EDI: “Dann war eh alles im Arsch und ich dachte ich mach das Beste draus, schreib das alles auf und mach ein geiles Album.

EDI hat einen langen Weg hinter sich. Nachdem er schon ein paar Jahre im Chimperator Umfeld unterwegs war, ist nun sein Debütalbum “Ordeal” bei Chimperator Select erschienen. EDI erzählt auf seinem ersten Release seine Geschichte, vom Leben in der Kleinstadt bis in die Großstadt, von Esslingen nach Berlin, ungeschönt und ohne Übertreibungen, mit vielen Höhen und Tiefen. Ihr könnt euch das Album “Ordeal” seit dem 29.04 im Chimperator Shop, bei Amazon und iTunes bestellen.

Ich hab mich mit EDI getroffen und gleich ein Wochenende in Berlin draus gemacht. Wir hatten eine sehr ereignisreiche Zeit zusammen. Direkt nach einer Party fand ich mich noch leicht vernebelt quasi eingesperrt in der stockdunklen Ladefläche eines Transporters mit 3 Kumpels von EDI wieder. „Wir müssen los! Die drei Bulgaren sind da!“, rief er mir irgendwann vorher noch zu. Alle guckten recht verwirrt und auch ich wusste nicht so genau, was das jetzt bedeuten würde. Komisches Gefühl. Leicht ausgeliefert auf einmal. Fragen wie „wo bringen die uns wohl hin?“ und „wieviel die wohl für meine Organe bekommen würden?“ schoßen durch den Kopf. Ungewiß und aufregend. Auf und ab. Ein bisschen wie EDIs Geschichte. Am Ende ging dann alles glatt. Nach einer durchgemachten Nacht, viel Spaß und einer ominösen Umzugs Action kamen wir dann auch noch zum Interview.

 

Du bist schon eine lange Zeit mit den Chimperators unterwegs und trotzdem kennen dich noch nicht viele da draußen. Wie bist du an die Jungs von Chimperator geraten?

EDI: Mit den meisten bei Chimperator bin ich befreundet, mit den Alteingesessenen zumindest, es werden ja immer mehr. Damals als ich viel jünger war, so mit 19, hab ich denen zum ersten Mal mein Tape gegeben und die haben das voll gefeiert und wollten mich dann immer mit dabei haben. Zwischendurch hab ich den Wunsch Rapper zu werden nicht so ernst genommen und eher wie ein Student gelebt. Hab in der Zeit aber auch einiges gelernt. Ich war auch bei vielen Auftritten von denen dabei. Jetzt hab ich soviel erlebt dass ich gedacht hab, ich muss das irgendwie zu einer Platte machen und hab jetzt wieder voll Bock.

Man hört auf deinem Album heraus, dass ein langer Schaffensprozess hinter dir liegt. Wie hat alles bei dir angefangen, wann hast du das erste Mal Musik gemacht?

EDI: Ich bin mit 14 von Hamburg nach Stuttgart gezogen. Als ich ankam war Stuttgart da noch mit Hamburg die Hip Hop Hauptstadt. Freundeskreis, Beginner, Massive Töne und vor allem RAG haben wir gefeiert, “Kopfsteinpflaster” fanden wir sehr krass. Wir haben uns sogar Fremdwörterbücher geholt um das zu abzuchecken und selber zu machen.

Auf deinem Album hört man, dass dich viel mit Tua verbindet und ihr euch schon länger kennt. Wie hast du Tua und die Leute von Chimperator kennengelernt?

EDI: Einer meiner besten Freunde früher war DJ und der war krass gut und schon mit den Stuttgarter Leuten unterwegs. Wir waren ja mehr so in Esslingen, der hatte aber schon ein paar Kontakte und hat Marlon kennengelernt und uns vorgestellt. Marlon hatte bereits Beats für Maeckes gemacht, der war da grade son Local Hype und hat viele Freestyle Battles gewonnen. Kay One hat er da auch besiegt. Durch Marlon bin ich dann mit Maeckes in Kontakt gekommen und hab Kodimey irgendwann mein Tape gegeben. Tua hab ich in dieser Zeit auch kennengelernt und wir sind seitdem befreundet.

 

 

Wie fühlt es sich an, dass endlich dein Debütalbum rausgekommen ist ?

EDI: Grade echt gut man. Viel zu tun irgendwie immer noch. Hätte ich jetzt nicht so gedacht. Jetzt fängt es ja erst an, ist ja eigentlich auch logisch. Es ist ein bisschen so wie bei einer Geburt. Es ist jetzt nicht fertig sondern jetzt ist es da und jetzt geht der Scheiss ja eigentlich erst los. Aber geil. Ich freu mich auf jeden fall sehr, dass viele Leute da drin erkennen was ich erreichen wollte. Dass das auch mehr Leute sehen, nicht nur Menschen die sich mit Musik auseinander setzen.

Dein Albumtitel “Ordeal“ heisst auf deutsch Feuerprobe. Warum der Name?

EDI: Ich hab das Album geschrieben als ich mich gerade mit dem Drehbuchschreiben befasst habe, da gibt es ein Grundkonzept, die wahren Nerds unter uns werden das kennen. Das ist die „Heroes Journey“ und da gibt es verschiedene Etappen. Der Höhepunkt dieses dramaturgischen Grundkonzepts heißt auf englisch Ordeal, was so viel heißt wie Feuerprobe. Das ist der Punkt wo der Held dem Tod ins Auge sieht und sich in sein neues Ich verwandelt. Bei mir war das tatsächlich so, daher der Titel.

Du bist in Hamburg aufgewachsen, dann nach Esslingen in die Kleinstadt gezogen und dann nach Berlin. Wie haben dich die Großstadt bzw. die Kleinstadt geprägt ? Was hast du von den einzelnen Stationen mitgenommen?

EDI: In Hamburg hab ich damals gelernt niemals jemanden zu verraten. Das kam vom Taggen. Die wissen immer noch nicht wer die neue Aula in der Schule getaggt hat. Ham alle dicht gehalten. Esslingen war sehr familiär, auch wegen den verschiedenen Kulturen die es da gibt. Alle teilen sehr gerne, der Schwabe ist ja auch sehr freundlich.
Berlin ist halt Wunderland. Berlin ist geil weil viele Leute den Gedanken haben was anderes zu machen. Die die einen normalen Job machen sind halt in ihrer Stadt geblieben. Die arbeiten dann für Daimler oder so, ist ja auch cool. Aber so als Selbstständiger, ich war ja auch mal selbstständig. Es lag wohl auch an mir selber, dass es mich da hingezogen hat.

Warum hast du das Album im chronologischen Sinne aufgebaut ? War das so geplant oder hat sich das so ergeben?

EDI: Ich wollte das schon so, und ich habs auch so gemacht. Ein Lied hatte ich vorher schon, das hab ich in den USA geschrieben und da dann auch aufgenommen. Das war grade zu der Zeit als der Kleine im Krankenhaus war. Das ist „Renn mit mir“, da wo mein Sohn auch gefeatured ist sozusagen. Das hab ich dort im Keller gemacht. Die Idee das alles von a nach b zu erzählen kam mir irgendwann später. Ich war da einfach ein total emotionales Wrack damals, das musst du erstmal mitmachen. Die Zeit im Krankenhaus war sehr emotional. Man denkt okay du warst halt im Krankenhaus, aber es war schon krass emotional. Auf jeden Fall war ich dann hier und dann war eh alles im Arsch und ich dachte ich mach das Beste draus und schreib das alles auf und mach ein geiles Album draus. Und dann hab ichs denen (Chimperator) gezeigt und dann kam ewig nichts. Irgendwann war dann ne Party von denen und wir haben voll gesoffen und Basti von Chimperator meinte er hat voll Bock drauf. Das war aber eher sone Suff Zusage weißt du. Da kann man dann ja nicht soviel drauf geben. Wir haben dann weiter gemacht und hatten die ganze Zeit halt auch kaum Geld. Wir habens dann durchgezogen und irgendwann wurden wir dann tatsächlich von der E-Mail belohnt.

Wie würdest du Ordeal beschreiben ?

EDI: Eigentlich musst du es hören. Normalerweise sag ich wenn ich jemanden damit volllaber: “Ich hab jetzt ein Album gemacht!” Und bin viel zu aufgeregt und freu mich dabei und werde doof angeguckt (haha). Ne ich sag ich hab ein Album gemacht in dem sich eine Geschichte durch alle 15 Tracks fortsetzt und das ist meine Geschichte so wie sie passiert ist. Es nimmt dich mit auf diese Reise durch meine Geschichte.

 

 

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Hi! Ich bin Philip aus Hamburg und ich mag lange Spaziergänge, Filme mit Jessica Alba oder Will Ferrell, Tauben hinterherjagen und vor allem Hip Hop.

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