DUBCNN.com (aus der BACKSPIN MAG #111)

 

Ich war gerade 14 und seit frühester Kindheit begeisterter Hip-Hop-Fan. Ich war schon früh in diversen Hip-Hop-Foren unterwegs und aktiv, wo ich viele Gleichgesinnte fand und mein Wissen erweiterte. Mitte 2002 kam dann die Idee, eine Newsseite für West-Coast-Hip-Hop zu gründen, wo über aktuelle Releases berichtet werden kann. Man muss dabei auch berücksichtigen, dass es zu der Zeit nur eine Handvoll relevanter Hip-Hop- Outlets im Netz gab.

Wer waren die Gründungsmitglieder?

Angefangen hat das ganze mit Rud, einem guten Freund von mir aus England, mit dem die Idee entwickelt wurde. Er konnte etwas programmieren und designen und ich hatte Spaß am Schreiben und Content schaffen. Die Website wurde gekoppelt an das schon bestehende West-Coast- Forum dubcc.com. So entstand dubcnn West Coast News Network, das im September 2002 das Licht der Welt erblickte. Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat sich das Team oft erweitert und wieder verkleinert, zeitweise hatten wir 15 aktive Schreiber verteilt über die ganze Welt. Seit ich in San Francisco wohne, haben wir den Kader wieder etwas reduziert, aktuell sind wir fünf aktive Staff Member.

Warum konzentriert ihr euch eigentlich so explizit auf West-Coast-Rap?

Das fragen ich mich bis heute immer noch viele – meine Eltern übrigens auch. Heutzutage höre ich ein sehr breites Spektrum an Musik, nicht nur Hip- Hop, aber als Kind und Teenager war ich komplett vernarrt in alles, was von der Westküste kam und besaß schon sehr früh ein beachtliches Archiv an CDs und Wissen über das Thema. Dubcnn sollte hauptsächlich als Plattform dienen, um mir und Freunden die neuesten Infos über Releases zu liefern – dass es zu einem Business werden würde, das mich über die nächsten Jahre um die halbe Welt bringen würde, war nicht geplant. Wie gesagt war ich gerade 14.

Der Erfolg war schnell da. Wie würdest du die erste Entwicklung der Page beschreiben?

Wir gingen im September 2002 online, und das erste, was wir taten war, alle bestehenden Hip-Hop-Websites sowie alle Labelkontakte anzuschreiben und uns vorzustellen. Dies führte schnell dazu, dass Underground Rapper anfingen, uns zu kontaktieren, um ihre Alben zu featuren. Das erste große Ding kam im Dezember 2002, als ich eine E-Mail von Interscope Records bekam. Die fragten, ob wir Interesse daran hätten, einen up and coming Artist von denen zu interviewen – 50 Cent. Ich war gerade 15 geworden und noch im Stimmbruch, mein Englisch war noch etwas wackelig, aber so war mein erstes größeres Telefoninterview tat- sächlich mit 50 Cent während er am Set vom „In Da Club“-Video war. Danach ging alles ziem- lich schnell, dubcnn übernahm die Priorität in meinem Leben. Dies war genau zu der Zeit, als Labels anfingen, den Online-Markt wirklich ernst zu nehmen und es floss ordentlich Werbegeld. Von den Budgets, die 2005-2007 ausgegeben wurden für Online-Banner, können wir heutzutage nur noch träumen. Als 17-18 jähriger war das für mich damals ziemlich überwältigend.

Um gut berichten zu können, muss man direkt vor Ort und am Thema sein. Wie habt ihr das gemacht?

Ich habe 2004 mein Abitur gemacht und bin quasi einen Tag später nach Los Angeles geflogen und blieb die vollen drei Monate, die mein Touristenvisum mir erlaubte. Bevor ich mich Anfang 2011 komplett in Kalifornien etablierte, verbrachte ich ca. 2-3 Monate im Jahr in den Staaten, wo ich viele Interviews machte, Kontakte knüpfte bzw. festigte. Bei meinem ersten L.A.-Trip verbrachte ich die ersten paar Wochen in einem Hotel und danach wohnte ich einige Zeit bei dem Rapper Bad Azz, der damals einer von Snoops Jungs war. Dadurch lernte ich wie- derum viele Leute in der Szene kennen.

Als Europäer auf dem US-Markt Fuß zu fassen, gilt in vielen Branchen als schwierig. Wie war das für euch? Gab es Gegenwind, Neid, Konkurrenz?

Von den Künstlern und Produzenten gab es keinerlei Widerstand, eher im Gegenteil. Neid und Gegenwind gab es eher von konkurrierenden Websites oder ganz generell von Hatern, auch wenn ich den Ausdruck bescheuert finde. Ich war damals sehr jung, kam von einem anderen Kontinent und einige der Jungs, die vor Ort ähnliches aufziehen wollten, konnten nicht akzeptieren, dass die größte Plattform für West- Coast-Hip-Hop aus Deutschland kam. Es gab einige Hetzaktionen, Gerüchte wurden in die Welt gesetzt. Auf Bad Azz Wikipedia-Seite stand jahrelang, ich hätte in seinem Bett gepennt. (lacht) Dazu wurden Kindheitsbilder von mir ins Internet gestellt. Ich habe alles konsequent ignoriert, weiter mein Ding gemacht, und die negativen Stimmen wurden immer Leiser.

Ihr habt euch schnell einen sehr guten Namen innerhalb der Szene erarbeiten können. Was ist deiner Meinung nach das Geheimnis des Erfolges gewesen?

Ich glaube, es gab einige wichtige Elemente, die dazu beigetragen haben.
1. Der Zeitpunkt, zu dem die Website startete, war zu einer Zeit, als es nicht so viel Konkurrenz gab und wir uns schnell als ernstzunehmende Quelle etabliert haben.

2. Mein junges Alter und die komplette Naivität, was das Business anging, führten dazu, dass ich das Ganze rein aus Liebe zur Musik gemacht habe, ohne Hintergedanken an Geld oder Zu- kunftspläne.

3. Die Unterstützung von hochkarätigen Künst- lern gab dubcnn den stamp of approval. Snoop Dogg hat maßgeblich zu unserem Erfolg beige- tragen, sowie Ice Cube, Xzibit, E-40, The Game. Ironischerweise kam der Support von den Großen nur, weil sie es mochten, dass wir die Kleinen unterstützt haben.

Durch die Seite seid ihr in Kontakt mit allen Größen der Westcoast gekommen. Was waren für dich die persönlichen Highlights der Arbeit bei dubcnn.com? Wie man hört, hast du zum Beispiel einen sehr guten Draht zu Snoop Dogg…

Da gibt es mehr Geschichten, als der Rahmen des Interviews erlauben würde. Aber in der Tat ist Snoop Dogg eine Schlüsselfigur für meine bisherigen Karriere gewesen, nicht nur, weil er dubcnn über die Jahre mehr als zehn Interviews gegeben hat, in unserem Dokumentar- film mitgemacht hat und sein Label jedes Mal aufforderte, bei uns Werbung zu schalten. 2007 war ich auch auf Snoops Compilation „The Big Squeeze“ im Intro zum Song „Be Thankful“ ver- treten. Keine Sorge, ich rappe nicht, sie haben da einen Auszug aus einem Interview von mir und Snoop eingespielt. Mittlerweile lebe ich ja in San Francisco, und Snoop, sowie Ice Cube und Too Short haben Letters of Recommendation geschrieben, damit ich mein O-1-Visum für die U.S.A. bekomme und hier legal arbeiten darf. Ich bin, neben dubcnn, mittlerweile seit zwei Jahren der Marketing Manager und A&R für Empire Distribution, ein digitales Vertriebslabel, wo ich, neben anderen, in den letzten Jahren Kendrick Lamar und Top Dawg Entertainment gesigned habe, und wir haben u.a. Section.80 und Overly Dedicated released. Wenn ich die letzten zehn Jahre auf drei Highlights reduzieren müsste, dann wahrscheinlich insgesamt die Beziehung zu Snoop, die Beteiligung an Kendrick Lamars Releases, und das West-Coast-Hip- Hop-Festival in Amsterdam, welches wir mit- organisiert haben, und wo 2009 u.a. Ice Cube, Xzibit, Too Short, E-40, Tha Dogg Pound und DJ Muggs aufgetreten sind.

Gab es mal Beef, Stress mit Künstlern, der für Aufsehen gesorgt hat?

Stress gab es tatsächlich weniger als man vielleicht erwarten würde. Zurückblickend kann ich sagen, dass der einzige Stressfaktor oft meine persönliche Beziehung bzw. Freundschaft zu Künstlern war. Ich war einerseits Nima von dubcnn, aber andererseits war ich einfach ein Musikfan, der mit den Künstlern über Gott, Liebe und die Welt geredet hat. Dies führte manchmal zu Situationen, in denen Künstler bessere Bewertungen auf der Website wollten oder sich auf die Füße getreten fühlten, wenn ich etwas von jemandem supportet habe, den sie nicht mochten. Ein Beispiel hierfür ist Bishop Lamont. Ich hatte mit ihm connected lange bevor Dre auf ihn aufmerksam wurde und hatte sein erstes Interview mit ihm gemacht. Einige Zeit später hatte er Beef mit dem Produzenten J.Wells, mit dem ich ebenfalls ein gutes Verhältnis hatte. Bishop hatte Wells im dubcnn- Interview gedisst, als Antwort darauf schickte mir J.Wells ein Statement. Bishop fand es gar nicht lustig, dass ich das ebenfalls geposted habe, aber anstatt normal mit mir darüber zu reden, drohte er mir damals, dubcnn von jeglichem Aftermath-Support auszuschließen. Solche Situationen haben mir schon früh das Motto Business never Personal nahegelegt. Ich hielt zu meiner journalistischen Integrität und der Artikel blieb. Einige Zeit später wurde Bishop gedropped von Aftermath. Mittlerweile sind wir wieder cool miteinander, aber sowas hinterlässt natürlich einen sauren Geschmack.

Wie siehst du die Zukunft für dubcnn?

Wir hatten im September 2012 unseren relaunch zu unserem zehnjährigen Geburtstag. Ansonsten arbeite ich an Sponsorships für verschiedene Touren. Seit fünf Jahren sind wir feste Sponsoren vom Rock-The-Bells-Festival und dem Paid-Dues-Festival in den USA. Ich hätte starkes Interesse daran, wieder mehr in Europa aktiv zu werden und in der Szene mitzumischen, weil es schließlich meine Heimat ist.

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