Farid Bang – “Blut”

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Man kann von Farid Bang halten was man will, aber der Mann weiß eine Promophase einfach groß aufzuziehen.

Neben den schirr endlosen Spekulationen um das neue Bangermusik Signing (welches sich mittlerweile als 18 Karat herausstellte) sowie einer von Sympathisanten getätigten PR-Aktion zum Album, überraschte das Labeloberhaupt ebenso mit der Featurebekanntgabe von US-Größe Fat Joe.

Abseits dieser Dinge erstaunte Farid gerade in Interviews sowie in seinem Song „100 Bars“ mit der Tatsache, dass er sich nach Jahren mit Alpa Gun ausgesöhnt hat, dass er freundliche Worte für Samy Deluxe und dessen neuesten Longplayer übrig hatte und dass er für Klarheit bezüglich seines aktuellen Verhältnisses zu Haftbefehl und Bass Sultan Hengzt sorgte.

Die bisher veröffentlichen Singles („100 Bars“, „Jebemti Majku“, „Das Letzte mal im Leben“, „Russische Diät“, „Immer noch ins Gesicht schauen“), taten ihr übriges – mein Interesse an dem Album war geweckt.

Inhaltlich erwartet den Hörer die gewohnte Mischung aus Namedropping, harten Nummern und raffinierten Wortspielen. Ersteres steht allerdings nicht mehr im Vordergrund, der Banger greift zum einen deutlich weniger Leute an, zum anderen wird Kritik an der Szene und deren Künstlern pauschaler und nicht unbedingt personenbezogen vorgetragen.

Klar, Redundanz oder Stagnation sind Begriffe, die in diesem Zusammenhang fallen könnten, nicht aber unbedingt sollten.

Warum sollte man eine funktionierende Formel abändern?

Wer sich intensiv mit den Banger-Releases auseinandersetzt, wird von Release zu Release erkennbare Steigerungen wahrnehmen können. Vielleicht sind diese manchmal nur marginal und nicht zwangsläufig erwähnenswert, aber für mich gab es über die Jahre hinweg oftmals auch unberechtigte Kritik an dem Camp – und das sage ich als jemand, der nicht jedem Album der Crew gleichermaßen viel abgewinnen kann.

Im Grunde bestetigt Farid mit „Blut“ meine Aussage. So wurde sich nicht nur der lang anhaltenden Kritik am vermeintlich eintönigen Bangermusik-Sound angenommen, sondern stilistisch und inhaltlich werden auch vermehrt ruhigere, daran anknüpfend, reflektierte Töne angeschlagen.

Beispielhaft hierfür sind die Beats. Sie garantieren dieses Mal Abwechslung und hieven den Klang des Albums enorm nach oben, trotz der vielleicht ein oder anderen plumpen Line à la „Regel 7 – komm mir nicht mit Stylingtipps, wenn an deinem Arm nicht mal eine Breitling ist“ (entnommen aus „Bentley“).

Des Weiteren wissen die reflektierenden Momente des Albums zu gefallen, sie zeigen, dass sowohl menschlich als auch musikalisch einige Veränderungen bei Farid Bang stattgefunden haben.

„Dagi Bee im Video, für dich ist der Scheiß nicht okay /
Hass nicht KC, hass mich, denn es war meine Idee“

„Schöne Grüße auch an Bass Sultan Hengzt /
Ein cooler Typ, auch wenn es heißt: „Dein’ Hype hast du verpennt!“
Gesteh’ mir meine Fehler ein, wir beide waren nicht fehlerfrei /
Und falls wir uns nie mehr sehen: Alles Gute für die Ewigkeit“

(beide entnommen aus „100 Bars“)

Weitere Tracks, die diese Veränderung untermauern sind „Nicht vergessen“ (Kritik am weiblichen Verhalten, Bedeutung von Geld für Beziehungen) oder „Alles hat sein Sinn“. In „Immer noch ins Gesicht schauen“, drückt Farid unter anderem seine Anerkennung für Massiv und sein Mitgefühl für Hamad45 (sitzt im Gefängnis) aus. Schöne Gesten, die beweisen, dass Loyalität und Freundschaft bei dem Düsseldorfer groß geschrieben werden.

Musikalisch wird Farid auf dem Album unter anderem von Xavier Naidoo, Julian Williams und KC Rebell unterstützt.

Nett für langjährige Fans des Bangers:

Das letzte Mal im Leben“ stellt eine Art Fortsetzung der Songs „Zweimal im Leben“ (erschienen auf „Asphalt Massaka“) und „Dreimal im Leben“ (erschienen auf „Banger leben kürzer“) dar, auch wenn inhaltlich unterschiedliche Geschichten erzählt werden, ist die Anspielung auf die vorherigen Songs offensichtlich.

Letzten Endes wird Farid Bang mit „Blut“ eingefleischte Fans nicht enttäuschen. Ein gänzlicher Stil-/Imagewechsel bleibt natürlich aus. Allerdings haben diverse Beispiele in der Vergangenheit gezeigt, dass ein solcher Wechsel sich nicht positiv auf die eigene Karriere auswirken muss. Dementsprechend rechne ich Farid seine Geradlinigkeit hoch an. Es ist das altbekannte Spiel, entweder man feiert den Stil, oder man lehnt ihn kategorisch ab.

“Blut” von Farid Bang könnt ihr hier bestellen.

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Lukas ist keinem bestimmten Subgenre verbunden. Er ist offen für Gangstarap, Horrorcore, Trap, Oldschool, sozialkritischen oder gefühlvollen Rap, ebenso für Underground Künstler und Newcomer. Weiterhin verspeist er jeden Film und jedes Buch, das mit Deutschrap zu tun hat. Seit Mai 2016 versucht er über BACKSPIN seine Leidenschaft mit euch zu teilen.

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