Rap for Refugees: “Hip-Hop ist wie der Fußball als Volkssport Nummer Eins, nun mal das Spiegelbild der Gesellschaft”

Foto: ThisIsJulia Photography

Hip-Hop als eine Sprache, die weltweit Menschen verbindet – das ist das Prinzip vom „Rap for Refugees e.V.“. Mit Refugee ist dabei jeder gemeint, der harte Zeiten durchmachen muss, egal ob geflüchteter, oder nicht. Bei dem Projekt geht es darum die verschiedenen Elemente von Hip-Hop zu nutzen, um Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuführen und zu feiern und sich so für Integration und Solidarität stark zu machen.

Rap for Refugees erstmals in Berlin

Am 25. August kommt das eigens organisierte Festival zum ersten mal nach Berlin und 20 verschiedene Mcees und einige DJ’s werden in der Beachlocation Yaamin auf der Bühne stehen. Ab 15 Uhr gehts los mit verschiedenen Workshops für 60 Leute in den Bereichen Beatbox, Hip-Hop Tanz und Graffiti. Außerdem sind auch bekannte Rap-Größen, wie Pöbel MC, PTK, BOZ und Toksi am Start – Also alles: One Big Hip-Hop Family. Um für euch mehr über das Festival und die Organisation rauszufinden, haben wir uns mit dem Veranstalter Ata Anat unterhalten.

Welche Idee steckt hinter dem Rap for Refugees Festival?

Ata: Der Name Rap for Refugees dehnt sich immer weiter aus, nicht nur innerhalb unseres Teams. Wir definieren das Wort „Refugees“ für uns neu und sehen darin das, was es im Grunde wirklich bedeutet. Nämlich, dass jeder Mensch ein potentieller Geflüchteter ist. Viele natürlich aus unterschiedlichen Ländern und ebenso aus unterschiedlichen Gründen, aber auf der anderen Seite gibt es auch viele Menschen hier vor Ort, die am Rande der Gesellschaft leben, oder aus diversen Lebenssituationen und vor Gefühlen flüchten. Der Hip-Hop mit den vielen unterschiedlichen Subkulturen und damit Ausdrucksformen, bietet ein Ventil, die Geschichten zu verpacken und zu verarbeiten. Das Festival soll den verschiedenen Persönlichkeiten eine Bühne geben und die Vielfalt der Gesellschaft, aber auch von jedem einzelnen Menschen feiern. Daher legen wir großen Wert auf ein ebenso vielfältiges Line-Up mit unterschiedlichsten Künstlern, sowie die Qualität der Arbeit hinter der Bühne.

Warum soll es das Festival diesmal nicht nur in Hamburg, sondern auch in Berlin geben? Wird das Festival auch noch in andere deutsche Städte kommen?

Ata: Wir möchten, dass das Festival für eine offene und diverse Haltung steht. Gerade im Hip-Hop ist es wichtig, dem eine große Fläche zu bieten, da es auch in diesem Genre zu oft an Statement fehlt. Wir zeigen auf, dass es auf eine positive Art mit den richtigen Künstlern auch in eine richtige Richtung gehen kann. Die Menschen, die unsere Festivals besuchen, sind weitestgehend nicht nur sozial ehrenamtlich engagierte Menschen und gerade da ist es wichtig anzudocken und zu zeigen, dass allein ein Besuch auf so einem Festival ein großes Statement und eine große Hilfe sein kann. Wenn man zudem bedenkt, dass die zahlenden Gäste das Festival und die Workshops für die jungen Menschen aus prekären Lebenssituationen finanzieren, entsteht dadurch automatisch ein Gemeinschaftsgefühl auf sehr unterschwelliger Ebene. Wir planen im Jahr 2019 neben Hamburg noch am 18. Mai Leipzig und am 28. September Dresden zu bespielen. 2020 soll es dann Richtung Westen gehen. 

Wieso ist ein Festival für Kultur und Vielfalt für Deutschland wichtig?

Ata: Im Grunde genommen darf man nicht zu groß denken. Es gibt schon viel Gutes aber eben auch viel Schlechtes in der Gesellschaft. Demnach wollen wir mit dem Festival nichts anprangern, denn auch wir sind sicherlich nicht unfehlbar und müssen mit Bedacht vorgehen. Es ist für uns nur wichtig denen eine große Bühne zu bieten, die sonst diese nur selten bespielen würden. Ob die große Bühne denn am Ende wirklich so groß ist oder doch eben etwas kleiner, müssen die Menschen entscheiden, die diese Veranstaltungen besuchen. Aber gerade die Geschichten, die erfunden, oder dem Alltag eines jedem entsprechen, sind doch letztlich die, die uns berühren und aufzeigen sollen, wie groß der Kosmos ist. Bester Beweis ist für uns BSMG, die mit „Platz an der Sonne“ unseres Erachtens einen Meilenstein gelegt haben. Ein Album, was man tatsächlich versuchen sollte, in die Schulen zu tragen. So entsteht Kultur & Vielfalt in der Basis. 

Steht die Hip-Hop Community immer noch für Vielfalt, oder ist sie zusammen mit der Gesellschaft weiter nach Rechts gerückt?

Ata: Jetzt zu behaupten, dass die Community insgesamt nach Rechts gerückt sei, wäre zu leicht. Dass die rechte Szene den Rap für sich entdeckt hat, um die Jugend zu erreichen, ist jedoch nicht abzustreiten. Hip-Hop ist wie der Fußball als Volkssport Nummer Eins, nun mal das Spiegelbild der Gesellschaft. Es gibt Solche und Solche. Nur darauf zu beharren, wie schlimm das alles ist, alles von sich wegzustoßen und allem eine Antihaltung entgegenzusetzen ändert nichts daran. Taten und nicht Worte sind es, was Veränderungen hervorbringen. Im Rap ein interessanter Kontext, da hier eigentlich die Worte stärker sein sollten. Und das sollte man reflektiert für sich bedenken. Wenn meine Worte im Rap, wo es eigentlich um Ausdruck geht, nicht wirken, sollte man sich die Frage stellen, was genau man tun muss, um etwas an den Umständen verändern zu können?! 

Was kann man in Zukunft noch von dem Rap for Refugees Festival erwarten?

Ata: Wir machen unsere wöchentlichen Workshops und Schulprojekte, veranstalten unsere interkulturellen Partys und Festivals, und behalten unseren positiven, hoffnungsvollen Vibe bei. Das tut den Menschen bei aller Negativität gut. Wir wollen langfristig die Qualität unserer Arbeit beibehalten und hoffentlich bald auch sehr interessante Projekte im Ausland durchführen, die auch den Menschen an gewissen Brennpunkten Hoffnung geben soll. Orte, an denen das Wort Hoffnung noch etwas zu naiv wirkt. Wir warten aber erstmal das Festival in Berlin ab 😉

Hier könnt ihr euch Marvin beim Rap for Refugees in Hamburg nochmal anschauen:

Hier findet ihr och mehr Infos zu Rap for Refugees:

Offizielle Website von Rap vor Refugees

Facebook-Seite von Rap for Refugees

Website der Location: YAAM

Hier könnt ihr Tickets kaufen

 

 

 

 

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