Frauenarzt und Taktloss: “Fick Die Biaaatch Rekordz ist das letzte überlebende Label des Berliner Untergrunds”

Wir sind Gott

Frauenarzt: Das war der letzte Song, den wir aufgenommen haben. Der Song ist eine Art Intro und passt natürlich zum Albumtitel. Dave hat uns ein Instrumental geschafft, welches er eigentlich schon für „Mutterficker“ gemacht hatte, ich aber nicht benutzt habe. Das hat er überarbeitet und wir haben diesen Song daraus gemacht. Ich muss sagen, der Song hat eine eindeutige Message.

Ich schwöre

Frauenarzt (an Taktloss): Willst du dich verteidigen? (lacht)

Taktloss: Oh mein Gott.

Frauenarzt: Ich kann mich nicht mehr richtig daran erinnern, wie der Song entstanden ist. Lediglich daran, dass wir für die Hook das Autotune Plugin eingeschaltet haben und drauf los gejamt wurde. Es ist also eine als Song ausgearbeitete Jam-Session und einer der Beats vom Album, die wir nicht selber vorproduziert haben.

Kein Geheimnis feat. Sido, Marteria und Prinz Pi

Frauenarzt: Sido ist ein schlüssiges Feature, weil wir beide oft mit ihm gearbeitet haben. Prinz Pi ist ebenfalls ein Freund von uns beiden, den wir seit Jahren kennen. Marteria kam eher durch Taktloss, ich kenne ihn persönlich mehr oder weniger flüchtig aber wir mögen uns. Man muss ehrlich sagen, dass die Idee, Prinz Pi zu featuren, erst durch Marteria kam. Wir hatten lange keine Hook für den Song und haben hin und her überlegt, wer dazu passen könnte. Prinz Pi hat da eine sehr gute Brücke zwischen den Styles geschaffen.

Bis sie mich töten

Taktloss: Gefällt mir.

Freut mich. Dir auch, Frauenarzt?

Frauenarzt: Der Song ist ein starker Representer. Aggressiv und auf die Fresse. Westberlin Battlerap feinster Sorte. Die Tracklist ist aber auch so aufgebaut, wir haben uns ja schon Gedanken gemacht.

Egal was du sagst feat. Burak

Taktloss, mich würde interessieren, wie du eigentlich Burak kennengelernt hast.

Taktloss: Zum ersten Mal getroffen habe ich Burak zum Videodreh von „Ich schwöre“. Als er die Hook aufgenommen hat, war ich leider nicht anwesend.

Frauenarzt: Stimmt, das war auch bei uns im Studio aber Taktloss war nicht da. Burak ist mit Otto (Hugo Nameless, Anm. d. Vf.) gekommen und die waren schon gut vorbereitet und hatten sich diese Hook schon vorher ausgedacht. Burak ist einfach ein krasses Talent und ein cooler Typ. Auch den „Ahnbar“-Song fand ich schon sehr gut. Den habe ich auch Taktloss gezeigt und ihm vorgeschlagen, die Hook zu „Egal was du sagst“ von Burak machen zu lassen.

Ah, das heißt, du konntest dir aus musikalischer Sicht bereits ungefähr ein Bild von ihm machen.

Taktloss: Genau, er wurde mir nicht von hinten übergezogen, sondern er wurde mir vorher vorgeschlagen. Anhand von YouTube-Hinterlassenschaften von Burak habe ich gesagt, er ist gut.

Jemand muss es tun

Frauenarzt: Zu dem Song haben wir im Vorfeld ein Demo gemacht und das fand ich schon extrem stark. Zunächst war der Song Sample-basiert, die haben wir dann allerdings später durch Synthies von Hell yes ausgetauscht, beziehungsweise die Samples nachgebaut mit Synthies. Das Album hat auch eigentlich keine Samples, es ist komplett synthetisch. Der Titel „Jemand muss es tun“ ist auch eigentlich schon die Aussage des Songs.

Was ist los

Taktloss: Was ist los mit dir?

Frauenarzt: Das ist der poppigste Song auf dem Album, ein Partytrack. Der ist auch auf jeden Fall ein Live-Hit.

Taktloss: Der Song hat vielleicht die fröhlichste Atmosphäre.

Es ist Zeit

Taktloss (rappt): Du fängst an zu zittern, wenn ein Killer vor dir steht.

Frauenarzt: Das ist ein Song zum Hören, würde ich sagen. Da muss man wirklich auf den Text achten, den sollte man nicht nebenbei laufen lassen. Auf unserem Level ist er vielleicht auch etwas sentimentaler.

Taktloss: Auf unserem Mutterficker-Level.

Ich tu‘ nicht viel feat. Jack Orson

Frauenarzt: Schöner Song, die Session mit Jack Orsen war auch geil. Das ist eine Gesellschaft, die man gern um sich hat. Er bringt einen positiven Vibe mit sich und hat dieses Tape-Ding in sich. Aus dem Stegreif mal kurz eine Hook schreiben, diese aufnehmen und die bleibt dann so stehen und so. Das ist echt super.

Taktloss: Vielleicht drehen wir mal ein Video dazu in LA.

Frauenarzt: Wäre geil, aber dazu müssen die Leute ein paar Boxen kaufen (lacht). Wir sind ja auch Typen, die die ganze Kohle wieder in die Kunst investieren. Wenn Zeit und Geld mitspielen, vielleicht. LA ist aber ein geiles Reiseziel und würde gut zu dem Song passen, außerdem ist Jack Orsen auch jemand, der gern reist. Taktloss’ Hobby ist auch Reisen. Mal schauen.

Einer klatscht

Frauenarzt: Das ist auch eine Single. Die wird zwar nicht ausgekoppelt, stand aber auch sehr weit oben. Sie hat einen ziemlich langen Instrumental-Part, der zwei mal vorkommt: Also einen riser und einen drop. Das heißt aber nicht gleich, dass das Lied technoid ist. Es hat einen starken Aufbau und ist auch ein Song, der nicht zum Skippen gedacht ist. Er baut sich bis zum Schluss auf und ist ein Kunstwerk in sich. Dazu kommt eine krass ironische Haltung. Die Hook ist auch stimmverzerrt, allerdings nicht durch Autotune. Den Stimmeffekt hat Taktloss gezaubert, er ist ja auch produktionstechnisch sehr gut versiert. Auf seiner Vorproduktion ist der Song gebaut.

Sag wie es ist

Frauenarzt: Alle Leute, die das Album bisher gehört haben, haben wir gefragt, welcher Song ihnen am besten gefällt. Alle haben mit „Sag wie es ist“ geantwortet oder er war zumindest dabei.

Was glaubt ihr denn, was den Song ausmacht?

Frauenarzt: Die Sozialkritik vielleicht. Vielleicht auch, weil es der thematischste Song des Albums ist mit einem Hauch von message, das ist meine Einschätzung.

Taktloss: Das war tatsächlich der erste Song, den wir aufgenommen haben. Um die Produktion zu loben: Wir hatten die Demos und es war oft so, dass Dave die Instrumentale unserer Vorproduktion mit hat einfließen lassen. Da war ich wirklich überrascht, was da für ein Sprung passiert. Das war auch bei diesem Song so. Er hat unser vorproduziertes Instrumental nicht großartig verändert, aber noch viel Soundqualität reingebracht. Das hat mich sehr positiv überrascht. Als wir den Song gerade aufgenommen hatten, dachte ich, das sei ein guter Einstieg ins Album, allerdings kein Highlight. Inzwischen zählt der Song für mich doch zu den Highlights.

Untergrund Rap feat. Lokke

Frauenarzt: Wir wollten einen Song mit Lokke machen, das war von Anfang an geplant. Er kam ins Studio und er hatte einen Haufen Beats dabei, er produziert auch selbst. Von denen haben wir uns einen gepickt, Lokke hat die Hook geschrieben und Taktloss und ich haben zwei Strophen gemacht. Das Thema ist Untergrund Rap – da ist ja eigentlich schon klar, was passiert. Es ist ein bisschen wie bei „Sag wie es ist“: Was Dave da soundästhetisch noch rausgeholt hat, ist megakrass geworden. Die Zusammenarbeit von Lokke, der einen sehr westcoast-lastigen Touch hat und Dave, der einen komplett eigenen Hell yes Flavour hat, macht den Song zu einem echt geilen Ding. Und bei dem Part von Taktloss habe ich Tränen gelacht. Ich muss immer noch jedes Mal schmunzeln, wenn ich ihn höre oder ihn jemandem zeige.

Vorhang auf 3 feat. MC Bogy, Justus Jonas und Corus 86

Taktloss: Vorhang auf für Hardcore Horror Rap.

Frauenarzt: Der Titel steht für sich. Wir hätten ihn nicht rausgebracht, wäre er nicht 100% Hardcore Horror Rap. Der Beat ist so ignorant, die Strophen sind radikal und Corus86 rasiert bis zum geht nicht mehr. Zu MC Bogy braucht man gar nichts zu sagen, zu Justus Jonas auch nicht – man man man.
… der Song ist so krass (lacht). Das ist jetzt schon ein Klassiker.

Weltuntergang

Frauenarzt: Das ist auch ein sehr eigenes Ding. Musikalisch könnte ich den gar nicht einordnen, weil ich gar nicht weiß, wie man diese Musikrichtung nennt, die wir da gemacht haben. Das ist kein Trap – das ist Rap aber schon sehr chaotisch, sehr brachial. Ein guter Abschluss. In meiner Form der Tracklist wäre der Song weiter vorn aufgetaucht, woraufhin Taktloss aber meinte, lass uns damit abschließen. Nach mehrmaligem Durchhören des Albums ist es wirklich ein genialer Abschluss für die Platte.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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