Grossstatttraum: „Aus einem Traum heraus zu kommen und einfach zu machen, das ist das Ziel.“

Underpressure

Auf den Punkt genau seit acht Jahre formen die Jungs vom Grossstatttraum bereits die Hamburger Hip-Hop mit. Ob nun Jams, Konzerte, der hauseigene Breakdance-Abend oder eine ganze Wand zum freien bemalen, das Kollektiv mit dem doppeldeutigen Namen hält die viel zitierte Fahne für Hip-Hop hoch. Allein die ausschweifenden Jubiläumspartys haben Hamburg schon einige große Hip-Hop-Momente gebracht, wie uns die Jungs auch im Folgenden verraten werden. Am Sonntag steigt dann die nächste Party. Das Achtjährige soll zusammen mit dem befreundeten Hip-Hop-Laden Underpressure, der sogar schon 20 Jahre auf der Uhr hat, in einer Blockparty gefeiert werden. Steigen wird die Jam mit Grafitti-Corner und Easy-Kisi-DJ-Sets im Alten Zollamt Rothenburgsort. Aus diesem Grund haben wir uns sowohl mit den Machern hinter Underpressure, als auch mit jenen hinter Grossstatttraum zur Hohen 5 getroffen. Es ging um Hip-Hop, Hamburg und die gegenseitige Freundschaft. Hier nun Teil Eins für euch mit dem Grossstatttraum!

Was war der Beweggrund für euch das Kollektiv Grossstatttraum zu gründen?

Es fing klassisch mit einem Namen für eine Party und einem Namen für eine Live Session an 2009. Hier war klar das es zum Representen eine Verbindung braucht. Einen Namen der alles zusammenfasst, was unser Schaffen in der Hip-Hop-Kultur in Hamburg ausmacht. Noch recht grün hinter den Ohren und voller Motivation war klar, dass aus dem Traum für unsere Kultur einzustehen mehr werden soll. Sich Großes vorzunehmen fällt leicht. Aus einem Traum heraus zu kommen und einfach zu machen, das war und ist das Ziel. Gross-Statt-Traum.

Grossstatttraum

Ihr besteht aus Sprühern, Tänzern, Mcs und DJs. Wie steht ihr zu der Debatte, dass Breakdance und Graffiti heutzutage unterrepräsentiert seien in den (Hip-Hop-) Medien?

Es ist dem Wandel der Zeit geschuldet. Die Medien sind halt abhängig von Klicks. Das ist viel genauer Meßbar, als was früher ein einzelner Artikel in einem Print-Magazin wirklich gebracht hat. Damals war es noch die Vielfältigkeit die ein Heft rund gemacht hat. Heute wird jeder Artikel online gestellt und für sich bewertet. Klar liegt der Fokus da auf dem hundertsten 187-Interview. Das wollen die Kids sehen. Werte und Elemente der Hip-Hop Kultur zu vermitteln ist da schon eher lästiger Bildungsauftrag. Das ist verdammt Schade. Es haben sich die MCs und DJs mit Ihrem schaffen in der Öffentlichkeit durchgesetzt, da der Zugang viel schneller gegeben ist. Jeder kann Musik hören und jeder kann drüber reden. Zugang zu Graffiti und Tanz muss erst mal geprägt und erlernt werden. Hip-Hop ist da schon wie guter Wein, die leichte Kost bekommt jedem, aber der Geschmack eines Kenners muss eben erstmal geprägt werden durch Erfahrung. Ein Breakdance Clip darf nur ein bis zwei Minuten gehen und muss fette Power-Moves enthalten, dann hat er ne Chance viral zu gehen. Graffiti muss möglichst heftig sein, abseilen von irgendwas oder Akrobatik auf einer fahrenden U-Bahn. Style hat immer weniger Platz in der Gesellschaft. Wir bauen nicht mehr auf die Medien, wir freuen uns über alles was passiert. Aber wenn du was vermisst, dann weine dem nicht nach, sonder sorge dafür, dass es mit deinen, dir zur verfügung stehenden, Mitteln eben passiert.

Wer wissen will, wie wir zu Breakdance stehen, sollte am 18. November in den Mojo Club kommen. Dort findet nun das fünfte Mal „Enter The Circle“ statt. Wir haben uns 2012 mit ein paar Kieler Breakern zusammen getan, die dort bereits einige Jahre zuvor schon ein Breakdance Battle ins Leben gerufen haben. Mittlerweile ist das Hamburger Format auf ein beachtliches Niveau herangewachsen und neben etwa 500 Besuchern haben wir viele internationale Crews eingeladen. Diese Veranstaltung betreuen wir ehrenamtlich, jeder eingenommene Euro fließt wieder in das Projekt zurück. Somit zollen wir der Breakdance-Szene unseren Respekt. 

Mit dem Weg von den Backyard Jams und Hauspartys in die Clubs und damit in die Kommerzialisierung, war Breakdance das erste der Hip-Hop-Element, was weg rationalisiert wurde. Es ist aus der wirtschaftlichen Sicht sogar fast nachvollziehbar. Der DJ ist unverzichtbar, der macht die Musik, der Writer konnte zumindest noch den Flyer machen, selbst wenn keine Kohle für ein Bühnenbild da war. Der MC wurde dann Host und im Anschluss folgte auch dieser den Breakern und wurde raus gestrichen aus der Lohnliste. Um 15 Minuten Breakdance zu füllen braucht man schon eine Hand voll Tänzer. Wenn man nun ein bisschen Show haben möchte muss man also gleich richtig Geld in die Hand nehmen. Oder eben die Tänzer abspeisen mit ein paar Freigetränken. Es ist schade aber verständlich, dass die Szene sich an dieser Stelle aufgespalten hat. Du willst ja auch nicht umsonst arbeiten, während deine Kollegen in der gleichen Zeit Geld verdienen mit dem was sie Lieben. Wir versuchen mit unserem Event „Enter The Circle“ unseren Teil dazu beizutragen, dass eine Stadt wie Hamburg ein repräsentatives Format hat, bei dem die Breaker im Vordergrund stehen. Das ist unsere Form an Wiedergutmachung. Unser Respekt an die Szene

2012 haben wir für Graffiti in Hamburg einen großen Schritt bereitet. Bereits 2008 haben wir begonnen gegen die Mühlen der Behörden anzukämpfen und dann nach vier Jahren die Genehmigung bekommen, eine 500 Meter lange und durchschnittlich fünf Meter hohe Flutschutzmauer, zur freien Gestaltung an die Hamburger Graffiti-Szene zur Verfügung stellen zu dürfen. Für das Projekt wurde der Verein GroßstadtRaum e.V. ins Leben gerufen, der bis heute die Genehmigungen für die Wand in Hamburg Heimfeld in Läden wie Underpressure und DaSource bereit legt und vor Ort dafür sorgt, dass alles so läuft wie es soll. Das Projekt ist besser angenommen den je und bietet jedem die Möglichkeit sich an der Wand auszuprobieren. Klar braucht es hierzu Regeln, aber diese sind klar ausgeschildert und somit können wir Heute stolz auf dieses Projekt schauen und uns freuen das immer mehr internationale Künstler Hamburgs Süden einen Besuch abstatten.

„Die Regeln der Straße basieren auf Respekt!“ Slowy

Was macht für euch Hamburgs Hip-Hop-Kultur aus?

Sie ist aktiv, sie hat eine Tradition und sie entwickelt sich. Hip-Hop ist wie Leben und besonders auch in Hamburg ist klar zu spüren, dass es eine gute Elternstube gab. Es kann nicht alles conscious sein, aber wie Slowy schon sagte „Die Regeln der Straße basieren auf Respekt“ und das kann man für Hamburg so unterschreiben. Es lässt sich auf diesem Wege alles Regeln. Sei respektvoll, dann wird respektvoll mit dir umgegangen. Spannend ist auch die Entwicklung. Hip-Hop ist wahnsinnig vielfältig geworden. In den 90ern konnte man alle so leicht aufteilen. Gangsterrap, Backpackrap, dies, das. Heute kommt immer wieder was neues um die Ecke. Dieser Hip-Hop ist eben wie das Leben, unberechenbar. Das macht es spannend!

Seit einigen Jahren feiert ihr nun eure Jubiläumspartys im großem Stil. Gab es für euch ein Highlight bei den Events?

Wir haben jedes Mal aufs neue vor allem im Focus gehabt ein spannendes Line-Up zu basteln. Die Show mit Kool Keith und Retrogott war da schon besonders flashing. Aber auch im vergangenen Jahr dem jungen Johnny Rakete gemeinsam in einer Cypher mit MC Rene, Curse und Main Concept auf der Bühne zu sehen war ein echtes Erlebnis. Einfach schön zu sehen wenn so junge MCs völlig ehrfürchtig auf die Bühne steppen. Auch wenn einige Zungen behaupten könnten, dass die zuletzt genannten alle schon über den Zenit weit hinaus sind, gucken wir, was uns flasht und wenn es die Chance gibt, dann buchen wir eine Show. Das gilt für den Geburtstag genauso wie für die einzelnen Konzerte. Zu viele haben schon wunde Knie, von den Bemühungen gute Shows von Agenturen zu bekommen. Wir machen das was wir tun aus Leidenschaft und wenn ein freshes Thema am Ende wieder bei der gleichen Agentur landet die auch alle Chart Themen macht, dann wisst ihr warum. Wohl bekommst.

Shout Out an dieser Stelle an Nandor von Don’t Stop Uz und an die Mädels und Jungs vom Uebel. Hamburg braucht mehr Leute die das, was sie tun, aus Überzeugung machen.

Grossstatttraum

Wann seit ihr das erste Mal bei Underpressure gewesen? Was bedeutet der Laden für euch?

Unseren ersten Flyer hat uns damals Gato, der schon einige Jahre nicht mehr bei UP ist, 2009 gesponsert. An den ersten Besuch kann ich mich persönlich nicht erinnern. Es war auf jeden Fall, als der Laden noch in der Karolinenstraße war. Der Laden ist für uns Zuhause. Das perfekte Beispiel, wie mit viel Liebe ein Shop wachsen kann und sich zu einem unverzichtbaren Teil einer ganzen Szene entwickelt. Ein Laden voller kreativer Köpfe. Klar das mit der Zeit und der Lage der Laden schon lange mehr ist als ein Laden für Graffiti-Dosen. Das ist aber auch mehr als wichtig, denn davon kann keiner Leben. Wenn die Schanzen-Gänger da ihr Geld ausgeben, dann ist das doch Super. Es gibt Schuhe, Mode und alles mögliche. Das Gute ist aber, dass die Leute die das da aussuchen top sind. Heißt gute Motive und Marken, die nicht nur Nike und Adidas sind. Neben vielen lokalen Labels auch eine traditionsreiche eigene Artist-Shirt-Kollabo. Ein Plattenregal, das sicher als Schuhregal mehr wert wäre. Aber genau das macht den Laden für uns aus. Er hat ein Herz und das schlägt in den Leuten die ihn betreiben und die dort arbeiten! Wir haben schon vor Jahren angefangen handgeschriebene Tickets zu Underpressure, Groove City und Just Fitteds zu bringen, da diese kleinen Stores für uns die perfekte Anlaufstelle sind, um auf diesem Weg unseren Konzertgästen zu sagen, schmeißt nicht die Ticketgebühren Eventim oder Ticketmaster in den Rachen. Kommt einfach in den Laden eures Vertrauens und da zahlt ihr keine Gebühren. Spart den Taler und kauft euch lieber ne neue Cap, Schallplatte oder what ever. Support your local dealer!

Hier findet ihr Grossstatttraum bei Facebook! 

Hier findet ihr die Facebook-Veranstaltung mit allen Infos zur Blockparty!

Hier die kommenden Veranstaltung neben der Blockparty: 

07.09. UNITY /w MC Melodee & DJ Ezd (NL)
08.09. MC Rene – Khazraje (Nachholtermin) – live in Hamburg
15.10. Youngblood Brass Band – live in Hamburg
24.10. JayDee Made This – J Dilla Tribute
11.11. Madchild // Hamburg
15.11. Goldroger • Waagenbau • Hamburg

Grossstatttraum

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Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt ganz gut seinen Charakter.

1 Comment

  1. Dave

    29. August 2017 at 23:30

    Was willse denn noch sagen? Die Leute haben soviel Herzblut und sind einfach Mega Chef bei dem, was sie tun!!!

Erzähl Digger, erzähl

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