der damit zugehörigen Identifikation aufzuhören. Dieses Musik Ding ließ mich aber nie ganz los, weil es eben schon immer in mir steckte und vermutlich auch der einzig konstante rote Faden in meinem Leben war. Als sich dann neue Möglichkeiten ergaben und meine Freunde mich standhaft motivierten, entschloss ich mich, doch nochmal einen Versuch zu starten. Da ich mich in der Zwischenzeit aber menschlich verändert beziehungsweise weiterentwickelt hatte, wollte ich nicht an mein altes Alter Ego anknüpfen. Nach langem Überlegen stieß ich irgendwann auf den Begriff „Delano“, welcher aus dem Keltischen übersetzt „durch die Nacht“ bedeutet. Da ich einen Großteil meiner Texte nachts geschrieben habe, fand ich das damals – und auch heute noch – passend.

Turn my music on…

Selbstreflektiert und authentisch. Völlig egal, um was für eine Art Song oder Stil der Musik es sich handelt, der Sound von meinem Producer Marco „B-Doub“ Cuccu (der unter anderem schon für Grand Agent, Oddiesee, MC Eiht, AG, Edo G und Keith Murray produziert hat) und mir ist im Allgemeinen sehr warm und trifft immer irgendeine Emotion. Prinzipiell sind wir offen gegenüber jeder Stilrichtung, wollen unsere Musik in Zukunft nicht nur in eine Schublade stecken lassen und bedienen uns an allem, was uns berührt und gefällt. Hauptsache die Musik bewegt. Wir lieben was wir da tun und ich denke diese Liebe hört man auch raus.

Meine Texte beschäftigen sich viel mit dem familiären und freundschaftlichen Umfeld. Ich berichte von Erfahrungen, Emotionen und meinem Blickwinkel auf die Welt. Ohne Zeigefinger-Attitüde oder unnötiges Phrasengedresche. Kann ich nicht leiden. Hör’ meine Musik und du weißt, was für ein Mann vor dir steht. Und bei mir geht es nicht um den Turn-Up. Ich habe etwas zu sagen.

Produktionstechnisch haben B-Doub und ich uns für „Ich bin deutscher Rap“,  für brachiale Boom Bap Beats entschieden, weil da unsere Ursprünge liegen und wir unsere „Handwerkskunst“ erstmal unverfälscht und ohne Gimmiks präsentieren wollten. Wir haben versucht mit meinen Lyrics eine bestmögliche Symbiose aus Gefühl, Technik und Aussage zu erschaffen. Wobei sich der Inhalt meiner Texte mit der emotionalen Ausrichtung des Soundteppichs deckt.

Yo see the difference…

In erster Linie habe ich mit B-Doub einen Producer als Partner gewählt, dessen Sound sich von momentan überall gleichklingenden „State of Art“ Produktionen der hiesigen Raplandschaft doch extrem deutlich abhebt. Und im Gegensatz zu den meisten anderen, die aktuell versuchen nach oben zu kommen, haben wir neben nicht zu verachtender Raptechnik noch Persönlichkeit und Auge auf gehaltvollen Inhalt. Wir gehen tiefer als die üblichen „Street-Pusher – Ich hab die härtesten Motherfucker im Team und ticke die meisten Kilos – lila im Gucci- Hitpack tragenden Turnup-Rapper“.

Und wir haben ein festes Team, alles entsteht aus einem Guss und wir wachsen aneinander. Wir holen keine Dienstleister an den Start, die alle unterschiedliche Arbeit abliefern. Wir wollen unserer Kunst eine Einzigartigkeit verleihen, die ihren eigenen Wiedererkennungswert hat. Lasst uns erstmal genug abliefern – dann erkennt ihr das schon.

Was mich/uns besser oder einzigartiger macht als Andere, und ob das überhaupt zutrifft, kann und will ich gar nicht sagen. Musik ist Geschmackssache. Nur, nimm’ mal dem Großteil der Neulinge ihr Autotune und die versierten Produzenten weg, lass sie ohne Gimmicks antreten und schau mal was an Handwerkskunst überbleibt (lacht).

Bevor ich B-Doub getroffen habe, noch lange bevor wir zusammen gearbeitet haben, habe ich selbst an einem neuzeitig-klingenden Trap-angehauchten Album gearbeitet. Auch fett mit Autotune und so (lacht). Hat Bock gemacht und klang auch geil. Deshalb mag ich mir auch herausnehmen, behaupten zu können, dass der Rapper mit seiner Stimme als Instrument bei dieser Form von Musik wirklich der kleinste Faktor ist und wirklich nicht viel können muss. Es gibt ‘ne Menge neuer Songs da draußen, die wahnsinnig gut funktionieren. Die Props und den Erfolg ernten die Rapper. Unverdient oftmals, wie ich finde. Denn meist liegt es einfach daran, dass der Produzent oder Engineer ein Genie ist, der es versteht, seinen Rap-Protagonisten glanzvoll in Szene zu setzen und seine inkompetente Rap-Handwerkskunst durch gut eingesetzte Gimmicks zu verschleiern. Eigentlich haben die den Erfolg an erster Stelle verdient und sind die wirklichen Stars.

My brand new album/mixtape…

Aktuell sind wir gerade bei unserem ersten Release „Ich bin deutscher Rap“. Da kommen noch ein paar Videos. Im stillen Kämmerlein liegt natürlich schon das nächste Projekt in den Startlöchern.

I know what I want…

Wir sind froh, mittlerweile auf diesem Niveau Musik machen zu können. Wir geben die 100% in jedem dazugehörigen Bereich, die wir geben können, damit wir uns nicht später fragen müssen: „Was wäre gewesen, wenn…?“. Das ist Bullshit. Wir sind der Auffassung: „Wenn du Dich dazu entschließt etwas zu machen, dann gib alles, was du geben kannst.“ Sonst brauchst du gar nicht erst damit anfangen. Wir erhoffen uns, Menschen zu erreichen, die uns fühlen, unsere Musik feiern und verstehen. Wir hoffen, das Niveau weiter anheben zu können, uns zu steigern und den maximalen Erfolg damit zu erreichen, der damit erreichbar ist. Wie das Ganze aussehen mag, wissen wir nicht. Unseren Job ein bisschen reduzieren zu können und mehr Zeit für Musik zu haben oder im Umkehrschluss mehr Schlaf zu haben- wäre schon ganz geil. Aber „nichts passiert umsonst“.

Look into the future…

Auftritte (am liebsten Festivals) spielen, mehr schlafen, eine Familie gründen und schöne Babys machen, gesund bleiben, mehr Zeit mit der Familie verbringen, reisen und nochmal ein Album machen, bei dem sie in 20 Jahren noch immer sagen „Wow- was für ein Evergreen“. Und ein Feature mit David Pfeffer und Kool Savas auf einem Song wäre ein Traum.

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