Frauen, Tiere, Emotionen: Sechs Fäuste für die Gleichberechtigung im Hip-Hop (Outro)

Gleichberechtigung

Alle Illustrationen von Joey Peine

„Wenn ich groß bin möchte ich Feminist werden. Aber ich hoffe, dass es nicht nötig sein wird.“

Ricardo Liniers Siri. Leider scheinen noch immer Statements, Kommentare und Interviews notwendig.

Im Battle wird schier alles, was nicht niet- und nagelfest ist, beleidigt. Dabei wird eine Line nicht erst sexistisch, sollten sich Gegner unterschiedlichen Geschlechts gegenüberstehen. Die Battlerapperinnen und Battlerapper wissen das. Indes ermöglicht die Kunstfreiheit dem Künstler auf der Bühne zu performen, was er möchte. Der tatsächliche Impact auf die Meinungsbildung jeden Einzelnen seiner Hörerschaft ist dabei nicht konkret festzustellen – allerdings liegt auch die Entscheidung zur Vorbildsfunktion allein im Ermessen des Künstlers. Im Backstage und andernorts in der Realität, ist Sexismus oder gar Übergriffe ohne einen erhabenen Zweifel zu verurteilen und bedarf konkreter Handlungen.

Aber wie ändern wir diesen Zustand? Folgt man der „Survival of the Fittest“-Logik des Rap, kann die Opferrolle nur scheitern. Interessanterweise kenne ich aber auch keine einzige Rapperin, die sich in einer solchen Rolle sieht – entweder sie ziehen einfach ihr Ding durch oder geben sich selbstbewusst und kämpferisch. Hip-Hop-Attitude halt. Stattdessen scheinen diese Vorwürfe oftmals von der Bierbank des Musikantenstadls aus, gelallt zu werden. Von denjenigen, die Hansi Hinterseer inbrünstig im 4/4-Geklopfe dazu anfeuern zu singen: „Sei doch nicht so schüchtern… hinterher lade ich dich auf einen kleinen Bummel ein/ und dann gehen wir zu mir nach Haus’ und was dann geschieht, soll unser großes Geheimnis sein“. Womöglich ist das nicht offen sexistisch, erzeugt aber mindestens ein genauso laues Gefühl in der Magengrube, wie die ein oder andere Punchline.

Doch allem gegenwärtigen Sexismus zum Trotz, marschiert zumindest Hip-Hop im Stechschritt auf die Gleichberechtigung zu. Und das auf die edelste Art und Weise: Durch unanfechtbar gute Musik. Zehn Gründe, weswegen wir Reime statt Worte sprechen lassen sollten. 

„Give dem Ladys the goddamn mic, y’all“

Alle Beiträge von Edoardos Kolumne Frauen, Tiere, Emotionen: Sechs Fäuste für die Gleichberechtigung im Hip-Hop findest du hier auf BACKSPIN.de.

Alle Illustrationen dieser Artikelserie stammen von Joey Peine.

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

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