F.R. wird 27 – Eine Anekdote

Wenige Rapper standen schon so früh auf der Bühne wie F.R. Unser Autor Daniel A. traf den damals 19-jährigen Rapper, der heute unter seinem bürgerlichen Namen Fabian Römer aktiv ist, nach seinem Konzert in Hamburg und erinnert sich an seinen Eindruck, den er vom Braunschweiger hatte. Anlässlich seines 27. Geburtstag lässt uns Daniel an seiner Anekdote teilhaben.

Ich halte Geburtstage für etwas sehr persönliches und gratuliere eigentlich auch niemanden, den ich nicht etwas besser kenne. Fabian Römer (für mich immer noch F.R.) habe ich bisher erst einmal getroffen. Dass ich nun trotzdem eine Art Geburtstagsgruß an Fabian Römer schreibe, liegt unter anderem daran, dass mir das damalige Interview lange im Gedächtnis geblieben ist.

Ich für meinen Teil hatte F.R. sogar viele Jahre größtenteils ignoriert. Ein jüngerer Freund, der im gleichen Alter wie Fabian Römer ist, machte mich immer wieder mal auf ihn aufmerksam. Und obwohl ich F.R. eine beachtliche Technik nicht abstreiten konnte, so war das junge Alter anfangs leicht hinderlich. Ich bin fünf Jahre älter als F.R. Ich konnte einfach keinen richtigen Bezug zu dem Rapper aufbauen. Diese Tatsache sollte sich erst 2011 ändern.

Zu dieser Zeit traf ich F.R. für ein Interview im „Übel & Gefährlich“. Dort gab er an diesem Abend ein Konzert zwecks seines Releases von „Ganz normaler Wahnsinn“. Während ich damals mein Pflichtpraktikum für mein Studium bei der BACKSPIN absolvierte und quasi ein Frischling in der Szene war, konnte F.R. bereits auf sieben Jahre als Rapper zurückblicken. 2004 veröffentlichte er sein erstes Album „Mundwerk“, im zarten Alter von 14 Jahren. Als er 2009 sein Abitur machte, hatte er bereits drei Alben veröffentlicht und ein Deal mit dem Konzertveranstalter DEAG in der Tasche. Erfahrungen und Erlebnisse, die meines Erachtens zugleich Fluch und Segen für F.R. bedeuten. Denn während fast jeder von Hip-Hop-Fan von einem Leben als Rapper träumt und die wenigsten auf jene Erfahrung in solch einem Alter zurückblicken können, so bringt ein früher Einstieg in das „Game“ auch gewisse Nachteile mit sich. Gerade ältere Semester betrachten einen oft mit einem gewissen Argwohn (so wie ich es anfangs auch tat) und das Image des „Kinder-Rappers“ bekommt man nur schwer wieder los . Man denke nur an „Bow Wow“. Für F.R. kam erschwerend hinzu, dass er keinesfalls „von der Straße“ kam und Abi-Rap in vielen Kreisen nicht gerade viel Respekt einheimst. Doch zurück ins „Übel & Gefahrlich“. Für mich war „Ganz normaler Wahnsinn“ ein respektables Album, welches auch viele Gedanken und Themen ansprach, die mich zu jener Zeit beschäftigten. Die Skepsis, mit der ich F.R. viele Jahre betrachtet hatte, war durch dieses Album quasi vollständig weggeblasen. Ich machte jedoch die Erfahrung, dass ich in meinem Alter oder gar darüber hinaus, so ziemlich der einzige war. Nicht nur in der Redaktion oder im Freundeskreis, auch auf dem Konzert konnte ich kaum Gleichaltrige finden, die F.R. viel abgewinnen konnten. Dabei war das Konzert durchaus gut besucht und die Show zeigte, dass F.R. , der mittlerweile 21 Jahre alt war, bereits einige Erfahrung auf der Bühne hatte. Nach dem Konzert begab ich mich in den Backstage und wartete auf F.R., der zwischen all den Managern und sonstigen Leuten auf mich wie der einzige Ruhepool wirkte. Auch das Interview und die spätere Besprechung des weiteren Abends – F.R. und seine Crew sollten noch am selben Abend in die nächste Stadt reisen – spielte er mit aller Routine runter. Das mag an sich nicht besonders erscheinen, für mich hinterließ die Begegnung jedoch einen bleibenden Eindruck. So sehr ich seine Professionalität an diesem Abend bewunderte, so sehr bekomme ich bis heute den Eindruck nicht los, dass F.R. ein Stück seiner Jugend dem Leben als Rapper geopfert hat. Und das wiederum stimmt mich ein wenig traurig. Jugendlicher Frohsinn, Naivität und ein gewisse Faszination gehen meines Erachtens schnell verloren, wenn man ein Leben führt, dass seiner Zeit eigentlich voraus ist. Wenn ich heute , mit 31, Konzerte besuche oder Interviews führe, fehlt das Kribbeln der ersten Jahre. Allerdings habe ich auch nicht mehr den Drang oder die Energie etliche Konzert- oder Festivalmarathons zu bestreiten. Ich frage mich ob F.R. bereits  vor sechs Jahren eine ähnliche Sichtweise in Bezug auf das Musikbusiness hatte. Und ob er seinen frühen Eintritt in das Musikgeschäft bereut, lieber ein normales Teenagerleben geführt hätte. Geburtstage haben ja oft die Eigenschaft einen über bestimmte Lebensabschnitte grübeln zu lassen.

Aber Hobby-Philosophie beiseite, Fabian Römer wird heute 27 Jahre alt und hat seine Abi- geschweige denn Teenager-Zeiten somit längst hinter sich. Vielleicht ein Grund für manche Skeptiker dem Mann eine Chance für einen zweiten Eindruck zu geben. Ich bin jedenfalls froh es getan zu haben. Wie dem auch sei, ich wünsche Fabian Römer alle gute zum Geburtstag und danke ihm für den Soundtrack zu meinen drei Monaten Hamburg und dem Praktikum bei der BACKSPIN, die im Vergleich zu heute übrigens auch deutlich erwachsener erscheint, aber das ist eine andere Geschichte.

Niko sprach F.R. zuletzt anlässlich des Releases seines letzten Studioalbums „Kalenderblätter“.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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