Everlast über sein neues Album und die neue Generation

Everlast ist schon seit über dreißig Jahren im Hip-Hop Geschäft. Der irischstämmige Amerikaner wurde als Frontmann der Rap Crew House of Pain bekannt. Ihr Hit „Jump Around“ galt damals schon als Klassiker. Aktuell ist Everlast mit seinem Album auf Tour und wir haben die Hip-Hop Legende bei seinem Konzerttermin in Hamburg am 12. September im Uebel & Gefährlich besucht. Im Anschluss hat er sich Zeit genommen und uns einige Fragen zu seinem neuesten Album „Whitey Ford’s House of Pain“ beantwortet.

Sie erkennen eher meine Musik, als mein Gesicht und darauf bin ich stolz. Es gefällt mir, dass ich meine Freiheit behalten kann und dennoch eine weltweite Bekannt erreicht habe.

Und diese weltweite Bekanntheit erlangte er unter anderem durch Hits wie „Jump Around”,  „Put Your Lights On” oder „What it’s like”. Er hat es geschafft sich im Laufe seiner Karriere immer wieder neu zu erfinden und beeinflusst mit seinem Mix aus Hip-Hop, Rock, Folk, Funk, Blues und R’n’B auch andere Künstler wie Kid Rock, Colt Ford oder Yelawolf. Doch davor beginnt die Karriere von Erik Schrody, wie Everlast bürgerlich heißt, 1986 mit gerade mal 17 Jahren bei Ice-T’s Rhyme SyndicateIce-T wollte mit dieser Hip-Hop Posse, bestehend aus Rappern, DJ’s und Producern, East- und Westcoast vereinen. Everlasts erster Track “Syndication” war auf dem compilation Album Rhyme Syndicate Comin’ Through” enthalten. Außerdem war er auf Ice-T‘s Party-Posse Track “What Ya Wanna Do” vom “Iceburg“-Album zu hören.

Nach Differenzen mit Ice-T hat Everlast Rhyme Syndicate verlassen und versuchte es zunächst mit einer Solokarriere. Er veröffentlichte sein erstes eigenes Album “Forever Everlasting”, welches allerdings kommerziell ein Flop war. In einem Interview mit der Amerikanischen Zeitschrift Spin sagte der New Yorker einmal: „Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass das Album floppte. Ich hätte Vanilla Ice sein können. Das wäre das Ende gewesen.“

“Ya see I’m Irish, but I’m not a leprechaun” – Everlast (Top O’ the Morning to Ya)

Danach unterzog sich Everlast einem Imagewechsel und besinnte sich auf seine irischen Wurzeln. Er ölte die Stimmbänder mit Schnaps und Tabak und gründete zusammen mit seinem High-School Freund Daniel O’Connor aka. Danny Boy und DJ Leors Dimants aka DJ Lethal die Band House of Pain. Cypress Hills DJ Muggs produzierte dann ihr Debütalbum House of Pain”, welches im Juli 1992 erschienen ist. In den USA erreichte das Album dank der Hitsingle “Jump Around” Platin Status und machte House of Pain zu einer der ersten erfolgreichen weißen Rap-Gruppen. Zwei Alben später trennte sich die Band wieder und Everlast startete erneut eine Solokarriere.

Vor ungefähr anderthalb Jahren habe ich dann gesehen, dass ich schon einige Songs hatte und dachte ich mir: Vielleicht sollte ich ein Album machen.

Mittlerweile hat er sein siebtes Studioalbum veröffentlicht. Seit seinem letzten Album sind acht Jahre vergangen und in der Zwischenzeit ist viel passiert in Everlasts Leben. All die Emotionen, Eindrücke und Erfahrungen haben sich in mit der Zeit angesammelt und sind schließlich in Form neuer Songs zum Ausdruck gekommen.

Songs wie „One of Us“,It’ain’t easy“ und „The Climb“ sind über viele verschiedene Dinge. In diesem Album stecken acht Jahre voller Glück, Schmerz und Erfahrungen. Dieses Album ist das alles davon.

Everlast erklärt, dass die lange Pause verschiedene Gründe hatte. Einer davon ist die Mukoviszidose Erkrankung seiner ältesten Tochter Laila. Er erzählt, dass es lange gedauert hat zu lernen mit so einer Situation umzugehen und sich um ein Kind mit solchen Problemen und Bedürfnissen zu kümmern. Diesen Schicksalsschlag verarbeitet Everlast auf zwei Tracks “It Ain’t Easy” und “The Climb”. In letzteren behandelt Everlast seine Selbstzweifel und thematisiert den Kampf seiner achtjährigen Tochter mit der Stoffwechselerkrankung. So rappt er unter anderem die Line “Gotta pay for my daughters Medication/So I’ll sell you a piece of my salvation” und erklärt dazu:

Mit meiner Musik verkaufe ich dir einen Teil von mir – auf eine komische Art und Weise.

Everlast betont außerdem, dass es auch um die Mauern geht, die man zum Schutz um sein Herz aufbaut. Er sagt man müsse diese Mauern jeden Tag aufs neue erklimmen, da diese stetig anwachsen.

Erik Shrody ist 1996 zum Islam konvertiert und das färbt auch auf seine Musik ab. Auf seinen letzten Alben war beispielsweise der Einfluss orientalischer Musik hörbar. Auch auf „Whitey Ford´s House Of Pain“ spielt seine Religion eine zentrale Rolle. Nachdem er seine Tochter bei ihrem Kampf gegen die Krankheit begleitet hat, thematisiert er die damit steigende Herausforderung an Gott zu glauben in dem Song “One Of Us”.

“Living on your knees – much worse than dying” (The Culling)

In der Vergangenheit hatte Everlast bereits deutlich gemacht, dass er kein großer Fan des US-Präsidenten Donald Trump ist. Er hatte ihm verboten “Jump Around” bei seinen Wahlkampfauftritten zu verwenden. Aus diesem Grund ist es wenig überraschend, dass er mit “The Culling” einen Protestsong auf seinem Album liefert, in dem er ein apokalyptisches Szenario beschreibt und mit lügenden Politikern abrechnet. So lautet eine Line “If politicians talk assume they’re lying.”

Manchmal muss ich einfach Dinge loswerden! Und das ist, was ich sagen wollte.Warum so ein Song gebraucht wird? Manchmal müssen die Leute daran erinnert werden, dass nicht jeder die Wahrheit sagt. Ich sage auch nicht, dass die Leute mir vertrauen sollen. Vertrau dir selbst!

Auch wenn ein Song an sich keine Veränderung bringt, hofft er dennoch mit seiner Musik andere zum Handeln zu motivieren.

Da Everlast sich eben schon lange in der Rapszene bewegt, haben wir ihn auch nach seiner Meinung zu den aktuell gehypten Rappern gefragt:

I don’t hate anything the young kids are doing. I think the mistake is some of it shouldn’t be called rap music. (…) They’re doing what they wanna do. They are young – Who the fuck am I to tell them what to to. If listened to people I never would’ve done half the shit I did.

Außerdem blickt er auf seine eigenen Anfänge zurück. Damals war es zwar schwerer einen Plattenvertrag zu bekommen, aber dafür hatte man eine Chance sobald man ihn in der Tasche hatte. Heutzutage kämpft man im Netz gegen eine Flutwelle an Content an und es ist schwerer aus der Masse hervorzustechen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Everlast erklärte, dass es heute vielleicht einfacher ist Musik zu veröffentlichen, aber nicht einfacher damit auch bekannt zu werden.

 

 

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