BACKSPIN MAG #107: Fard

Als der Rapper mit dem arrogantesten Flow wird er mitunter bezeichnet: Der iranische Rapper Fard aus dem Ruhrpott. Als leicht arrogant könnte man durchaus auch seinen neuen Albumtitel „Invictus“ bezeichnen. Aber vielleicht ist arrogant auch das komplett falsche Wort. Vielleicht hat der Mann, der mit teilweise über 5.000.000 Klicks pro Video das Internet unsicher macht, sich einfach nur eine wohlverdiente Portion Selbstbewusstsein angeeignet. Selbstbewusstsein und ein dickes Fell können im hiesigen Rap-Geschäft so oder so nicht verkehrt sein. Vor allem wenn der ganz große Erfolg, gemessen an dem allgemeinen Zuspruch, bisher noch ausblieb. Vielleicht hilft die Teilnahme an „Cover My Song“, das Album und die Person zu pushen?
Es wäre nicht verwunderlich. Zumal es an hohen Chart-Platzierungen in Rap-Deutschland in letzter Zeit nicht gemangelt hat. Nicht nur an dieser Stelle hat der Mann aus Gladbeck im Übrigen bewiesen, dass man auch als vermeintlicher Battle-Rapper einiges auf dem Kasten haben kann. Denn trotz der Affinität zum deftigen Battle-Rap versucht Fard, auch positive Stimmungen rüberzubringen und sich mit tieferen Themen auseinanderzusetzen. Eine Eigenschaft, die man ihm eben- falls zu Gute halten kann, denn zu oft fehlt es aufstrebenden Künstlern an der nötigen Bescheidenheit und Geduld. Es wäre vielleicht auch ein wenig heuchlerisch, dem Gangster-Rap hinterherzulaufen, denn trotz diverser Jugendsünden hatte Fard doch eine recht unbeschwerte Kindheit. Er ist zumindest dankbar für das, was er hatte, auch wenn es nicht unbedingt viel war. So wollte er mit seinem neuen Album „Invictus“ da weitermachen, wo er mit „Peter Pan“ angesetzt hat – eine persönliche Seite von sich offenbaren, die trotz schlechter Erfahrungen auch nach vorne blickt und eine positive Sicht der Dinge erkennt. Wesentlich tiefgründiger mit viel lyrischer Bildgewalt möchte er sich auf seinem mittlerweile fünften Album präsentieren. Neben persönlicher Erlebnisse und Erfahrungen, sollte dabei ebenso die Reflektion seiner Problem-gestressten Umwelt mit einfließen. Dennoch dürfen sich Fans auch auf gewohnt kompromisslose Rap-Tracks freuen, die das Reimtalent eines Fard unterstreichen. Welchen Weg die Reise von F. Nazizi in Zukunft beschreiten wird, lässt sich natürlich schwer vorhersagen, das persönliche Nimmerland als Ziel wäre dem sympathischen Mann aus dem Ruhrpott aber durchaus zu wünschen.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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