ACHTVIER

Gerard: „Seit dem gibt es keinen Tag an dem ich nicht etwas mache, das ich mag“

AAA


 
Gerade mal vier Jahre ist es her, dass Gerard mit „Blausicht“ sowohl Kritiker, als auch Fans auf sich aufmerksam machte. Seit dem hat er es nicht nur geschafft einen ganz eigenen Stil zu prägen. Erst kürzlich gründete der Österreicher mit „Futuresfuture“ sein eigenes Label, auf dem auch sein neues Album „AAA“ heute erschien. Ich sprach mit ihm für ein Interview zwischen den Zeilen über The Streets, Kanye Wests persönlichen Assistenten, und den Weg zu „AAA“

Zwischen den Zeilen mit Gerard zu „AAA“

 

Als ich mir deine Blogs zum neuen Album angeschaut habe, erinnerten sie mich sehr an die Videos zu Mike Skinners „Computers and Blues“ Blogs. War das bewusst?

Gerard: Jetzt wo du das sagst, ja. Die habe ich mir auch immer angeschaut, aber ich hab das ehrlich gesagt nicht als Inspiration gehabt. Aber anscheinend unbewusst doch. Oder es hängt ein bisschen damit zusammen, dass ich alles alleine gemacht habe. Aber das ist schön. Ich habe das damals bei Mike Skinner immer sehr geil gefunden.

Das Cover zu „Luftlöcher“ wiederum...

Gerard: Das war schon bewusst. Das ist als eine Referenz zu verstehen. Es ist auch nicht so, dass ich sage, „Das war alles von vorne bis hinten geplant.“ , aber als ich das Bild sah, hat mich das voll erinnert an „Original Pirate Material“. Dann habe ich das hergenommen. Es steht für mich für den Alltag und für tausend kleine Geschichten. Das Original ist von einem Portugiesischem Photographen. Dem kaufte ich das ab. Der Titel war „There is a story behind every window“ und das fand ich sehr schön, weil ich immer Geschichten aus alltäglichen Beobachtungen erzähle.

 

AAA
 

Was steckt hinter dem Albumtitel „AAA“?

Gerard:AAA“ ist für jeden selbst interpretierbar. Ich hatte immer drei Titel im Kopf. Einer war „Alles auf Anfang“, was darauf anspielt, dass gerade so eine schnelllebige Zeit ist. Weil sich die Welt neuerdings zu schnell ändert finde ich es wichtig, dass man Dinge riskiert, weil es die Sicherheit, die es in der Eltern Generation gab nicht mehr gibt. Deshalb finde ich es wirklich wichtig, dass man macht, was man wirklich will. Ein anderer Titel war „Anders als Alles“, weil ich mein eigenes Genre etablieren will und ich immer Musik machen will, die im deutschsprachigen Raum so sonst keiner macht. „Access all areas“ war das dritte was rumgeschwebt ist, weil es zugänglich ist und auch, weil in der Box meine Handynummer drin ist und ein Backstagepass. Damit kann man zu Meet and Greets kommen. Wenn ich in Hamburg bin zum Beispiel und in die Gruppe schreibe, „Wer will sich auf ein Eis treffen?“ trifft man sich. Ich habe gemerkt, dass ich, durch die Bank, nur coole Fans habe, mit denen ich auch gerne nach der Show noch rede. Da ist die Zeit manchmal sehr knapp.

Hängt mit dem Gefühl Dinge riskieren zu müssen zusammen, dass du dein eigenes Label Futuresfuture gegründet hast?

Gerard: Das war auch so ein Ding, bei dem ich dachte, „Warum nicht?“. Man sieht immer, dass sich so viel ändert und das was ich mit meinem Label vor hab gibt es so noch gar nicht. Das ist kein klassisches Management oder klassisches Label. Wir haben einfach ein kreatives Netzwerk an Leuten, die sich in dem Bereich auskennen und die jungen Künstler beraten. Das sind Netzwerke die den Künstlern auch zur Verfügung stehen, weil alles andere machen sie heute ohnehin schon selbst. Die wissen genau wie das abläuft, wie man Videos macht, wie man Social Media macht und alles. Von daher fängt Futuresfuture da an, wo ein leerer Raum besteht, weil die meisten Labels nicht auf einen modernen Künstler ausgelegt sind.

An der Produktion von „AAA“ waren andere menschen beteiligt, als noch auf „Blausicht“ oder „Neue Welt“. Mit wem hast du diesmal zusammengearbeitet?

Gerard: Bei „Neue Welt“ und „Blausicht“ war ich schon immer bei der Entstehung dabei. Das ist jetzt mehr geworden. Ich sitze immer neben dem Komponisten und wir arbeiten gemeinsam so weit, bis wir nicht mehr weiterkommen. Mit der Idee gehen wir dann zu einem Executive Producer. In dem Fall war das Albin Janoska, der auch bei SOHN in der Band spielt. Er hat auch einen Song von Rihanna auf ihrem aktuellen Album produziert und wohnt derzeit in Los Angeles. Es ist auch immer geil, wenn du dich in einem Umfeld bewegst, in dem du merkst, „Krass in demselben Studio, wo du bist sind schon Songs für Banks und The Krauts entstanden.“ Dadurch ist dann eine Herausforderung gegeben, sodass ich wirklich will, dass SOHN, wenn er die Songs hören würde, sie in ein internationales Level einordnen würde. Bei den Komponisten war auch ein junger Wiener, der erst 22 oder 23 ist, namens Nathan dabei. Er hat ganz viel gemacht. Außerdem war mit David Punz noch ein zweiter Wiener beteiligt. So haben wir das im dreier Team jeweils produziert.

In deinem Blog sah man, dass du bei South By Southwest (Anm. der Redaktion: I.F. SXSW genannt) warst und auch so bist du viel herumgereist. War das Reisen eine wichtige Inspiration für das Album?

Gerard: Auf jeden Fall. Gerade SXSW war gerade wegen Futurefuture wichtig. Da geht es eben genau um die Zukunft der Musik oder der Entertainment Branche. Da kriegt man sehr interessanten Input und lernt coole Leute kennen. Wenn man sich öfter sieht, oder wenn man sich am nächsten Abend wiedertrifft schließt sich der Kreis dann. Es war auf jeden Fall sehr inspirierend, weil du merkst, dass die Leute, die in den USA in dem Bereich arbeiten auch nichts anderes machen, als du. Wenn wir zum Beispiel in Wien auf einer Party sind, dann redet man über Künstler aus Wien. Wenn du in Los Angeles auf so einer Party bist, dann ist dann dort eben der Personal Assistant von Kanye und redet über ihn so wie wir in Wien über jemand anderen reden würden. Da merkst du eben, dass das eigentlich dasselbe Spiel ist, nur eben auf einer anderen Ebene. Im Grunde genommen kochen die auch nur mit Wasser und das ist auch total inspirierend, wie dich solche Leute ernst nehmen und sie deine Meinung auch interessiert. Das sie groß denken haben sie eben voll drauf. Die denken, „Alles ist möglich.“ , und „So groß wie möglich.“. Das Scheitern ist in den USA auch nicht verpönt. Da gehört es zum guten Ton,dass man Fehler macht und aus Fehlern lernt. Wenn man hier einmal versagt, ist man der Loser und deswegen haben Leute Angst etwas zu riskieren und das gibt es drüben nicht. Das hat mich inspiriert.

 

 

Was war für dich die größte klangliche Veränderung von „Neue Welt“ zu „AAA“?

Gerard: Es ist ein ganz anderer Sound. Das ist dem geschuldet, dass ich mit anderen Leuten zusammen gearbeitet habe und weil ich immer was neues mache. Der vielleicht größte Unterschied ist glaube ich, dass die Drum mehr „bangt“. Es ist Klang der Drums weniger Indie-mäßig, als bei „Neue Welt“. Auch wenn das kein Indie-Album war. „AAA“ ist puristischer, eher wie auf „Blausicht“.

1. Chaos

Gerard: Eigentlich ist das einer der ersten Songs zusammen mit „Mehr“ einer der ersten Songs der entstanden ist. Als es darum ging eine Tracklist zu erstellen konnte ich „Mehr“ nie einordnen. Der ist immer ein wenig ausgebrochen. Ich fragte mich, ob ich den runter nehmen muss, weil er doch nicht drauf passt. Dann hab ich I Salute, mit dem ich an dem Album gearbeitet habe, ein paar alte Skizzen vorgespielt. Da war dieses „Chaos“ Ding oben, was ich wirklich One-Take auf meinem iPad aufgenommen habe. Da ist nichts mehr dran geändert. Ich habe auf dem iPad die ersten Gedanken die mir gekommen sind umgesetzt. Normalerweise wechsele ich dann um, ändre hier und dort noch mal den Flow. Aber irgendwie war das aber so ehrlich und chaotisch. Er fand es voll geil und „Mehr“ überhaupt nicht. Er meinte, das passe gar nicht und sei viel zu poppig. Dann sprang aber nach „Chaos“ zufällig „Mehr“ rein und auf ein mal hat er es verstanden. Da wurde uns klar, dass man gar nicht weiß, was man von dem Album zu erwarten hat, wenn nach so einer chaotischen iPad Aufnahme so ein poppiges ausproduziertes Lied kommt. Das hat mir als Einstieg gefallen. Es soll so ein bisschen aufwärmend sein und dann geht es los.

2. Mehr

Gerard: In dem Album geht es vielleicht, oder vielleicht auch nicht um eine Beziehung und hier wird die Entstehung beschrieben. Dass man sich in der Uni in der Bibliothek kennenlernt. Weil das in der Zeit stattgefunden hat, habe ich mich da an die Unizeit zurückbesinnt.

3. Konichiwa

Gerard: Konichiwa heißt ja auch „Hallo“ und da gibt es ja auch diesen Track von Skepta. Ihn und Grime allgemein höre ich sehr viel. Damals 2012, 2013 zu „Blausicht“ Zeiten kam er ja groß raus. Da haben viele noch nicht verstanden, dass mein Flow mehr von UK Flows inspiriert ist. Von daher ist es auch ein bisschen eine Referenz an meine UK-Rap-Fantum, was sich ja auch ein bisschen durchs Album zieht.
 

 
4. Play/Skip (feat. Naked Cameo)

Gerard: Es gibt so Morgen an denen so Kleinigkeiten schief gehen. Je älter ich werde, desto selbstreflektierter werde ich. Ich reflektiere seit einiger Zeit vor allem meine Stimmungen. Wenn ich schlecht drauf bin, denke ich zum Beispiel daran, seit wann das so ist und was seit dem passiert ist, an was ich gedacht habe. In 90 Prozent der Fälle komm ich darauf, dass es irgendein Kleinscheiß ist, wie ich es in dem Track es auch beschreibe. Die U-Bahn fährt nicht, oder die Bäckerin hustet auf dein Croissant. Ich mache mir dann immer bewusst, dass du dich aus deinem Blues auch selbst rausdenken kannst. Ein Mittel dafür ist für mich auch immer Musik. Dass ich dann den richtigen Song höre, meine Gedanken wieder anders sind und ich den Tag schön gestalten kann. Es gibt immer Dinge die nerven. Manche sind wichtiger, manche unwichtiger. Aber es ist keinem geholfen, wenn man die ganze Zeit schlechte Laune hat.

5. Luftlöcher

Gerard: In der hektischen Gesellschaft heute ist es schwer zu wissen, an wen du glauben und an wem du dich orientieren sollst. Ich bin ja doch eher Optimist. Genau so schnell wie es in die falsche Richtung ging in letzter Zeit kann es auch in die richtige Richtung gehen. Eine spezielle Lösung für die ganze Hektik derzeit habe ich leider nicht parat. Ich bin trotzdem Optimist und glaube, dass die Dinge wieder in die richtige Richtung gehen werden.
 

 
6. Fliege davon (feat. Schönbrunner Gloriettenstürmer)

Gerard: Es gab den Song „Fliege davon“ schon, aber mir hat da noch der besondere Moment gefehlt. Irgendwie war es mir noch zu berechnend, zu klar, zu logisch. Dann hab ich von den Schönbrunner Gloriettenstürmern, die auch bei FuturesFuture sind, den Song „Ein Vöglein müsst man sein“ gehört und ich fand den so geil, dass ich ihn einfach reingecuttet hab. Dann hat der Song für mich noch mehr Sinn ergeben, weil so eine grundlegende Message klar war, aber dann so ein Element dazukam, bei dem man sich gleich am Anfang fragt, was das ist.

7. The Streets

Gerard: Das Instrumental hatte für mich so einen The Streets Flavor. Als ich dann anfing die Geschichte zu schreiben, habe ich gemerkt, dass es eigentlich ein bisschen wie die von „It’s too late“ von The Streets ist. Das fand ich krass und hab das gleich zum Konzept gemacht. In der ersten Strophe geht er zu seiner Freundin oder was auch immer das ist, das weiß man ja nicht so richtig. Es ist nicht schlimm, weil wenn du zu spät kommst, weil du dich bei einem Freund verredest ist das kein Drama. In dem Moment am Ende der zweiten Strophe allerdings, als ihr Geburtstag gewesen wäre, bringt es das auf ein Mal auf ein anderes Level. Es ist ja auch eine Metapher darauf, dass er nicht so wirklich über sie nachdenkt.

8. Wolken aus Gold

Gerard: Wenn du in so einem Flow bist und so viele Dinge machst, bist du immer beschäftigt und da hatte Maeckes die schöne Zeile auf meinem letzten Album

„Man muss sich Träume sehr gut merken, weil es sonst sein kann, dass man sie nicht mehr erkennt, während man sie schon längst erreicht hat.“

Darum geht es auch ein bisschen. Dass man manchmal so beschäftigt ist und so viel macht, dass man gar nicht merkt, dass es funktioniert hat. Ich habe auch auf „Play/Skip“ die Zeile

„Ich hab seit ich elf bin meinen Alltag mit Sound unterleg, jetzt hab ich keinen Alltag, scheint als hätte ich aus Versehen meinen Traum gelebt.“

Du hast voll viel zu tun, musst aber ab und an realisieren, seit drei, vier Jahren machst du nur was du liebst. Seit dem gibt es keinen Tag an dem ich nicht etwas mache, das ich mag.

9. Jetpacks

Gerard: Technologie entwickelt sich immer schneller weiter. Ich bin ja auch das Gegenteil von einem Fortschritts-Skeptiker, aber natürlich wird es schwierig, wenn du dich in automatischen Maschinenpistolen einhacken kannst, oder Maschinen von sich aus zu denken beginnen. Das kann man zwar auch zu seinem Vorteil nutzen und das wird es auch schon, aber ich denke viele Leute verstehen nicht wie weit das schon alles ist. Zum Beispiel, dass Computer selbst denken. Das klingt nach Science Fiction, aber das ist jetzt schon so. Das wird sich jetzt auch exponentiell schnell weiterentwickeln. Ich finde das zwar geil, aber man muss da auch schon ein bisschen drauf aufpassen, oder lernen damit umzugehen.

10. Moonbotica Mond

Gerard: Was sich durch das Album zieht ist, dass es viel mit Referenzen spielt. In dem Song geht es um Beziehungen. Man ist bist um 4 Uhr noch alleine im Club feiern und kommt raus. Es ist ziemlich beschissen, dass es mit dem anderen Mensch nicht so gelaufen ist, wie man gehofft hat. Damals als ich diese Erfahrung, diese Gemütslage hatte, weiß ich noch dass der Song „Der Mond“ von Moonbootica mit Jan Delay gerade lief. Ich dachte der Mond ist ein Zeichen. Es gibt ja auch den Song „Junimond“ von Rio Reiser. Irgendwie kam ich auf die Situation und dachte es wäre geil, wenn man zwei Referenzen mischt.

11. Eins zu eins

Gerard: Wenn man selbst reflektierend über das Leben nachdenkt, denkt man oft, dass man Dinge hätte anders machen können. Im Endeffekt bringt das kaum was und man sollte schauen, dass man so frei wie möglich ist. Jeder Streit, jeder Rückschritt, jede Niederlage hat auch im Nachhinein sehr oft was gutes. Das ist auch etwas, was meine Oma immer gesagt hat „Wer weiß wofür es gut ist?“. Das hat sich echt oft bewahrheitet. Man muss in so Situationen an die Zukunft denken und daran, dass auch etwas gutes daraus werden kann.

12. Frösche (feat. I Salute)

Gerard: Ich dachte mir, es wäre geil, wenn beim letzten Song ein anderer das erste Wort hat, der dann sagt „You can be just like me“. Das würfelt alles nochmal durch. Die Idee war geil und ich bin Fan von I Salutes Kunst und dem was er macht. Daher fand ich es sehr geil, dass das Album sehr weird anfängt und total weird aufhört. Unser Vertrieb hat uns das Ende vom Album gemailt und hat gefragt „Ist das Absicht?“. Wie ich die E-Mail bekommen hab, wusste ich schon, dass ich alles richtig gemacht habe.
In der Session, in der ich I Salute „Chaos“ gezeigt hatte, hatte ich auch noch einen Refrain, den ich gut fand. Das war der von „Frösche“. Er hatte noch so einen Part, der auch sehr gut war. Dann haben wir irgendwann gemerkt sowohl in seinem Part, als auch in meinem Refrain Frösche vorkommen. Solche Zufälle ergeben sich oft und das zieht sich dann durchs Album.

 

AAA“ könnt ihr hier bestellen.
The following two tabs change content below.
Stuttgarter Heidelberger, der in Hamburg ist, sich in der Musik zuhause fühlt und von Hannes Wader erzogen wurde Hip-Hop zu lieben.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.