EstA – „BestA“ (Review)

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EstA – BestA – Review

Magst du EstA? Das ist eine Frage, die in einem deutschlandweit bekannten Song im letzten Jahr gestellt wurde. Nun wird sie auf dem Album „BestA“ indirekt beantwortet, denn Freunde von eingängigen Melodien und Ohrwurm-Hooks werden EstA für sein neues Album mehr als nur mögen. Die Songs auf „BestA“ sind nämlich durch die Bank weg erstaunlich gut produziert. Sinch, Typhoon und Victor Flowers, die für fast alle Beats verantwortlich sind, haben einen guten Sinn für Harmonien bewiesen. Selbst die Instrumentals würden den einfachen Hörer zu keinem Zeitpunkt überfordern und können auch im Hintergrund bei der Arbeit oder bei Omas Kaffeekränzchen laufen, ohne jemanden zu stören. Dadurch hätte es ein aalglatter Longplayer werden können, ohne Ecken und Kanten, wäre da nicht dieser EstA. Denn inhaltlich wird er hier und da dann doch ein bisschen polarisierend. Aber weder heftig noch oft. So dass man es mit scharfem Essen vergleichen kann: Zu mild für diejenigen, die es gerne scharf haben, aber genau richtig für jemanden, dem es schnell zu pikant wird. Er rappt über Aggressionen, die der Alkohol ihm entlockte („Tunnelblick“), „Sex mit der Ex“ oder über seine Erfahrungen mit Marihuana („Highmat“). Dazwischen lassen sich leider auch nichtssagende Songs finden wie „Ich muss raus“, der schöne Textpassagen à la „Weiß nicht wohin, doch egal mir gefällt’s. Dreh auf, dieser Flow geht sofort ins Ohr“ beinhaltet. So ähnlich rappt EstA auch das restliche Lied durch und versucht lediglich, ein gewisses Gefühl bei der breiten Masse zu erzeugen. Dabei nimmt er in Kauf, hohle Phrasen zu dreschen. Kann man machen, muss man aber nicht anhören. Im Song „Club 27“, in dem er über seinen möglichen Tod im besagten Alter rappt, könnte es passieren, dass sich das Gefühl von Fremdscham beim Hörer breitmacht. Es mag vielleicht eine nette Songidee gewesen sein – ist aber ungewollt kitschig ausgefallen.

Doch trotz dieser kleinen Verfehlungen, ist „BestA“ keinesfalls ein schlechter Release. Er kann schließlich gut rappen und zeigt es immer wieder. Egal, ob nun auf den pushenden Songs, die nach vorne gehen, wie „Hallo Fans“ oder auf humorvollen Thementracks wie „Ohne Dich“. Er meistert auf dem Album ganz verschiedene Beats, nutzt dafür unterschiedliche Flows und spielt immer wieder mit seiner Stimme. Obendrein hat er diverse Styles in petto, die ihm gut zu Gesicht stehen. „Sex mit der Ex“, „Ohne Dich“ oder „Immer noch der Selbe“ lassen sich gut hören, aber man wird das Gefühl nicht los, dass EstA in erster Linie darauf bedacht ist, so viele Leute wie nur möglich zu erreichen und bloß niemanden abzuschrecken. Es fühlt sich wie ein Album an, während dessen Entstehung es zu viele Kompromisse gab. Zum einen will er den Kids gefallen, die auf leicht verdauliche, inhaltslose aber melodische Songs stehen wie „Ich muss raus“, zum anderen auch den jüngeren Rapheads etwas bieten wie auf „Immer noch der Selbe“. Etwas mehr Mut zum Risiko, Fans aus einem Lager zu verlieren, hätte dem Album vielleicht geholfen!

EstA
VÖ Datum: 12. Februar 2016
Verkaufsrang: 16
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