Good Bye, Intro!

Intro-Outro

Und damit verlässt auch das größte deutschsprachige Musikmagazin die Bildfläche. Nach 26 Jahren wird die Intro, einer der letzten „Riesen“ im Print-Musikjournalismus, im Juli zum letzten Mal erscheinen – und damit eine große Lücke hinterlassen.

 

2018 scheint sich langsam aber sicher zum Horror-Jahr für Print-Liebhaber zu entwickeln. Der März kostete uns den NME, der April bereits die Neon und nun verschwindet auch die Intro. Ein Magazin, dass seine für Popkulturjournalismus-Verhältnisse immense Reichweite nutze, um einen Blick auf all das zu werfen, was zwischen den großen Acts unterzugehen drohte. Eine Plattform für die, die sich nicht auf Sechsstellige Follower-Zahlen und die eigene Marke verlassen konnten. Dabei beweist man Liebe für etwas sperrigere Pop-Kultur und ein Auge für großartiges Potential. 

Das zeigte sich nicht zuletzt an den unkonventionellen Cover-Entscheidungen. Werfe ich als Leser einen Blick auf den Magazin-Stapel auf meinem Nachttisch, schaue ich auf aktuelle Stories über die Nerven, Haiyti Roosevelt, Isolation Berlin. Das hat wenig mit Industrie zu tun, sondern mit Liebe zur Nische.
Damit zog sich die Intro über mittelweise mehrere Leser-Generation junge Musikbegeisterte heran, für die Genre-Grenzen im Musikgeschmack oft kaum Platz finden. Mit der kostenlosen Verbreitung betrieb man als Institution über die mehr als zwei Jahrzehnte, die seit der Gründung durch Matthias Hörstmann ins Land genauen sind, beinahe eine Art kulturelles Ehrenamt – aus Liebe zum Spiel. 

Aber let’s face it: Print strauchelt nicht erst seit einigen Monaten. Immerhin erscheint dieser Mini-Nachruf auch nicht mehr in einer gedruckten BACKSPIN. Print vermittelt zwar noch immer einen anderen Kultur-Journalismus als ein Online-Auftritt, bietet mehr Raum für Zeitloses, für größere Stories, für das Sperrigere, das durch den Speed des Internets vielleicht keinen Platz mehr findet. Aber Print weckt kein Interesse mehr. Viele Magazine haben den Sprung an die Web-Front zu lange vor sich hergeschoben oder gar komplett verpasst.

Und ohne große Verlage, ohne Budget sieht es nunmal sehr düster aus für das gedruckte Wort. Magazine, die bis heute in Eigenregie erscheinen, besetzen eine verschwindend geringe Nische am Markt, gehören auch für ein großes Verlagshaus wie Springer zu den Liebhaber-Projekten. Der Intro-Kurs eines Gratis-Magazins durch die Online-Erträge aufzufangen, glich einer Mammut-Aufgabe, die schlussendlich offensichtlich nicht bewältigt werden konnte.

Wir als BACKSPIN und ich als treuer Leser werden die Intro und ihre Formate schmerzlich vermissen. Denn auch, wenn es mit dem Online-Auftritt auf intro.de weitergeht, das Selbe bleiben wird es nicht. Wir wollen uns für die Arbeit aller Beteiligten, den Mut, Kulturjournalismus ausschließlich auf der Basis von Anzeigenfinazierung zu betreiben und auch dafür, ein Spotlight auf die potentiellen Indie-Stars von morgen zu werfen, bedanken. Wir werden die Intro vermissen. 

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

Erzähl Digger, erzähl

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