„Hamburg“: Dokumentation von Oz‘ verbliebenen Lebenswerk

Vor vier Jahren ist die Hamburger Sprüher-Legende Oz verstorben. Am 25. September 2014 erfasste ihn eine S-Bahn während er wohl dabei war, eines seiner berühmten Tags zu setzen. Der Mythos um ihn als Person und Künstler war bis zu seinem Tod bestehen geblieben. Heute erscheint das 320 Seiten starkes Fotobuch „Hamburg“, in dem die noch bestehenden Werke von Oz dokumentiert werden.  

 

Die Faszination Oz

Für die Faszination an Oz gibt es viele Gründe. Die enorme Anzahl der Kringel, Punkte, „Oz“-Tags oder der Smileys. Dass das alles von einem einzigen älteren Mann umgesetzt wurde. Dass es ihm nichts ausmachte, ihn sogar freute, wenn Graffiti-Artists seine Bilder als Hintergrund für ihre Werke nutzten. Oder auch, dass er Wände von Pflanzen befreite, um Platz für neue Kunstwerke zu schaffen. Trotz allem gab es nicht nur Anhänger oder Bewunderer seiner Kunst. Für die Stadt Hamburg stand er wohl sinnbildlich für jede Form des Vandalismus. Dementsprechend verbrachte er von 1992 bis 2007  insgesamt mehr als acht Jahre in Haft. Auch danach wurde er immer wieder zu Geldstrafen verurteilt. All das hinderte ihn jedoch nicht daran, seiner Leidenschaft bis zu seinem tödlichen Unfall weiter nachzugehen. Dieser löste eine Welle an Trauer in der ganzen Hip-Hop-Szene aus.

Einer von vielen „Oz“-Tags (Bild aus Fotobuch „Hamburg“)

„Hamburg“ – Dokumentation von OZ‘ Lebenswerk

Der Fotograf Emmett E. hat jetzt in Zusammenarbeit mit dem Berliner Graffiti-Verlag Hitzerot das Fotobuch „Hamburg“ über das verbliebene Lebenswerk von dem Hamburger Sprüher veröffentlicht. Auf 320 Seiten dokumentiert der Fotograf, was von den hunderttausenden Tags und Zeichnungen vier Jahre nach Oz‘ Tod noch erhalten geblieben ist. Um für sich selber das Werk von dem Ausnahmekünstler zu sichern, reiste Emmett nach Hamburg.

„Die Idee ein Buch aus den vielen entstandenen Fotos zu machen, kam erst im Nachhinein. Es ging in erster Linie um die Sicherung dessen, was noch in der Stadt zu sehen war.“ 

Dabei wurde Emmett das erste Mal schon etwa 2003 auf die Werke von Oz aufmerksam. Vor allem auf dem Weg vom Hauptbahnhof Richtung Berliner Tor fielen ihm die Bilder bei seinen Hamburg-Besuchen auf.  Eines faszinierte ihn besonders: In etwa 15 Meter Höhe an einem Brückenpfeiler.

Emmett: „Da hab ich mich schon immer gefragt, wie er da hochgekommen ist.“

 

Einen direkten persönlichen Kontakt zu dem Sprüher hatte Emmett dabei nicht. Trotzdem bewundert er das, was Oz vollbrachte. Insbesondere die Kompromisslosigkeit.

„Er hat immer eine klare Linie verfolgt. Sein Auge für Spots und die Art und Weise wie Oz an die Umsetzung gegangen ist, war einmalig.“

Auch Sascha von Hitzerot hat den Künstler wie die meisten nie als Person kennengelernt. Ähnlich wie bei Emmett gibt es aber einen doch schon persönlichen Bezug zu dem Werk. Schon als Kind und Jugendlicher bemerkte Sascha die vielen Smileys und Tags. Auch wenn er es anfangs nicht so richtig einordnen konnte, lernte er doch über verschiedene Zeitungsartikel und das Graffiti-Lexikon, dass keine Crew dahinter steckte. Er zollt dem Ganze ähnlich wie Emmett viel Anerkennung.

„Das Lebenswerk von Oz steht für mich für absolute Konsequenz.“

 

Arbeit für „Hamburg“

Im Vorfeld der Reise nach Hamburg arbeitete Emmett mit schon bestehenden Publikationen. Beispielsweise versuchte er schon bekannte Werke zu verorten und auf einen möglichst aktuellen Stand zu kommen. Auch die Karte von „City of Oz“ und Hamburger Kontakte waren ihm dabei eine Hilfe. Dementsprechend hatte er von vornherein einige Orte festgelegt, die er unbedingt fotografieren wollte. Abgesehen davon, hat er sich spontan dazu entschieden, was er „von der Spur, die Oz gelegt hat“ fotografieren wollte. Am meisten Zeit nahm aber das Feinkonzept in Anspruch. Denn er hatte etwa 1500 Aufnahmen gemacht. Außerdem beschäftigte Emmett die Frage, inwiefern er Texte in „Hamburg“ einbauen wollte. Letzten Ende entschied er sich dazu, nicht über die Person Oz zu schreiben, oder sein Handeln zu interpretieren,  denn er wollte lieber „einen Status Quo schaffen und sein Werk für sich sprechen lassen“. Insgesamt hat es ungefähr acht Monate gedauert, das Buch fertigzustellen.

„‚Hamburg‘ dann aber das erste mal wirklich in den Händen halten zu können, war für mich ein unglaubliches Gefühl. Da war dann noch mal mehr klar, wie sehr OZ mit seinem Schaffen Hamburg geprägt hat.“

„Hamburg“ ist ab jetzt erhältlich und kann über die Website von Hitzerot bestellt werden.

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