Figub Brazlevic: „Time to get what we deserve!“

Überproduktiv und unermüdlich: Figub Brazlevic, vielen bereits ein großer Name im hiesigen Hip-Hop Kosmos, hat gerade noch zusammen mit Teknical Development ein gemeinsames Album mit dem Namen „Strictly 4 All“ veröffentlicht, da liegt der Fokus schon wieder auf frischer, neuer Mukke. Auf der neuen Platte findet sich neben einem lyrisch-starken und persönlichem „Tek“, der sich ständig weiterentwickelnde Figub wieder, welcher den Briten mit Melodien und Beats beliefert, die bei jedem einen – oder sogar mehrere Nerven treffen könnten. Musik für Alle halt. Grund genug ihm im Rahmen einer neuen Ausgabe des BACKSPIN Spotlights ein paar Fragen rund um seine Anfänge, die Zusammenarbeit der beiden, dem neuen Album und natürlich seiner Zukunft zu stellen.

Name: Figub Brazlevic

Lebt in: Berlin

Produziert seit: 1996

Equipment: PC, Native Instruments Gear, Ableton Live, MPC2000

Lieblings Hip-Hop Track: K-Otix – „Take My Life“ (and many more)

Lieblings Non-Hip-Hop Track: Kool & The Gang – „Summer Madness“

Lieblings Hip-Hop Produzent: Hi-Tek

Lieblings Non-Hip-Hop Produzent: Quincy Jones

1. Wie bist du zum Produzieren gekommen?

Wie konnte ich nicht zum Produzieren kommen? Ich war im Gymnasium in der 5. Klasse, als ich meine Nachbarn aus der 6. Klasse eigentlich erst richtig kennengelernt habe. Die Jungs haben damals mit einem Sequenzer für MS-DOS sich gegenseitig sozusagen gebattled. Mit Hardcore Techno/Gabba Sounds. Sie haben sich lustige Wörter ausgedacht und die dann steinzeitmässig recorded und in die Songs eingebaut. Einer der Jungs, sein Name war Markus, war ziemlich gut darin und hat mir das ganze ein wenig erklärt. Es hat eine Weile gedauert bis ich die 15-16 Disketten zusammen hatte und das Programm auf meinem damaligen Personal Computer (mit einem 3x86er Prozessor) installiert hatte. Ich begann mich sehr schnell dafür zu interessieren und habe dann auch schon direkt das Sampling kennengelernt. Sachen wie „Hard To Say I’m sorry“ von Chicago wurden dann von mir gepitched und zerpflückt. Das hat mir direkt Spass gemacht und das Feedback war auch ziemlich cool. Eineinhalb Jahre später etwa wurde ich von einem anderen Freund gefragt, ob ich denn mal ein Hip-Hop Beat bauen könnte. Da ich zu dieser Zeit „Whoohaa…Got You All In Check“ von Busta Rhymes und auch „Temple Of Boom“ von Cypress Hill gehört habe und es mir gefiel, versuchte ich das dann halt mal. Der erste Beat wurde direkt berappt und das war mein Start. Mir gefiel die Reaktion meines Freundes Olli und somit war ich davon angetan. Der Rest ist Geschichte.

2. Gibt es Produzenten, an denen du dich orientierst oder die dich inspirieren?

Klar, ohne wäre das wohl kaum möglich. Hip-Hop war damals recht unbeholfen. Es gab diverse Jams, Breakdance und Graffiti wurden ausgeübt, es gab den Wu-Tang Clan und so weiter. Es war zu dieser Zeit die Golden Era und ich bin voll mitgegangen – aus einer Kleinstadt im Süden Deutschlands. Ich hatte ja auch Glück, das meine Freunde CD’s und Platten gekauft haben, denn nur so konnte ich ein bisschen tiefer gehen als Fanta 4 und dem restlichen kommerziellen Kram zu der Zeit. Als ich dann mit 14 auf einem Schüleraustausch in der französischen Schweiz war, lernte ich unseren späteren DJ Max kennen. Er und Olli hatten zusammen sehr fette Platten wie z.B. die „Soul Survivor“ von Pete Rock oder die „Wu-Tang Forever“ vom Wu-Tang Clan. Ich bin somit sehr früh in eine spezielle Richtung gegangen. Ich hatte nicht viel mit Biggie und Tupac zu tun und habe das auch erst später für mich entdeckt. Ich war damals sehr von französischem Rap angetan wie MC Solaar, NTM, IAM, Funky Family, Sens Unique und benutzte viel Streicher Samples von klassischer Musik und erst Max hatte mir damals bei einem Besuch bei ihm zu Hause von Jazz erzählt. Da war ich knapp 15 Jahre alt. Das hat dann neue Produzenten und Crews auf den Plan gebracht. Danke dir nochmal dafür Max! Und um 1999 war es dann am Meisten DJ Hi-Tek… Die Basslines und die Drums. Das war mein Shice.

3. Wie entstand der Kontakt zu „Tek“ (Teknical Development)?

2009 bin ich nach Berlin gezogen. Meine damalige Freundin war mit Gordon von Project: Mooncircle befreundet und der hatte die Jungs (Obba Supa) schon auf dem Schirm. Ich kann mich erinnern bei ihm zu Hause gewesen zu sein und er spielte mir ein Tape von Obba Supa vor. Ich fand’ es auf Anhieb dope und habe sie dann im selben Jahr bei uns gehostet. Dabei haben wir uns kennengelernt, wobei ich mich damals kaum mit Tek, sondern eher mit Hey!Zeus stundenlang unterhalten habe. Es gibt eine LP/EP von uns allen zusammen, die nie erschienen ist. Das war der Anfang. 2011 lud ich ihn dann persönlich ein zu mir. Das war der Startschuss. Er ist ein Ausnahme Emcee. Fakt.

4. Wie würdest du „Strictly 4 All“ beschreiben? Was für eine Idee steckt dahinter?

Die Platte richtet sich an alle: Die Freunde, die Zuhörer, Familie, Artists. Wir haben das Gefühl nicht immer so ganz wahrgenommen zu werden. Nur für Alle.
Tek ist sehr ehrlich auf dieser Platte, viel persönlicher als je zuvor. Wir sind durch dick und dünn gegangen, haben mit „Man Of Booom“ Grenzerfahrungen gemacht und haben uns nie wirklich positioniert. „Strictly 4 All“ ist viel melodischer im Vergleich zu „The Everyday Headnod“. Auf „S4A“ verbinde ich die Produktionen unserer Vorgänger Alben und schaue aber auch gezielt nach vorne. Wenn man sich die Beats und die Songs anhört, kann man uns schnell in die klassische Hip-Hop Schiene abschieben. Ich finde jedoch, dass sich mein Sound weiterentwickelt hat und auch mein Mix und Mastering ist besser geworden. Ich konnte auch einen Großteil bei Busy machen, denn ich hatte mir zeitweise sein Studio gemietet. S4A“ ist ein Weckruf von uns, mehr als ein Lebenszeichen. Die Lyrics von Tek sind einfach genial, ich vertrete seine Meinung und Aussagen zu 110%:

Hard to open in the rise of life/                                                                                            Population made the social construct unique/ Manipulation fucked, no inspiration/
Self esteem swings like a body hung/
Tuff times you can’t open the can/
Survival of the fittest/
Catch it in the mind to try break the spirit/
The art to important, sacred, more then Hip Hop more then Emceein’/                                     The poetry i’m speaking/

5. Was unterscheidet „Strictly 4 All“ von anderen Produktionen von dir, gerade bei der Zusammenarbeit mit Tek?

Tek ist der beste Rapper, den ich kenne! Wir arbeiten extrem schnell und extrem harmonisch zusammen. Er kennt seinen Part, ich meinen. Er lässt mir alle Freiheiten und das schätze ich sehr an ihm. Seine Texte sind anders, er schreibt keine Rhyme Patterns, er macht was er will. Es macht ihm sehr viel Spass seine Texte zu Rappen. Gerade weil es keine typischen Patterns sind. Er ist ein Tier. Auch Live haben wir bisher überzeugen können. Ich glaube, wir sind zum ersten Mal an dem Punkt, dass wir nicht einverstanden sind mit der Art und Weise wie man uns generell behandelt. Wir haben Jahrelang in der ruhigen Ecke zugeschaut was so passiert und sind davon überzeugt es Live mit vielen da draussen aufnehmen zu können. Wir hatten immer „open doors“ wie Tek so schön zu sagen pflegt. Das ändert sich gerade und der Riesenhunger endlich auf großen Bühnen spielen zu wollen reizt uns extrem. Wir sind seit vier bis fünf Jahren am Dauerbrennen und wollen endlich die Aufmerksamkeit, die uns gebühren sollte. Wir waren auch selber Schuld, denn jeder hatte seine 1000 Dinge zu tun und wir waren irgendwie nicht in der Lage das über die Social Media Kanäle richtig zu kanalisieren. Kein Wunder, wir haben kein Management. Aber dafür reichlich an Erfahrungen sammeln können und nun ist es Zeit für uns auf die Kacke zu hauen! Tek hat immer – wenn man so will – meine „besten“ Beats bekommen. Das sagen zumindest Aussenstehende und das will ich auch nicht abstreiten. Time to get what we deserve! Das Intro des Albums (derzeit noch nicht auf Spotify; wird in der Vinyl Version enthalten sein) sprechen wir das auch gezielt an. „Where my fucking heros at?!“

6. Welche deiner bisherigen Produktionen magst du am Liebsten und warum?

„Oldschool Future“ war mein Debüt, wenn man so will. Das hat schon gut reingehauen. Ich habe den Produktionsstil mittlerweile verändert.

„Expedition Vol.1: From Ghettos To Galaxies“ ist wohl meine beste Instrumental Platte. Sie ist sehr harmonisch. Die hat auch gut reingehauen.    

„Man Of Booom – Back To The Boom“ war die erste richtige Rap Platte. Die hat auch voll reingehauen. Was und wie wir das damals gemacht haben gleicht einem Wunder. Tek und JuJu kannten sich vorher nicht. Das war ein großer Wurf von mir mit vielen Liveshows.

„4×4 Palestine Jeep Beats“ ist innerhalb eines Abends entstanden. Ich hatte dummerweise das Date schon angekündigt und war mir sicher ein Free EP raushauen zu wollen. Am 11.09.2017 bin ich dann aufgestanden und habe den ganzen Tag über gearbeitet wie ein Tier. Ich bin sehr stolz auf die Scheibe, da ich auch einiges mit Palästina verbinde und auch ein paar Samples darin verarbeitet habe, die ich damals dort aufgenommen oder gefunden hatte. Das ganze Projekt ist um die Videoidee herum entstanden. Ich hatte das coole Material und wollte was damit anfangen.

7. An was für Projekten arbeitest du nach dem kommenden Release? Gibt’s da schon Pläne?

Ja, natürlich. Wer mich persönlich kennt, der weiss das ich die letzten drei Jahre ununterbrochen am arbeiten war. Eigentlich habe ich echt zu viel Musik produziert. Ich habe ein großes Projekt das „78532“ heissen wird. Auf der Platte habe ich verdammt viele Feature Gäste – Menschen, die mich in den letzten Jahren des Schaffens begleitet haben oder die ich persönlich gut finde. Das wird ein großes Projekt. Wirklich.

Ich habe zudem eine Neun-Tracks EP Mit Peti Free im Anschlag, richtiger harter HipHop Sound. Rap gegen Rap. Battle Total. Ich liebe diese Platte, denn ich habe sie komplett nüchtern mit den Jungs in drei Tagen gemacht. Die Jungs sind unnormal. Krebserregend gut, wie Tuxho immer meint. Das ist kein Spass alter.

Mit Morten von Immer Ready habe ich ein Überraschungsprojekt. Dazu werde ich nicht viel sagen. Wir waren Ende letzten Jahres in Barcelona und haben da Videos gedreht. Der erste Song kommt bald. Ich bin selber gespannt wie die Fans reagieren werden.                                                                                                                                                                                                                    Alphonzo ist ein Bassspieler einer Punkband (PIY). Seine texte sind sehr politisch und selbstreflektierend. Ich bin total begeistert was der Typ kann. Es macht Spass mit ihm zu arbeiten. Die erste EP „Naturgesetz“ haben wir vor zwei Jahren gedroppt. Nun kommt das Album, ich bin in der Endphase der Produktion und Mastering.

Mit Tesla Alset habe ich einen unglaublich talentierten Sänger/Rapper/Beatboxer an meiner Seite. Es wird Zeit, das wir endlich was vom Stapel lassen, denn der Junge gehört auf die großen Bühnen der Welt. Wir haben endlos viele Demos bisher und er ist auf mehreren LP’s als Feature Gast zu hören, so auch auf der „Strictly 4 All“. Ein toller Künstler. Kann es kaum erwarten mit ihm richtig ins Studio zu gehen. Er musste bisher am Meisten unter meiner Überproduktivität leiden. Aber das wird sich auszahlen, ganz sicher!

Ansonsten gibt es zahlreiche Features. Aktuell arbeite ich auch wieder mit Kollegah an einem Mixtape im Golden Era Sound. Dazu möchte ich aber noch nicht viel erzählen.

Ich bin wahnsinnig umtriebig und muss gerade schauen, dass ich ich das alles unter einen Hut bekomme. nicht leicht, aber macht trotzdem mega Spass. Stay tuned!

Bilder: Jerome Reichmann

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