Eko Fresh: „Ich bin endlich da, wo ich sein wollte“

Am 24. September findet in Deutschland die Bundestagswahl statt. Der selbsternannte „König von Deutschland“ Eko Fresh veröffentlicht zwei Tage zuvor sein gleichnamiges zehntes Album.
Auf dem Out4fame Festival in Dortmund trafen wir Eko nach seinem Auftritt und sprachen mit ihm im Zwischen den Zeilen Interview unter Anderem über die anstehende Platte, seine Liebe zu No Limit Records und rappende Schauspieler.

Am 22.09. erscheint mit „König von Deutschland“ dein 10. Album. Weshalb hast du dich für diesen Titel entschieden?

Eko Fresh: Ich habe mich für diesen Albumtitel entschieden, weil ich einfach diverse Male bewiesen habe, dass mir dieser Titel zusteht. Aber jetzt mal im Ernst: Der Titel passt auf verschiedenen Ebenen zu mir. Der Titel funktioniert im Hip-Hop auf der Battlerap-Ebene, aus der ich eigentlich stamme. Dazu kommt die kommerzielle Ebene und der Song, den alle kennen. Genau so funktioniert der Titel auch auf einer politischen Ebene. Mittlerweile mache ich schon so lang Musik, aber „König von Deutschland“ war der erste Song, den alle kannten.

Verstehe. Kannst du die Platte in einer Grundaussage resümieren?

Eko Fresh: Groß.

Lass uns mal die Tracklist im konkreten durchgehen und über Inhalt, Sound und Featuregäste sprechen.

1 Intro

Eko Fresh: Ich wollte, dass sich jeder das Intro anhört, bevor das Album beginnt. Auf diesem Album ist das Intro das persönlichste Stück, auf dem ich über meine aktuelle Gefühlslage rappe.

2 König

Eko Fresh: Das ist der Titeltrack und ich würde ihn als Rapfestival bezeichnen. Da gehe ich komplett ab auf einen Beat, der zur Hälfte modern und zur Hälfte Oldschool ist. In der Hook findet sich eine Opernsängerin und ein Opernsänger, das verschafft richtig Gänsehaut. Dennoch sind die enthaltenen Parts sehr battlelastig.

3 Immer noch der gleiche

Eko Fresh: Der Song lässt sich auch dem Battlerap zuordnen und dreht sich darum – wie der Titel schon sagt – dass ich über all die Jahre der gleiche Typ geblieben bin. Zwar probiere ich viele Sachen, dennoch bin ich stolz darauf, mir treu geblieben zu sein.

4 Zur Erinnerung feat. Ferris MC

Eko Fresh: Aktuell drehe ich eine Serie mit Ferris MC und über die Zeit sind wir wirklich dicke Freunde geworden. Wir haben lange überlegt, was wir gemeinsam machen könnten. Er möchte nicht mehr rappen, aber er singt nun mehr. Wir haben also einen modernen Beat ausgewählt und ich thematisiere eine negative Erfahrung in der Musikbranche, die mir schon des öfteren widerfahren ist.

5 Der Beste

Eko Fresh: Auch das ist ein Battletrack auf einer Art modernen Wu Tang Beat. Bei allen drei enthaltenen Parts tue ich etwas, das andere Rapper nicht können. Im dritten Part rappe ich rückwärts. Falk Schacht hat behauptet, ich sei der erste Rapper der Welt, der das tut. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber hätte ich gewusst, dass es solch einen Wirbel darum gibt, hätte ich alle drei Parts rückwärts gerappt.

Wie kann man sich das vorstellen: Du schreibst den Text dazu normal und rappst ihn einfach rückwärts?

Eko Fresh: In der Kürze kann ich dir leider nicht erklären, wie ich das entwickelt habe. In dem Moment, in dem ich gelernt habe, es funktioniert, ging es schnell. Bis ich es mir korrekt beigebracht habe, hat es aber gedauert.

7 Gheddo Finale feat. Bushido

Eko Fresh: Das ist der letzte Teil der „Gheddo“ Ära. Der erste Teil war gemeinsam mit Bushido, der zweite mit Sido. Wir haben uns gefragt, wie wir das angehen können und haben festgestellt, dass wir für die klassische „Gheddo“ Thematik zu reif sind. Deshalb haben wir gemeinsam einen Text entwickelt, der einen krassen Realitätsbericht darstellt. Dort wird ekelhafte Realität präsentiert, die Menschen normalerweise nicht aussprechen.

8 Komm in meine Hood rein feat. Hasan. K & Gringo

Eko Fresh: Das ist ein klassischer Hood Banger. Eigentlich hatte ich drei Parts, aber als ich die beiden Jungs gehört habe, habe ich zwei meiner Parts entfernt. Das sind krasse neue Straßenrapper, die super authentisch sind. Ich berichte zwar davon und habe meine Köln-Kalk Zeit hinter mir, aber die sind das aktuell: Die Jungs sind Straße. In der Deluxebox befinden sich zwei EPs, auf denen nur Oldschool Beats zu finden sind, aber auf dem Album existieren auch viele moderne Beats. Ab und an haben wir auch eine Prise Autotune verwendet. Ich gehe mit der Zeit, verändere mich dabei aber nicht.

9 Bordstein Westfalen feat. Farid Bang und Kollegah

Eko Fresh: Das ist ein krasser Hit. Mein Bruder Deemah, der auch produziert, singt hier die Hook. Normalerweise singt er auf englisch, aber ich habe ihn überredet, hier auf deutsch zu singen. Der Song ist eine krasse Hymne für Nordrhein-Westfalen.

10 Master P

Eko Fresh: Eine Hommage an Master P. Diese Ära war der Vorreiter von Trap in den Neunzigern und Anfang der Zweitausender. In habe viele der No Limit Sachen gehört und mich deshalb entschieden, Master P einen Song zu widmen. Gleichzeitig ist es eine Ode auf mein jetziges Independent-Dasein. Master P ist ja das Paradebeispiel für einen erfolgreichen Independent Rap Künstler.

11 Almanis feat. Khalid Bounouar

Eko Fresh: Der Song ist mit Khalid Bounouar von RebellComedy entstanden. Soundtechnisch gestaltet sich der Song eher traplastig, hat aber ein Thema. Bei Trap sind die Künstler ja stellenweise sogar stolz drauf, dass es keinen richtigen Inhalt gibt. Bei der „Almanis“ Thematik bin ich selbstironisch mit dem Fakt umgegangen, jetzt im Vorort zu wohnen.

12 Life goes on

Eko Fresh: Das ist ein totaler Gänsehaut-Track, auf dem mein Vater die Hook singt. Er ist Sänger und Schauspieler und hatte früher auch eine Band. In der Vergangenheit hatte ich schwierige Zeiten mit meinem Vater und es war immer ein Auf und Ab. Inzwischen und vor allem auch nach der Geburt meines Sohnes hat sich das alles etwas gelegt. Er hat sein Leben lang schon Musik gemacht, allerdings kam es nie dazu, dass wir gemeinsam Musik machen. Inhaltlich wird die Geschichte einer Flüchtlingsfamilie erzählt, bei der kein Blatt vor den Mund genommen wird. Das war mir wichtig, weil solche Geschichten meist nicht so dargestellt werden. Ich wollte, dass solch ein Schicksal so schockierend dargestellt wird, wie es auch ist. Bis die Geschichten im Endeffekt beim Publikum ankommen, gehen die durch sehr viele Filter. Würden die Geschichten im Original an den Mainstream gelangen, würden sie so vielen Menschen das Herz brechen und vielleicht auch dazu führen, dass manche Menschen ihre Meinung in Bezug auf bestimmte Punkte ändern.

13 Scheißegal feat. Culcha Candela

Eko Fresh: Du kennst ja Afro-Trap, oder? Ich habe jetzt Orient-Trap erfunden. Ich dachte, Afro-Trap ist zwar cool, erinnert mich aber immer an WM-Songs. Das ist nicht mein Ding. Also haben wir eine Orient-Nummer draus gemacht, in der Culcha Candela die Hook singen. Das ist ein Gute-Laune-Song, der dazu animieren soll, sich nicht ständig zu viele Sorgen zu machen. Ist doch scheißegal.

14 Moment feat. Samy

Eko Fresh: Der Song befasst sich damit, dass du die Chance ergreifen und den Moment nutzen sollst.

15 Taco Bell feat. Frauenarzt und Silkk The Shocker

Eko Fresh: Vorhin habe ich ja erzählt, dass ich No Limit Fan bin. Ich habe versucht herauszufinden, wer von denen noch aktiv ist. Der Song ist ein Oldschool-Downsouth-Ding. Im Vorfeld habe ich mich gefragt, wer Interesse an sowas hat und wer überhaupt darauf rappen kann und Frauenarzt ist einer der wenigen, die das können.

16 Kein Limit feat. Fiend

Eko Fresh: Der Song ist mit Fiend, auch einem No Limit Records Künstler, der später bei Ruff Ryders gesignt war, entstanden. Das ist ein Possetrack, auf dem auch noch Olexesh, Massiv, Sierra Kidd und DCVDNS vertreten sind. Hier wollte ich krasse Rapper, von denen ich wusste, sie liefern auf jeden Fall ab. Das ist ein reines Skill-Festival.

17 Was ist mit der Welt passiert feat. MoTrip und Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen)

Eko Fresh: Es war mir eine große Ehre, mit beiden zusammenzuarbeiten. Zwar würde ich den Song als Hit bezeichnen, wobei der sich mit den Problemen der Welt beschäftigt. Ich weiß nicht, ob Leute Bock haben, sich das im Radio reinzuziehen.

18 Mach mal keine Filme feat. Kida Khodr Ramadan, Frederick Lau, Veysel, Sido und Elyas M Barek

Eko Fresh: Das ist der Schauspieler-Track. Ich habe alle meine Atzen, die Schauspieler sind, zusammengesammelt und gemeinsam mit ihnen einen Track aufgenommen. Das ist auf jeden Fall ein Highlight. Da muss ich auf jeden Fall auch Kida danken, da er viel connectet und die Leute zusammengebracht hat.

19 Radio feat. 257ers

Eko Fresh: Der Track nimmt sich gar nicht ernst, weshalb er auch ganz am Ende steht. Die 257ers haben acht Bars auf dem Track und waren einfach die, die da gepasst haben. Inhaltlich singe ich in Form eines klassischen Radiosongs darüber, wieso meine Musik nicht im Radio gespielt wird.

Lass uns mal über das Cover sprechen – obwohl es ja schon fast für sich spricht: Du inszenierst dich auf einem Thron in Königshaltung.

Eko Fresh: Das Cover ist von House of Cards inspiriert. Wir haben uns überlegt, dass das Album genau in der Zeit der Bundestagswahl in Deutschland erscheint. Der Plan war, die Albumplakate zwischen den ganzen Wahlplakaten zu platzieren. Wir wollten das Cover nicht komplett satirisch wirken lassen, man kann es allerdings schon mit einem Augenzwinkern betrachten.

Du selbst warst als executive producer für die Platte verantwortlich, richtig?

Eko Fresh: Ja, gemeinsam mit Isy B. Er ist mein Partner und wir entscheiden die wichtigsten Dinge immer zusammen. Ansonsten haben noch Phat Crispy, Deemah und Goldfinger produziert. Zusätzlich gab es noch ein paar Produzenten, die einzelne Beats beigesteuert haben, wie zum Beispiel Beatzarre. Dem bin ich krass auf den Keks gegangen, er war mir aber noch einen Gefallen schuldig, weil ich etwas für SDP gerappt habe (lacht). Das ist aber auch eine große Ehre für mich, weil er solch ein krasser Produzent ist. Die Jungs von Hitnapperz sind auch drauf.

Wer sind die ersten Leute, mit Ausnahme der Beteiligten, denen du Einblick in laufende Projekte gibst – auf wessen Feedback legst du Wert?

Eko Fresh: Can ist jeden Tag mit mir unterwegs – Er produziert meine Videos, die Videoblogs und er ist auch mein Tourmanager und wir sind total zusammengewachsen. Er ist das Herz von German Dream. Ansonsten teile ich viel mit Leuten, die gemeinsam mit mir hoch gekommen sind. Wenn die sagen, etwas ist gut, dann bin ich zufrieden. Vor wenigen Tagen war ich in Berlin und habe das Album Bass Sultan Hengzt vorgespielt, der es auch krass fand. Ich bin auch wirklich stolz auf dieses Album und ich weiß, dass man das oft sagt, aber es ist wirklich etwas besonderes. Glücklicherweise leben wir in einem Zeitalter, in dem jeder mal reinhören kann. Falls ihr noch Zweifel haben solltet: Tut es und hört einfach mal rein.

Das ist bei dem Katalog an Tracks sicherlich schwer, aber kannst du deinen Lieblingssong des Albums benennen?

Eko Fresh: Im Moment höre ich das Intro am liebsten.

Aktuell bietet Deutschrap eine unglaubliche Masse an Releases. Was ist der absolute Kaufanreiz, den „König von Deutschland“ zu bieten hat?

Eko Fresh: Ich habe die besten Streetbanger drauf. Ich habe die beste Technik drauf. Ich habe die besten Kommerzhits drauf. Ich habe die besten Features drauf. Ich habe die besten Beats drauf. Es ist einfach so.

Wie sieht die Zukunft bei dir nach Release des Albums aus?

Eko Fresh: Viele Leute dachten, ich höre nach diesem Album mit der Musik auf, da ich geschrieben habe „Gheddo Finale“ ist der letzte Teil der „Gheddo“ Ära. Der Spaß geht jetzt erst los. Ich habe immer nur gehustlet und jetzt bin ich endlich dort, wo ich sein wollte. Jetzt werde ich es mir doch nicht nehmen lassen, weiterzumachen.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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