Ein Lux muss tun, was ein Lux tun muss

Der Münchner Rapper Lux ist schon länger im Rap-Game tätigt und kann bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Wenn er nicht grade in einer Open Minded Cypher auf einen Beat seines Homies Cap Kendricks mit Edgar Wasser oder Lazy Lu freestylt, gibt er auch gerne wöchentliche Rap-Workshops für Flüchtlinge, oder macht Features mit Johnny Rakete. Passend zum heutigen Release seines dritten Studioalbums „Ikigai“ hatte ich Lukas in der Strippe, um mit ihm über die neue Platte zu reden und ihn euch einfach mal besser vorzustellen.

 

Erzähl uns doch zum Einstieg mal die Geschichte dazu, wie du Rapper geworden bist.
Das ist natürlich schon ein bisschen länger her. 2010 oder noch ein paar Jahre davor bin ich immer mit meinem guten Freund Phil Harmony rumgehangen, der ein ziemlich krasser Beatboxer ist und sogar schon Süddeutscher Meister im Beatboxing war. Da ich zu dem Zeitpunkt selbst schon saulang Rapfan war und immer schon bisschen gemalt und aufgelegt habe, hab ich einfach irgendwann angefangen auf seine Beats zu freestylen. Ich war dann auch ganz gut darin und hab mich irgendwann mal in ein Mädchen verliebt, was auch der Grund dafür war meinen ersten Song aufzunehmen. Sie war voll begeistert davon und ich bin dann auch mit ihr zusammen gekommen. Kurze Zeit später hab ich Caps kennengelernt und mit ihm zusammen die Fellatricks Connection in München gegründet und angefangen Gigs zu spielen.

Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit mit Cap Kendricks ?
Ich kenn ihn schon seit fast zehn Jahren, wir sind auf die selbe Schule gegangen und er hat ja auch meine erste EP produziert. Seitdem ist er mein Stammproduzent, mit dem ich auch viel live unterwegs bin. Da gibts also gar keine Alternative – er weiß, was ich musikalisch will.

Was unterscheidet „Ikigai“ von deinen Vorgängern?
Das neue Album ist auf jeden fall bunter. Es ist nicht so, dass es einen bestimmten Vibe beschreibt, sondern hat eine sehr große Themenvielfalt, die Beats sind sehr unterschiedlich und bunt gemischt und das Cover ist auch sehr farbenfroh, was bei den Vorgängern nicht so der Fall war. Es ist auf jeden fall gereifter, ein bisschen erwachsener auch. Das Album beschreibt außerdem eine Art Zerrissenheit, weil viele Songs inhaltlich einen kleinen Kampf austragen.

Welche Bedeutung versteckt sich hinter dem Albumtitel?
„Ikigai“ ist ein japanisches Wort und bedeutet so viel wie der Lebenssinn oder der Grund, um morgens aufzustehen und ist eigentlich ein Konzept. Dieses Konzept besteht aus vier Schnittmengen: und zwar ist das einmal was du liebst, was du kannst, womit du Geld verdienst und das, was die Welt braucht. Und der Treffpunkt dieser Schnittmengen ist dann dein Ikigai. Ist auf jeden fall deep!

Auf dem neuen Album gibt es auch ein Feature mit Edgar Wasser und Fatoni – wie kommt das?
Mit Edgar Wasser hab ich ja schon auf meiner ersten EP 2012 zusammengearbeitet. Eigentlich sind beide gute Freunde von mir, Fatoni kenn ich sogar noch länger als Edgar. Er ist auch Schwabinger und kommt aus dem gleichen Viertel wie ich, mit dem hab ich schon 2006 zusammen auf ’ner Party gefreestylt. Die Münchner Szene ist ja jetzt auch nicht so riesig, deswegen sind auch alle irgendwie verankert. Mit Edgar Wasser bin ich sowieso ab und zu im Studio und schreibe Sachen mit ihm. Und da ist auch die Idee für den gemeinsamen Track gekommen. Der heißt ja „Dis is was ich mach“ und ist angelehnt an „This Is Why I’m Hot“ von MIMS. Der Beat vom ursprünglichen Song hat uns so sehr inspiriert, woraufhin wir dann was ähnlichen machen wollten.

Dein Geheimrezept, um nicht im Haifisch-Becken mit Deutschrappern aufgefressen zu werden?
Also ich glaube, dass ich sehr ehrlich, sehr menschlich und sehr authentisch über meine eigene Person rede. Ob das jetzt reicht, um da nicht aufgefressen zu werden weiß ich nicht, aber ich kann es eigentlich nicht anders machen, weil ich einfach so bin.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Wenn es ein Subgenre geben würde, wäre mein Stil wahrscheinlich „Menschrap“.

In deinen Musikvideos versetzt du dich immer zu 100% in die darzustellende Rolle. Hast du schon mal über eine Schauspielkarriere nachgedacht?
Ja total! Ich hab seit ich elf war Theater gespielt, erst in der Schule und dann auch hier in München im Residenztheater. Da hab ich kleine Rollen besetzt und später auch einen Fernsehfilm gemacht, ich hab in ’nem Kinofilm gespielt und hab sozusagen eine Schauspielkarriere angestrebt. Danach hab ich zwei Jahre an Schauspielschulen vorgesprochen, bin aber leider nie genommen worden. Aber die Sachen sind halt so wie sie sind. Ich bin ehrlich gesagt froh darüber, sonst hätte ich nämlich nicht meine musikalische Karriere so aufbauen können – also es hat immer alles einen Sinn. Aber klar war das ’ne schwere Zeit, weil ich auch oft in die Endrunde gekommen bin, aber dann immer kurz vor dem Ziel abgewiesen wurde. Aber so kann ich das halt alles in meine Musikvideos stecken und da drin aufgehen.

Was ist das beste daran ein Rapper zu sein?
Was besonders daran ist Rapper zu sein ist einfach, dass man landesweit und in jeder Stadt Connections und gute Freunde hat. Dass überall Leute sind, die die gleiche Leidenschaft teilen wie man selber und man sich dann trifft und ’ne gute Zeit zusammen hat.

Und welche Herausforderungen zieht dieser Beruf mit sich?
Als Independent-Künstler ist es auf jeden fall harte Arbeit ein Album rauszubringen, wenn man keine bestimmten Strukturen hinter einem hat, die sich um alles kümmern. Kurz vor dem Release ist das alles besonders hart, weil man ja auch irgendwie in diesem Game herauszustechen und nicht in der Masse untergehen will.

Was steht in Zukunft auf dem Zettel?
An erster Stelle steht natürlich das Album über die Bühne zu bringen, dann gehen wir auf kleine Releasetour durch Bayern und dann werde ich das Ganze auf jeden fall erstmal ein bisschen sacken lassen und erstmal wieder Luft holen, um wieder viel Kreativität für neue Songs zu tanken. Dann freu ich mich auch schon darauf ungezwungen ins Studio zu gehen und einfach Musik zu machen.Später im Sommer spielen wir auch ein paar Festivals und Ende Oktober gehts dann auf größere Tour mit der Platte.

Welche Festivals stehen an?
Wir freuen und total auf das Hip-Hop Kemp in Tschechien und spielen außerdem noch auf einem Surfcamp in Frankreich, bei dem wir einige Shows am Strand spielen.

Möchtest du noch irgendwas loswerden?
Auf jeden Fall, dass ihr weiterhin gegen das Polizeiaufgabengesetz in Bayern demonstriert , „nein“ dazu sagt und klar stellt, dass das nicht mit euch vereinbar ist und nicht in Kraft treten darf! Das ist im Moment sehr wichtig! In so einem schönen Land darf unsere Freiheit nicht eingeschränkt werden.

„Ikigai“ in voller Länge streamen:

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