Gute Tracks zwischen den Spielen: Wie E-Sport und die Musikindustrie sich annähern

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Sie begeistern mit ihren Spielen Millionen, haben einen riesigen Markt geschaffen und ihre Babys zu ernsthaften Sportarten gemacht: Die Entwickler von E-Sport Titeln haben in den letzten zehn Jahren für mächtig Wirbel an der Wettkampf-Front gesorgt. Inzwischen sind Games wie Dota 2, Overwatch und Hearthstone auf dem ganzen Globus bekannt. Was aber gern vergessen wird, ist die Rolle, die gute Musik-Tracks und Hymnen für den E-Sport spielen und wie sie die Fans unter dem Banner ihrer Lieblings-Games vereinen. Ein Einblick in die Verwobenheit von Gaming und Musikindustrie.

Ein Phänomen

Innerhalb von nur einem Jahrzehnt hat der E-Sport überall die Wohnzimmer erobert. 2017 war der Markt laut Statista schon knapp 700 Millionen Dollar groß und bis zum Jahr 2020 soll der Umsatz auf fast 1,5 Milliarden Dollar steigen. Bei großen Turnieren wie der ESL verfolgen Millionen Zuschauer von Zuhause aus die Spiele von Profis wie Team Liquid und Zehntausende jubeln im Stadion ihren Helden zu – beim Gaming. Denn E-Sport ist inzwischen nicht nur eine Sportart, sondern auch ein knallhartes Geschäft. Bei der International 2017 waren über zehn Millionen Dollar im Preistopf. Oft spielen die Gamer in Teams gegeneinander, müssen kooperieren, schnell reagieren und taktisch klug sein. Gute E-Sportler trainieren laut Kicker bis zu 16 Stunden am Tag, also genauso wie bei klassischem Sport. Und die Veranstaltungen sind riesig: Wie groß das Rahmenprogramm für E-Sport Events ist, sieht man schon daran, wie viele Anbieter inzwischen mitmischen. Neben Veranstaltungen vor Ort wird jedes große Turnier auch auf Streaming-Plattformen wie Twitch übertragen. Sportsender wie ESPN berichten inzwischen oft über E-Sport Highlights. Viele Wettanbieter im Internet nehmen Einsätze für große Titel entgegen: So ist das zuvor erwähnte Team Liquid zusammen mit Team Secret bei den Dota 2 Wetten von Betway oftmals Favorit für größere Turniere. Vor zehn Jahren hätte so etwas verrückt geklungen, heute ist es Alltag und der E-Sport wird ernst genommen. Und sogar Fußball-Mannschaften wie der VfL Bochum und Schalke 04 haben sich bereits in den E-Sport vorgewagt und eigene Gaming-Mannschaften gegründet – mit ziemlichem Erfolg.

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Musik im E-Sport

Wie aber hängen Musikindustrie und der E-Sport jetzt zusammen? Eigentlich setzen die meisten Games auf extra komponierte Soundtracks, die an Synthesizern erstellt werden. Vocals hört man nur selten, gerade bei kompetitivem Gaming würde ein zu intensiver Track die Spieler nur ablenken. Aber seit ein paar Jahren wird dem E-Sport bewusst, wie wichtig gute Musik ist. Angefangen hat alles mit Darude, der als erster DJ einen echten Klassiker zum E-Sport beigetragen hat. Seine Komposition „Sandstorm“ hat es in der Twitch-Community (der größten E-Sport Streaming Plattform) zu Meme-Status gebracht. Eine Zeit lang gab es auf die Frage, was der Streamer gerade für Musik hört für die Fans nämlich nur eine Antwort: „Darude – Sandstorm“. Dabei erschien „Sandstorm“ schon 1999 und hatte sich damals über 2,5 Millionen Mal verkauft, sollte also für aktuellen Deutschrap oder Hip Hop aufgrund des Alters keine Konkurrenz sein. Inzwischen legt Darude regelmäßig bei großen E-Sport Festivals auf und seine Musik ist zur Standard-Hintergrundbeschallung in Spielpausen geworden. Und gute Tracks von etablierten Künstlern oder Newcomern gehören inzwischen zu Turnieren dazu. Die Fans wollen auch in den Pausen unterhalten werden, gerade bei großen Veranstaltungen wie der ESL oder der International, wo die Hallen inzwischen zum Bersten gefüllt sind. Auch um die Atmosphäre zwischen den Spielen oder vor Live-Streams aufzuheizen, ist die richtige Musik immer gut.

Und klar, inzwischen sind E-Sport Turniere nicht mehr nur eine Veranstaltung von ein paar Stunden: Die Fans reisen teilweise aus anderen Ländern an, sind tagelang unterwegs, um ihre Helden spielen zu sehen und die Party zu genießen, eben ähnlich wie bei Konzerten von bekannten Künstlern. Dementsprechend hat sich ein großes Rahmenprogramm um die meisten Turniere entwickelt, mit Live Konzerten, Clubs und DJs. Imagine Dragons zum Beispiel sind bekennende League of Legends Fans, haben mehrere Tracks dem Spiel gewidmet und diese bei größeren Turnieren performt.

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Wachstumsschmerzen

Aber alles ist nicht perfekt zwischen Musikindustrie und dem E-Sport. Auf Twitch zum Beispiel müssen die meisten Streamer ihre Musik muten, weil sie keine legale Erlaubnis haben, sie zu verwenden. Hier kann die Musikindustrie noch einiges drehen: Wie wäre es zum Beispiel, wenn große Label wie Young Money, Def Jam oder Grand Hustle eine Kooperation mit dem Streaming-Dienst eingehen würden, damit die Streamer ihre Songs spielen dürfen? Beide Industrien würden davon profitieren, die Gamer sowieso. Bis es soweit ist, sind die Fans auf Spotify Premium oder andere Streaming-Dienste angewiesen. Oft fehlt es auch an guten Bands für große Turniere: Metallica, Imagine Dragons und Zedd haben schon vor Gamern gespielt, aber viele Künstler haben den Trend bisher verschlafen. Für Musik und Gaming gibt es also noch Potential, um besser zusammen zu finden.

Viel erledigt, viel zu tun

Gaming und Musik gehören beim E-Sport inzwischen zusammen. Zocker-Hymnen wie „Sandstorm“ von Darude kennt jeder Fan von E-Sport und gute Tracks gehören inzwischen zu den Pausen und zum Rahmenprogramm von Turnieren wie der International dazu. Trotzdem gibt es noch einiges, was Labels und Gaming-Größen zusammen verbessern können: Live-Auftritte von großen Bands, Sonderrechte für die Nutzung von Tracks auf Streaming-Seiten und allgemein ein stärkeres Investment der Musik-Industrie ins Gaming sollten auf dem Plan stehen.

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