Don’t Let The Label Label You: „Du musst dich genauso behaupten, wie wenn du auf der Straße stehen würdest.“

Deutscher Battlerap boomt. Spätestens seit Turnieren a la VBT und Konsorten scheint insbesondere die Batterap-Szene breiter aufgestellt zu sein denn je. Andererseits ist Battle nicht gleich Battle. Face to Face, umringt von der Crowd und unter direkter Beobachtung von etlichen Heads kann das Herz noch mal viel schneller schlagen, als vor dem Rechner. Don’t Let The Label Label You, kurz DLTLLY, sind seit circa zwei Jahren unter anderem als Veranstalter von Live Battles in ganz Deutschland tätig und erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Für BACKSPIN habe ich mich mit Jamie (JollyJay), Hanno (H-to-O) und Big Chief zusammen gesetzt und etwas über DLTLLY und dessen Entstehungsgeschichte, Battlerap an sich und Grenzen im Rap geredet. Auf ein Gespäch mit den Initiatoren von DLTLLY:

Von euch gibt es ja noch nicht so viele Interviews. Am besten ihr stellt euch erst mal vor. Was sind eure Aufgaben innerhalb des Teams:

H-to-O: Ich bin Hanno. DLTLLY ist irgendwie passiert, weil Jamie und ich nach Deutschland gezogen sind und wir unsere englischen und deutschen MC-Kontakte irgendwie verbinden wollten. So ist Don’t Let The Label Label You als Plattform entstanden. Wir haben mit den „Live Bars, Interviews und Musikvideos angefangen. Dadurch haben wir auch irgendwie Big Chief kennen gelernt. Den konnte man gar nicht übersehen. Der war auf jeder Hip-Hop-Party in Berlin präsent. Auch wenn es vier an einem Abend waren. Er war einfach für alle DER Hip-Hop-Head aus Berlin. Jamie hatte damals bei Don’t Flop in England gebattlet und genau das hat uns in Deutschland gefehlt – dieses Written-Battle-Ding, statt dieses oberflächliche Punchline-Gehabe, was man gegen jeden droppen könnte. Auf jeden Fall haben wir uns entschieden sowas, gemeinsam mit Chief, durchzuziehen.

JollyJay: Die Rollenverteilung ist im Endeffekt so, dass wir alles gleich machen. Hanno ist ein bisschen mehr Kameramann, aber sonst haben wir genau die gleichen Jobs. Wir sind Co-Founder und machen alle alles. Chief ist Main-Battlescout, Main-Host von den Events und mittlerweile auch fester Bestandteil vom Team, der alles organisiert was Battles angeht. Zu der Idee kann ich folgendes sagen: Mir haben die Battles in England sehr viel Spaß gemacht und wir haben gesehen, dass auch in Deutschland hiphopmäßig wahnsinnig viel geht, aber gerade diese Battlerapschiene fehlt. Das gibt es sonst überall andersauch, aber nicht in Deutschland. Rap am Mittwoch hatte zwar relativ viel Output aber einen ganz anderen Style. Das waren eben keine Written Battles. Wir haben dann probeweise ein Event in der Junction Bar gemacht. Ziemlich klein – vielleicht hundert Leute. Das hat dann deutlich besser funktioniert als wir dachten und seitdem machen wir jeden Monat mindestens ein Event. Mittlerweile ist das auch nicht mehr nur auf Berlin beschränkt, sondern wir sind in ganz Deutschland unterwegs.

Wie genau war der Schritt vom selber Battlen hin zum Battles veranstalten?

JollyJay: Ich persönlich habe mich nie als Veranstalter gesehen. Filmen und Rap waren schon immer Passionen von mir.  Das eine hat das andere immer so ein bisschen ausgewogen und so ist es ja gerade auch immer noch.  Wir leben für Filme und Musik und unsere Plattform verbindet das.

H-to-O: Das Veranstalten ist halt irgendwann dazu gekommen. Dadurch ist die Musik ein bisschen in den Hintergrund geraten – da arbeiten wir aber auch gerade dran, dass sich das wieder verändert. Aber im Endeffekt war das so, seitdem wir 15 / 16 sind. Das hält sich die Waage und das ist auch okay so.

JollyJay: Manchmal finde ich es schade, dass wir musikalisch zurückstecken mussten, weil wir nie wirklich Zeit hatten alles zu machen. Aber im Hinterkopf habe ich immer das wir immer independent, immer ohne Label und immer ohne Kooperationen sein wollten. Wenn man dann so eine Plattform hat, die einem gehört, die man aufgebaut hat – dann kann man ein Album, auch wenn das länger dauert, komplett selbstständig rausbringen. Wir haben unsere eigene Plattform und sind da auf niemand anderen angewiesen.

Ihr habt die Written Battles gerade schon angesprochen. Was war für euch der ausschlaggebende Punkt die das so in Deutschland veranstalten zu wollen?

JollyJay: Aus Fansicht. Hanno war auch bei jedem meiner Battles dabei und feiert das auch obwohl er kein Battlerapper ist. Statt immer nach England fliegen zu müssen um ein Live-Battle mitzuerleben, kann man das gleich hier selber machen. Wir kannten viele Rapper, waren viel unterwegs und hatten deutschlandweit Kontakte zu Rappern.  Aus dem Lauschi (einem Club in Berlin) kannten wir zum Beispiel Hansen und Kurzer Prozess. Als wir die beiden gegeneinander gestellt haben, haben wir so ein Classic veranstaltet, dass wir dachten: „Jetzt müssen wir auch weiter machen.“ Ich finde im Allgemeinen ist Battlerap ein sehr großer Teil von Hip-Hop. In England ist Don’t Flop teilweise größer als die eigentliche Musik. Deutschland hat mit dem VBT zwar so ein gutes Following für Leute die Battlen wollen, aber bis dato kein wirkliches Face-to-Face-Battle, bis auf so Freestyle-Dinger. Das ist für mich etwas altmodisch. Das ist zwar auch geil und das sollte nie aussterben, aber zu zeigen wie krass man schreiben kann ist für mich das Maß der Dinge.

Steht es für euch denn auch zur Debatte mal wieder in den Ring zu steigen?

JollyJay: Auf jeden Fall! Ich bin auch schon heiß drauf. Ich hatte mein letztes Battle im vergangenen Sommer und habe wieder richtig Bock drauf. Vielleicht machen Hanno und ich sogar ein Two on Two zusammen…

H-to-O: Ich habe selber halt noch nie gebattlet. Ich sehe mich auch ehrlich gesagt nicht so als Battle-MC. Jamies letzter Gegner hatte ihm, bei dem Don’t Flop-Event das wir hier organisieren wollten, abgesagt und jetzt soll es halt ein Two on Two werden. Jetzt überlege ich gerade ob ich der zweite Teil davon werde.

Chief. Wie du dazu gekommen bist, haben wir schon gehört, aber wie war es für dich auf einmal Teil von DLTLLY zu sein?

Big Chief: Wir haben uns in der Phase kennengelernt, als die beiden Jungs DLTLLY schon als Channel gelauncht hatten. Man hat das in der Stadt, vor allem der Szene schon so ein bisschen mitbekommen und auch die Sticker haben schon hier und da geklebt. Dann habe ich die Jungs hinter dem Movement kennengelernt und mich dann mit Jamie schnell darauf geeinigt, dass das Battlerapding in Deutschland nach vorne gebracht werden muss. Wie wir vorhin auch schon gesagt haben: klassische Written Battles gab es zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht. Feuer über Deutschland hat sich das damals auf die Fahne geschrieben, dass sie die ersten waren die das gemacht haben, wobei der Gegnerbezug da noch nicht so wirklich hoch war. Das liegt auch daran, dass da sehr kurzfristig entschieden wurde wer gegen wen antritt. Von daher finde ich unsere Sache war damals schon ganz was Neues. Es hat sich dann auch einfach prima ergänzt, dass Jamie das alles super aus der Rappersicht sehen konnte, ich super aus der Fansicht und Hanno mit dem Auge für die Optik. Dann hat sich das schnell so ergeben, dass wir die Events alle zusammen planen. Ich habe jetzt meinen Spaß daran gefunden die Konstellationen herbeizuführen, die ich als Fan am liebsten sehen würde. Das klappt so auch ganz gut. Wir bekommen da das Feedback von den Fans, dass es uns da regelmäßig gelingt Matches auf Augenhöhe zu finden. Man kann auch bei den Rappern immer wieder eine Weiterentwicklung sehen. Wir bauen die Teilnehmer also auch auf und trainieren sie dazu auf immer stärkere Gegner zu treffen.

Weiter auf Seite 2.

The following two tabs change content below.
Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

Seiten: 1 2 3

Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.