Eko Fresh: „Freezy“

Eko Fresh Freezy

In den sechs Monaten nach der „Bars über Nacht“-EP wurde es nie richtig still um Eko Fresh. Ob als Protagonist bei der Serie „Blockbustaz“ auf ZDF Neo, den Liebes-Beef mit der AFD und deren Frontfrau Frauke Petry oder das Statement „Domplatten Massaker“ zur letzten Silvesternacht – der Rapaholic geriet regelmäßig in die Schlagzeilen. Als wäre dem nicht genug, kündigte er im Januar zusammen mit den  „Hartz 7 – 700 Bars“ sein neuntes Soloalbum an.

Grob betrachtet inszeniert sich „Freezy“ als buntes Sammelsurium unterschiedlicher Styles. Offenbar zeigt Ekos Kreativität, nach fast 20 Jahren voller Neu-Erfindungen und Experimente, noch immer keine Verschleißerscheinungen. „Rap-Lexikon“, „Hip-Hop Kanake“ und „Da bin ich raus“ versinnbildlichen die lyrische Schaffensbereitschaft. Auch mangelt es wieder nicht an szene-internen Querverweisen – „Wo bist du“ beispielsweise, enthält eine klare Referenz an Kay One. Auf „Danke Ek!“ hingegen inszeniert sich Freezy abermals als der Urheber des „Sonnenbank-Flows“ und überträgt das streng parataktische Schema des selbigen. Meiner Meinung nach birgt dieses Format Potenzial und könnte daher noch öfter aufgegriffen und stärker ausgereift werden. Als einer der Leit-Tracks überrascht „Puff Daddy“ in harmonischem Laidback-Sound, wobei sich Eko dem Beat-Pattern zu sehr unterwirft und der Flow für seine Verhältnisse ungewohnt energielos wirkt. Daher stiehlt ihm auf dem „Puff Daddy Remix“ niemand anderes als YSL Know Plug die Show, indem dieser den heißesten Part seiner noch jungen Geschichte droppt.

Auch seitens der Produzenten spiegelt sich die Experimentierfreudigkeit des Albums wider. Besonders interessant fand ich die Verwendung der klassischen Drumloops auf „Ein Tag im Leben des Peter Hartz“ und auf „Ich liebe dich“. Gerne hätten die Musiker ihre Sample-Affinität auch auf melodischer Ebene ausfahren können. Alles in Allem bleibt der Freezy auf „Freezy“ immer noch der Freezy, der die Sympathien der Szene aufgrund seiner unermüdlichen Strebsamkeit und Freude am Rappen sicher hat.

Ja, Eko Fresh bietet erneut viel Abwechslung. Dennoch spielt der Kölner nur mit endogenen Variablen, ohne sich an einschneidende Stilbrüche heranzuwagen. 2013 begeisterte die Eko/Crispy-Formel die Szene mit „Eksodus“ und verhalf zum langersehnten Karriereschub. Doch seither scheint das Level weitgehend horizontal zu verlaufen. So droht „Freezy“ mehr ein Füller als ein Meilenstein in Ekos Diskographie zu werden. Leider bleibt auch das Versprechen an seine Fans, eine stilistische Rückkehr zu „Hartz IV“ vorzunehmen, aus.

Eko Fresh
VÖ Datum: 22. April 2016
Verkaufsrang: 52
Jetzt bestellen für 16,99
The following two tabs change content below.
Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.