Haze – „Guten Abend Hip-Hop“

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Vor rund einem Jahr zog ein ungesignter Untergrundrapper aus Karlsruhe die Blicke auf sich: Vertriebs-Deal mit Universal, Verlags-Deal mit BMG, Booking-Deal mit Boldt Berlin. Die Rede ist von Haze. Nun präsentiert er der Szene sein offizielles Debüt „Guten Abend Hip Hop“.

„Rap ist mehr als SP-12 und S900 Imagepflege“ konstatierte KKS in seinem Szene-Statement „King of Rap“. 16 Jahre später zeichnet genau diese Signatur die Platte und die verantwortlichen Produzenten Dasaesch und Dannemann wie keinen Zweiten aus. Drums, Bass, ein stützendes und ein Main-Sample ergeben zusammengeschmissen im Fourtracker den minimalistischen Nährboden für Haze. Dieser wiederum führt lyrisch besagten Minimalismus ad absurdum, indem er durch hypnotisierende Flows seine ambivalente Haltung zum Alltag am Block staubtrocken vorträgt. Womit er sich für die Major-Deals bereits gerechtfertigt hätte: Haze umgeht überzogene „G’schichten aus’m Ghettogarten“ und schafft somit eine lebensnahe Bindung zum Hörer, dem deutsche Ghettos zwar fremd, deutsche Blocks aber bekannt sind. Inhaltlich findet er ein Gleichgewicht zwischen äußerer Handlung und innerer Reflexion. Und in der Tat, die zentralen Aussagen seiner Texte resultieren fast ausschließlich in eigenen Gedanken; aus dem, was er am Ende des Tages in Reimen festhält.

Die Platte wartet weder mit Beats bis 95 BpM auf, noch entspringt sie musikalisch dem New York der golden Era. Zwar kann Haze laut eigener Aussage „Hip Hop nach 2000 nichts abgewinnen“, doch klar ist, dass er mit unverwechselbarem Sound und Stil, die Wirklichkeit von 2016 mitprägt. Denn wer MPC, Ensonic Mirage und SP1200 in die 90er verbannt, dem müsste spätestens anhand der Resonanz von „Guten Abend Hip Hop“ auffallen, dass die Maschinen nie verschwunden, sondern aktueller scheinen denn je. Ein zeitgemäßes, großartiges Album.

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

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