George Nicholas: “Ich kann beide Sprachen, warum nicht?”

George Nicholas ist ein gebürtiger Kalifornier, der seit seiner Kindheit in Hamburg lebt, Deutsch spricht und auf Englisch rappt. Er machte 2014 das erste Mal auf sich aufmerksam, als er sein Debüt „Dual Citizenship“, veröffentlichte. Ende letzten Jahres erschien schon seine dritte EP „Capital Gain“. Heute erscheint das neue Video zu  „A.M.“. Grund genug sich mit George Nicholas zu treffen. Ich traf den Rapper in der Hamburger Sternschanze zu einem Gespräch über seine vielfältigen Einflüsse, seinen Werdegang und seine eigene Herangehensweise an Tracks. Ob er sich auch vorstellen kann auf Deutsch zu rappen erfahrt ihr hier.

George

Was sind deine musikalischen Einflüsse?

Die Sozialisierung (mit Hip-Hop) fing an durch Limp Bizkit. Straight Limp Bizkit. „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ war die erste Platte, die ich gehört habe und ziemlich gefeiert habe. Dann waren noch so ein paar Xzibit Sachen mit dabei. Und wenn du die Sache dann weiterspinnst, dann kommst du zu Dr. Dre, Eminem, Method Man und dann hat sich das durchgezogen. LimeWire, gib ihm (Anm. d. Red. LimeWire war eine Filesharing-Software, die vor allem in den mittleren Nuller-Jahren genutzt wurde um Musik runterzuladen.). Alles gesaugt. Oder die Torrent Geschichten. Da war ja noch nichts mit Stream. Meine Mutter hat viel achtziger gehört, wie z.B. Depech Mode, R.E.M. Irgendwann kam die Pubertät, wo man nicht mehrt die Sachen sondern  die eigene Mucke hören wollte. Ist aber zeitlose Mucke. Ich finde auch, die Eighties-Drums sind meine Favorites. Ist eine hart unterschätzte Ära. Die Jungs wussten Bescheid. Genesis, Phil Collins das lief auch viel. Das ist auch einer meiner Favoriten aus der Ära.

Welchen Einfluss hatte speziell die Herkunft aus der Bay Area?

Das ist eher der Rap-Stil. Wen ich viel gehört habe ist Andre Nickatina. In der Bay Area ist er eine Legende, aber er hat nie den Mainstream Sprung geschafft. Er war immer unter dem Radar, hat aber eine sehr stabile Fanbase. Er hat eine krasse Diskografie. Er macht Musik seit den Neunzigern. Ich habe mir mal alles angehört was er gemacht hat. Er hat ein ganz anderes Leben (als ich). Er ist ein richtiger OG und ehemaliger Zuhälter aus San Francisco. Das ist nicht die Welt aus der ich komme, aber ich habe die Raps so sehr gefeiert.

Für mich klingt deine Aussprache sehr nach New York, während der Flow eher nach Südstaaten klingt. Glaubst du das kommt durch die internationalen Einflüsse, die du in deinem Leben hattest?

Die Musik war ein Mittel für mich um einen Bezug zu den Staaten zu halten, weil ich hier war und die Familie in den USA lebt. Ich habe hier in Hamburg keine Verwandtschaft. Das war für mich immer ein Weg mit der Heimat in Verbindung zu bleiben. Über die Rap-Musik. Weil ich nicht nur in einem Ort war, habe ich nicht gehört was aus meiner Gegend kam. Das kam später. Ich hab mir gesagt: „Ich muss mal gucken was es bei mir, in meiner Stadt, wo ich herkomme, für Sachen gibt.“ Habe meine Hausaufgaben gemacht sozusagen und mir angeschaut, was die Vorväter aus der Bay Area gemacht haben. Ich hab mir aber alles angehört. Südstaaten Sachen, New York Sachen. Alles was mich angesprochen hat. Mir war das egal wo das herkommt.

Hast du Inspirationen außerhalb der Musik?

Generell alles. Ich schaue mir aber gerne Filme an. Ich liebe alte Hamburger Kiez-Dokus. Es gibt viele gute davon. Es fängt an mit den goldenen Jahren 60er, 70er. Ich bin nicht aus dem Milieu, aber mich flasht die Optik . Die nicen, alten Autos, die Anzüge, die Art und Weise, wie die Jungs sich verhalten.
Ansonsten schaue ich mir gerne mal Good Fellas an. Den Film muss ich mindestens ein dutzend Mal gesehen haben. Solche Sachen. Die alten Gangsterklassiker. Die schaue ich gerne. Gute Filme sind für mich immer eine schöne Inspiration. Und das Reisen. Ich habe nicht viele Orte auf der Welt gesehen, aber dieses Hin und Her, das gibt mir viel. Ich war jetzt im Dezember wieder in der Bay Area für einen Monat und kam wieder mit frischen Ideen, habe wieder was mitgenommen und kann was im Kopf ausbrüten. Viel Visuelles. Fotos auch. Fotobücher. Wie zum Beispiel eines das spezifisch um Palo Alto ging. Manchmal gibt es auch auf Instagram ein paar Gute. Mir geht es um den eingefangenen Moment. Abgesehen davon ist es das Leben an sich, was man so durchmacht.

Was ist deine Verbindung zu Hamburger Rap?

Ich habe in meiner Grundschul-Zeit parallel zu den Anfängen mit Limp Bizkit und Xzibit, auch sehr gerne das Dynamite Deluxe „Deluxe Soundsystem“ Album gepumpt. Der große Bruder meines Homies hatte das auch am Start. Das war der Shit. Generell die ganzen Samy Deluxe Sachen wie „Weck mich auf“. Krasses Video, krasse Botschaft. Hab ich auch sehr gerne gepumpt. Ich muss aber sagen, sonst nichts bis auf das. Und als 187 dann irgendwann kam, fanden wir das auch ziemlich cool, weil wir aus der Stadt kamen. Beginner „Bambule“ habe ich auch mega viel gepumpt. Das ist ein richtig geiles Album, welches ich bis heute noch gerne höre. Aber bis auf ein paar Hamburger Dinger habe ich nicht viel deutschen Rap gehört. Vielleicht werden mich Leute auch kritisieren dafür. Ich weiß es nicht, aber ich finde deutscher Rap ist qualitativ besser geworden.
Viele Leute werden sagen: „Hey damals, die alten Zeiten…“ Ich sag: „Ehrlich, Mann, das was in den letzten Jahren hier rausgekommen ist, ist qualitativ auf jeden Fall wesentlich besser.“ Meines Erachtens, wenn ich es vergleiche. Meine Freunde haben mich auch oft gefragt, warum ich primär Ami-Mucke höre. Ich sagte: „Die Geschichten sind krasser, die Beats sind krasser, die Flows sind krasser.“ Aber mittlerweile steht deutscher Rap dem in nichts mehr nach.
Das habe ich an den Beginner damals so gefeiert, dass sie so eine sehr musikalische Herangehensweise an die Mucke hatten. Es war einfach geile Musik. Es war kein Typ, der versucht Reime auf irgendeinen Beat im Takt zu bringen, das war einfach ein geiler Track. Alles war eins. Das hat damals schon das Dynamite Camp und Samy Deluxe sehr gut gemacht. Heutzutage gibt es mehr Jungs die es hinbekommen haben.

Ist das Thema „Heimat“ für dich schwierig, oder gibt es da eine bestimmte Sache mit der du dich identifizierst?

Nein. Ich habe beide Pässe und somit beides, Vorteile und Nachteile. Ich habe auch die Verantwortung für beides. Für mich gibt es nur diese Dualität. Ich kenne das nicht anders. Ich könnte nie sagen, ob ich hier her komme oder hier her. Klar, komme ich hier nach Hamburg für ein halbes Jahr und es ist kalt und scheiße, sehne ich mich nach Kalifornien. Aber wenn ich dort ein paar Monate bin, denke ich auch: „Jetzt eine Runde über den Kiez schlendern hätte ich auch Bock drauf.“. Ich kann es nicht auf einen Ort beschränken.

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Stuttgarter Heidelberger, der in Hamburg ist, sich in der Musik zuhause fühlt und von Hannes Wader erzogen wurde Hip-Hop zu lieben.

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