Duan Wasi über „Loop Routines“, Arbeitsprozesse und sein Equipment

Als Produzent der Stuttgarter Hip-Hop-Riege (u.A. Massive Töne, Afrob) ist er für viele aus der Zeit der Inbegriff von deutschem Hip-Hop der 90er Jahre. Spätestens seit der Aufnahme seines Textbuchs in die Kulturhistorische Sammlung der Stadt Stuttgart, wird seine Arbeit in Deutschland in einem kultur- und literaturwissenschaftlichen Zusammenhang besprochen. Das Kolchose-Mastermind Duan Wasi hat sich nun mit seinem neuen Instrumental Album Loop Routines“ der Marke mit dem Pferd auf der Haube gewidmet und gab uns ein Interview.

Du hast früher mit der SP1200 gearbeitet. Wie sieht dein Equipment heute aus?

Mein Production-Kit bestand bis zum letzten Jahr aus einem Pärchen Arturia SparkIch habe jedoch etwas aufgestockt mit einem Beatstep Pro, eine Drumbrute, seit Frühjahr der MPC Live und einer neuen SP404aVor Allem der Beatstep Pro als H.I.D.- fähiges Gerät, mit drei unterschiedlichen Sequenzer-Einheiten eignet sich für die Kopplung mit, unter anderem Iannix zur Datenübertragung via O.S.C. besonders gut. Iannix ist ein Audio / Videosequencer, der sehr oft für größere oder kleinere Installationen in der Medienkunst verwendet wird. Logic X Pro als Host, audiojag, mangle als VST und eine Werkzeugkiste von anderen VST’s.

Weitere Kits ?

Ich habe ein weiteres Toolset für Audio Programmierung. Pure Data und jeweils einige, sogenannte Patches für generative Musik, viele kleinere eigenen Patches. Ich verwende die Supercollider I.D.E. Für komplexere Anwendungen, wobei ich gestehen muss dass die coding Umgebungen gerade etwas in den Hintergrund rücken.

Bei den „Lost Beats“ hast du ja einige Skizzen rumgeschickt. Wie sieht das bei „Loop Routines“ aus?

Wir haben ein Video zu dem Track „Le Mans“ gedreht, benannt nach dem gleichnamigen Filmtitel von 1971 mit Steve McQueen. Da grundsätzlich Filmmusik darin nur eine partielle Rolle spielt, besteht die Tonkulisse z.B. in den Rennszenen sicher 30 Minuten lang ausschließlich aus Motoren-, Kurven-, und Umgebungsgeräuschen – purer Rennsport-Wettkampf. Dramaturgisch betrachtet, sehr beeindruckend. Man könnte sagen, dieser Film diente als Vorlage – auch für das visuelle Konzept. Mathias David an der Cam und Mikis Fontagnier on the cut!

Wie unterscheidet sich der Entstehungsprozess von „Loop Routines“ zum Vorgänger?

Es ist ein Konzeptalbum und nach einer sehr klaren Idee entstanden. Es ging darum, Äquivalente für Begriffe wie z.B Form, Dynamik, Rotation, Geschwindigkeit etc. zu finden und umzudeuten. Zum Iconset gehört z.B. die allzutypische „Porsche Flyline“. Was ich nicht ohne mehrere Filterstufen verwenden wollte, waren brachiale Motorengeräusche. Das wäre dann doch etwas zu trivial. Anfangs stellte sich die Frage: Wie nehm’ ich die Signalquelle ab? Nach welchen Regeln editiere ich die abgenommene Substanz? Im Gegensatz zu den Luxusmodellen, dem neuen „911“ zum Beispiel, indem ein, von der Position des Insassen variables Klangbild für die gesamte Innenausstattung konzipiert wurde, ist die Akustik in einem Porsche Rennwagen eine andere. Diese Autos sind für den Fahrer sehr rudimentär ausgestattet, sodass sie z.B. leicht sind und Wettkämpfe gewinnen.Deshalb existiert auch oftmals keine Verkleidung in der Innenkabine. Das Cockpit ist stabil, die Bedienelemente robust verschraubt.
Anders verhielt es sich bei den historischen Sound Komponenten. Hierbei konnte ich auf Material zurückgreifen, das ich schon vor 20 Jahren skizziert hatte. So wurden tragende Elemente einzelner Tracks aufgeschlüsselt und in dieses neue eigene Iconset überführt.

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Für das Album brauchte ich ca. drei Monate, aber auch nur weil das anfangs ein Sideprojekt war. Entstanden ist die Idee im Frühjahr. Da ich jedoch in einem anderen großen Softwareprojekt steckte, konnte ich das nur nebenbei weiter denken.

Beim letzten BACKSPIN Interview hast du gesagt, dass du nur noch nach Laune produzierst. Inwiefern ist der Name „Loop Routines“ Programm?

Ich bin im Loop, du bist im Loop. Jeder in seinem eigenen Loop. Der Begriff Routine ist in diesem Kontext nichts anderes als ein Ablauf der verinnerlicht ist durch eine iterative Arbeitsweise. Ein Loop eben. Es ist die Schleife in der Schleife nach Ferdinant Möbius, wenn man so will.

„Vectorcuts“ sticht für mich so ein bisschen aus der Platte heraus. Die HiHat-Rolls und die Synths lassen manch einen Oldschooler vielleicht das (Un-)Wort „trappig“ in den Mund nehmen. Was hältst du allgemein von Genrezuordnungen?

Von Genre- oder Grenzzurodnungen halte ich nichts, mich beschäftigt eher die Stilfrage. Selbstverständlich sind da bestimmte Muster. Wir bewegen uns hier sicher bei 73-77 BPM. Die Rolls gibt es schon seit es Crunk gibt, Doubletime, nannte man es Ende der 90er und jetzt in leicht abgewandelter Quantisierungsstruktur, Trap. Mich stört dieses Wort nicht.

Deine letzte Platte war auf 500 Stück limitiert und sehr schnell vergriffen. Was für Emotionen löst so eine Resonanz in dir aus?

Es ist ein schönes Zahlenspiel (grinst). Ich selbst sichere mir als erstes immer die Null, sozusagen als Ausgangspunkt. Denn man wird ja bekanntlich immer an dem gemessen was man aktuell abliefert!

Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern idealerweise für dich aus?

Sie ist geprägt von einer sachorientierten Arbeitsweise, menschlichem Respekt ohne Egoismen und Befindlichkeiten, Zurückhaltung und Professionalität. Also all das, was man bei mir vergeblich sucht, würde mein Team jetzt sagen. Ich selbst versuche mit Leistung zu Punkten, so wie ich es anderen abverlange. Meine Besten wissen das zu schätzen!

Welche Musik hörst du momentan?

Iannis Xenakis. Seit Monaten eigentlich. Dabei interessiert mich vor allem seine konzeptionelle Arbeit.

Du hast zu Niko gesagt, dass du nicht gerne über ungelegte Eier redest. Wie sieht es mit dem weiteren Verlauf Solo-Karriere aus?

Das kann ich dir nicht sagen. Ich freue mich gerade über die positive Resonanz.

 

 

 

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