Playlist: Diese Künstlerinnen sollte jeder auf dem Schirm haben

Noch immer ist die Präsenz von Frauen im Musikgeschäft vergleichsweise gering, und noch immer wird diese Abwesenheit häufig mit fehlendem Potential auf weiblicher Künstlerinnenseite begründet. Dass diese Begründung vollkommener Schwachsinn ist, war mir zwar schon vor Erstellen der Playlist bewusst, wurde aber nochmal deutlicher, als ich mit der Menge an gerade aufstrebenden Musikerinnen komplett überfordert war. Obwohl es scheint, als könnte man sie kaum übersehen, bekommen die meisten von ihnen noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegengebracht. So passiert es zum Beispiel nicht all zu selten, dass sie im Musikkosmos lange Zeit nur der Featuregast von „so und so“ bleiben und alles, was sie alleine leisten, zieht an der Hörerschaft vorbei. Und das soll nicht heißen, das Nutzen der Reichweite von männlichen Künstlern zugunsten ihrer Kolleginnen wäre unangebracht – im Gegenteil, dank Drake haben endlich mehr Leute Jorja Smith auf dem Schirm (die mit ihrem Debüt-Album „Lost & Found“ vor wenigen Tagen auf Platz 2 der UK-iTunes-Charts eingestiegen ist und das komplett ohne Feature-Gast), mit TDE hat SZA eines des krassesten internationalen Rap-Labels auf ihrer Seite und Chance The Rapper war mitunter verantwortlich dafür, dass Noname endlich an Aufmerksamkeit gewinnt. Zudem sorgte 070 Shake zuletzt für drei der markantesten Momente auf den Kanye West-Releases.

Trotzdem sind in den Top 10 der Billboard Hip-Hop/R&B-Charts aktuell gerade ein mal  zwei Frau vertreten. Neben der Langzeit Chart-präsenten Cardi B hält sich hier seit Wochen eine junge Newcomerin. Ella Mai ist ihr Name und mit „Boo’d Up“ schafft sie es nach Jahren des Cover-Versionen auf Instagram Postens kurzzeitig sogar auf Platz Eins.

Besonders bemerkenswert finde ich, wie sich nach intensiverer Beschäftigung mit all diesen begnadeten Künstlerinnen ein Kreis zu schließen scheint. Wer sich die Bilder von Jorja Smith bei Instagram anschaut, stößt zum Beispiel durch Kommentare und Likes schnell auf das Profil von Mahalia und andersrum. Durch die Story von Lolo Zouai bekommen deren Follower einen Verweis auf das neue Video von Ella Mai und dass Kehlani auf Tour Little Simz hört, wissen inzwischen auch über fünf Millionen Leute. Dieses Social-Media Verhalten, das inzwischen gefühlt mehr Macht hat, als jede Chart-Listung, lässt sich auch im Release-Verhalten der Künstlerinnen erkennen. So findet man durch Features von Jorja Smith zu Kali Uchis von dieser zu BIA von Little Simz zu Mahalia und von Mahalia wieder zu Jorja Smith. Hier wird nicht gegeneinander gearbeitet, sondern miteinander. Und wer jetzt denkt, es handle sich um einen geschlossenen Kreis, der klein zu bleiben hat, täuscht sich. Ständig kommen neue begnadete Talente dazu und sorgen für noch mehr Diversität in der Musiklandschaft.

In unserer Playlist findet ihr von mehrfach mit Platin ausgezeichneten Künstlerinnen, bis hin zu Newcomerinnen alles, was man aktuell auf dem Schirm haben sollte. Dank regelmäßiger Updates habt ihr die Chance, immer am Ball zu bleiben. Zudem werden wir auch nach und nach einige von ihnen genauer vorstellen und euch genauestens verraten, um wen es sich bei den Damen handelt.
Also schmeißt den Shuffle-Modus an und lasst euch auf Neues ein. Verbreitet die Message und selbstverständlich auch die Playlist. Und lasst uns gerne wissen, welche Künstlerinnen ihr gerade abfeiert.

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Vor einiger Zeit hat Anna einen Beitrag über die Ungleichheit auf deutschen Festival-Bühnen geschrieben.

Außerdem kommt ihr hier zur „Frauen, Tiere, Emotionen“-Serie, in der unter anderem Helen Fares und Pilz über Gleichberechtigung im Hip-Hop gesprochen haben.

 

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