Fetty Wap – “Fetty Wap”

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Ob im Strip-Club oder Radio – überall hallte Fetty Waps Ode an seine „Trap Queen“. Seinen bisher größten Hit schrieb Willie Maxwell II aka Fetty Wap von der Remy Boyz 1738 Crew aus Paterson, New Jersey bereits 2013. Im selben Jahr, in dem er anfing Musik zu machen – zuerst zu rappen, später zu singen. Im März 2014 debütierte der Track bei Soundcloud, wo er in den ersten Monaten bereits über eine Million Plays generierte, um anschließend als überarbeitete Radio-Version konsequent den Rest der Welt zu übernehmen. Nach dem Erfolg der Debut-Single stand 2015 das Debutalbum an. Und warum kompliziert, wenn es auch einfach geht: Effektives „Trap Queen“-Hit-Recycling und akustische Deja Vus ziehen sich durch sage und schreibe 20 Tracks. Beim Hören des Albums musste ich mir regelmäßig eine Frage stellen: „Lief dieser Track nicht eben schon?“ Die Melodien und Vocal-Lines wiederholen sich teils immer und immer und immer und immer wieder, bis sie innerhalb eines Songs bereits ihren Reiz verlieren. Paradebeispiel hierfür ist „My Way“,  das ultimative Trap-Lullaby 2015, in dem Fetty Wap uns mit seinen sich gefühlt 762 Mal wiederholenden Spiralen in eine hypnotische Trance trällern zu wollen scheint. Wiederholungen, die auf anderen Tracks in ziemlich ähnlicher Manier wieder auftauchen. Ein Muster, das sich durch das gesamte Album zieht: “I Wonder”, „Time“ und „Couple Bands“ adaptieren “My Way”.  “Trap Luv”, „Let It Bang“ und “D.A.M.” kannibalisieren “Trap Queen”. “Jugg” und “How We Do Things” erneuern “RGF Island“.

Auch bei den Features steht Fetty Wap weniger auf Abwechslung. Zwar wollte laut seiner Aussage wohl „jeder“ auf das Album, der 1738er priorisiert jedoch die Crew Love und featured ausschließlich seine Remy-Boyz-Brüder. M80 auf „Rock My Chain“ sowie Monty auf gleich 9 von 20 Tracks. Selbst auf „My Way“ ist Montys Part drauf, trotz der bekannten Version mit Drake. Wenn es darum geht selbst zu rappen, so überzeugt der Rappa-turnt-Sanga neben seiner besten Rap-Performance auf „Again“ auf diesem Debutalbum eher weniger mit gelegentlichen Rap-Kadenzen. Die Lyrics sind auf diesem Album ebenfalls kein Selling-Point. Inhaltlich beschränken sich diese auf drei Themen: Romantik, Homies und Erfolg. Aufgepeppt durch viel Auto-Tune sowie gerne wiederholt eingeworfene “Yeaaaaaaaa baby”s. Auch wenn auf der eigentlichen Hip-Hop/Rap/Trap-Platte thematisch viele typische Trap-ismen mit Texten über Geld und Bitches zu finden sind, dominiert oft eine gewisse Sinnlichkeit in einer Fetty-Wap-typischen Manier, durch welche viele Tracks wie „Again“ oder „Rewind“ als Love-Songs und das Album eher als Trapsoul belabelt werden könnten.

 

Für mich ist Fetty Wap ein Hit-Maker, aber kein Album-Artist. Eintönigkeit und Wiederholungen ziehen sich in den Melodien, Produktionen, Thematiken und sogar den Features wie ein roter Faden durch die gesamte Platte, wodurch sie sehr monoton, alternativlos und für manche sicherlich auch anstrengend wird. Man könnte auch alle Tracks in Endlosschleife shufflen und hätte denselben Eindruck vom Album, als würde man es chronologisch durchhören. Einzeln funktionieren viele Tracks allerdings bestens, wie bereits durch „Trap Queen“, „697“, „Again“ oder „My Way“ belegt. Und schleichend überkam mich irgendwann das Gefühl, als hätte Fetty Wap seinen größten Hit „Trap Queen“ für dieses Album immer und immer und immer wieder adaptiert, um dessen Erfolg immer und immer und immer wieder zu reproduzieren. Eine durchaus effektive und in der Pop-Industrie sehr beliebte Strategie, kontinuierlich neue Hits zu erzeugen und die Kasse klingeln zu lassen. Hashtag Dieter Bohlen. Doch leider rabattiert Fetty Wap dabei Werte wie persönliche Dynamik, Vielfalt und Range.

Der Langspieler bietet kaum Variationen, dafür aber sicherlich ein paar unterhaltsame Hits im einzigartigen Fetty-Wap-Style sowie Club-Banger mit viel Wiedererkennungswert in Stimme und Sound, die Fetty Waps Popularität trotz aller Kritik absolut rechtfertigen. Und letztendlich ertappt man sich dann doch beim Mitträllern. Oder Mitgröhlen im Club. Ob es nun daran liegt, dass die Nummern sich teils sehr ähneln, oder doch ziemlich schmissige Hits sind, oder an beidem.

 

“Yeaaaaaaaa Baby.“

 

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Viktoria mag Musik, insbesondere Rap. Über die letzten 7 Jahre arbeitete sie musikredaktionell und führte Interviews beim Radio und für diverse Online-Publikationen.
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