DJ Premier: „Prince meinte, dass er ‚Step in the arena‘ besonders mochte.“

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Kaum ein Produzent beeinflusste den Klang New Yorks in den 90er Jahren so sehr wie DJ Premier. „Illmatic“ , „Ready to die“ , „Reasonable Doubt“ ; die Liste der Alben an denen der gebürtige Texaner maßgeblich beteiligt war, liest sich wie eine Aneinanderreihung von Klassikern des Genres. Auch 20 Jahre später ist Premo so produktiv, wie kaum jemand anderes. So führt er zwei Labels, moderiert eine eigene Radioshow und produziert immer noch Musik für viele Künstler. In den letzten zwei Monaten war er mit Torii Wolf auf Tour durch Europa. Im Gespräch erzählte er uns von seinen Erfahrungen in Europa, dem neuen PRhyme Album, seiner Erinnerung an Prince und die neue Generation der Rapper zu reden.
 
DJ
 
Du tourst schon seit Gang Starr Tagen in Europa. Wie wichtig waren diese Touren für deine Karriere?

DJ Premier: Es war immer wichtig, weil die europäischen Fans uns immer mit offenen Armen empfangen haben, was Liveshows und Touren angeht. In den 90ern waren wir eine der größten Gruppen dieser Zeit. In den Staaten spielten wir hauptsächlich in Clubs, während die Locations in Europa wesentlich größer waren. Wir waren es nicht gewohnt vor 5000 Leuten oder auf einem Festival zu spielen. Die Festivalszene war und ist wirklich groß hier. Das waren wir nicht gewohnt. Heutzutage verstehen wir welche Bedeutung Festivals für die Musik haben, vor allem wenn es darum geht Hip-Hop zu feiern. Nach all der Zeit ist das immer noch eine große Sache für uns und wir wissen es zu schätzen, dass wir zu den Künstlern gehören, die immer wieder bei Festivals gebucht werden. Ich liebe es live zu spielen. Für mich ist es eine der besten Wege zu testen, wie gut deine Musik wirklich ist, und wie sie Menschen berührt. Auch wenn deine Musik noch ganz neu ist. Jemand wie Torii Wolf, zum Beispiel, muss auf der Bühne alles geben. Egal ob man deine Platte mag oder nicht, ein Konzert kann jemanden dazu bringen dich zu mögen. Auch wenn derjenige denkt, „Ich mag den Song und das Video nicht.“ . Wenn man den Künstler dann auf der Bühne sieht, denkt man vielleicht „Mann, ich werde mir mehr Shows ansehen, oder den Künstler anders unterstützen.“ . Alles nur deiner Perfomance wegen. Das ist das, wofür ich zuständig bin. Sicherzustellen, dass jeder Künstler unter meinem Mantel, diese Energie und Liebe in seine Auftritte steckt.

Hast du eine besondere Erinnerungen an deine Europa-Touren?

DJ Premier: Alle Erinnerungen, die ich habe sind großartig. Ich erinnere mich aber vor allem an eine Sache. Da waren wir 1992 mit Gang Starr auf Tour. Ein Typ im Publikum hatte eine Knarre und er fuchtelte damit herum. Es war nur eine Luftpistole, aber die sah aus wie eine echte. Ich erinnere mich, wie J Rula sagte: „Der Typ hat eine Knarre!“ und dann „Komm her, komm her.“ rief.  Der Typ aus dem Publikum kam nach vorne an die Bühne und gab J Rula die Pistole. Die haben wir dann für den Rest der Tour behalten. Am Tag bevor wir nach New York zurückflogen, haben wir sie dann natürlich einem Bekannten  gegeben, dessen Name ich jetzt nicht sagen werde. Das war 1992, aber dass der Mann aus dem Publikum J Rula wirklich die Knarre in die Hand drückte… Wow. Wer gibt denn eine Pistole einfach an einen anderen weiter? Das war eine unglaubliche Situation. Dadurch konnten wir auch Leute verarschen, die uns Stress machen wollten. Falls ein verrückter Fan sich prügeln wollte oder so. Wir haben dann einfach die Luftpistole rausgeholt und dann hieß es schon „Oh, shit.“ und wir konnten einfach abhauen. Wir hatten keine Munition dafür, aber das reichte trotzdem aus. Ab da war alles gut.

Hat sich das Publikum auf deinen Konzerten über die Zeit geändert? Sind die Fans weniger wild?

DJ Premier: Das Publikum war schon immer wild. Das liegt an der Art der Musik. Ich liebe „rohen“ Hip-Hop. Ich mag es, wenn es ein wenig „hardcore“ ist. Ich nenne das „struggle-music“ . Da kommt Hip-Hop her, auch wenn Bambaataa meinte, die Grundwerte seien „Frieden, Liebe und Spaß haben“ . Das ist zwar bis heute das Motto, aber der Battle-Aspekt gehört trotzdem auch dazu. Weil die Musik von der Straße kommt, wird es auch hin und wieder Situationen geben, die durch genau diese Mentalität entstehen. Daher kommt es auch, dass du hier und da mal Schlägereien siehst auf solchen Veranstaltungen. Das ist eben wie bei Country Musik. Du gehst in eine Bar, es bricht eine Schlägerei aus, und direkt danach gehen alle wieder tanzen und feiern. Das gehört zum Milieu, aber es wird schon mir der Zeit besser. Es ist so, wie es KRS One auf “South Bronx” schon gesagt hat: „There’s got to be a better way to hear our music every day. B-Boys getting blown away but coming outside anyway.” . Anstatt zu sagen, „Ich geh nie wieder zu diesen Hip-Hop Veranstaltungen” , stehen sie direkt am nächsten Tag wieder in der ersten Reihe. Das liegt einfach an der Kultur. Da kriegst du eben alles, was zu diesem Lebensstil gehört. Natürlich will man, dass das besser wird und wir haben das Gefühl, unsere Musik ist ein Licht am Ende des Tunnels für viele. Das macht das Leben ein Stück lebenswerter.

 

 

Gerade im letzten Jahr erscheinen Serien wie „The Get Down“ und „The Breaks“ (Anm. d. Verf. Eine Serie an der er als Produzent beteiligt war) , die sich mit den frühen Anfängen der Kultur beschäftigen. Warum glaubst du passiert das gerade jetzt?

DJ Premier: Das hat alles mit Timing zu tun. Timing ist alles. „The Breaks“ war letztendlich aus vielen Gründen nötig. Einer davon ist, dass die 90er so eine wichtige Zeit nach den 70ern und 80ern waren, weil Hip-Hop dort zu einem Geschäft wurde. Es war zwar schon vorher eines, aber nicht so, wie in den 90ern. Die Serie zeigt, wie die Kultur einen ganz bestimmten Weg einschlägt. Hip-Hop war nicht mehr nur eine Sache, die in den Nachbarschaften stattfand. Es wurde so bekannt, dass große Investoren anfingen zu sagen „Darin investieren wir Geld und kommerzialisieren es.“ . Wenn du etwas kommerzialisierst, musst du dagegen ankämpfen, dass die Grundidee verwässert wird und gleichzeitig schauen, dass diese erhalten bleibt. Sobald das nämlich passiert, hat Hip-Hop nicht mehr dieselbe Energie, die es so groß machte. Es ist ein ständiger Kampf. An dem Punkt komme ich ins Spiel, weil ich die Ära erhalten will, die mich bekannt machte. Ich will diese Ära aufrecht erhalten, die die Kultur so groß und wichtig in der Gesellschaft und auf der ganzen Welt machte. Das ist sehr wichtig. Letztendlich bin ich einfach froh, so etwas zu machen und es Menschen zeigen zu können, obwohl ich schon 50 bin. Ich war 19, als ich meinen Fuß in das Business setzte und bin mit 50 immer noch relevant, weil mir die Langlebigkeit der Kultur am Herzen liegt. Wenn es dir nur ums Geld geht, wirst du genau so schnell wieder verschwunden sein, wie du aufgetaucht bist und dich mit anderen Dingen beschäftigen. I don’t grow hip-hop, I grow with it. Wenn du Hip-Hop liebst sagst du nicht wenn du älter wirst „Ich bin jetzt erwachsener und mag das nicht mehr. Das war damals.“, du liebst es für immer. Um mit allen Schritt halten zu können studiere ich alle. Ich weiß wer Migos, Rae Sremmurd, Drake, J.Cole und Future sind. Das sind die jungen Wilden, die jetzt am Start sind und ich begrüße das. Lil Uzi Vert, Lil Yachty… Wir heißen sie alle willkommen. Das heißt aber nicht, dass ich aufhören muss, das zu machen, was ich tue. Es darf kein alt gegen jung geben. Es darf auch nicht gesagt werden „Du bist alt, also solltest du aufhören.“ . Wenn du immer noch dope bist, machst du weiter. Ich bin immer noch dope, also mache ich auch weiter.

Wie wichtig denkst du ist es für die junge Generation über die Wurzeln des Hip-Hop in den 70er und 80er Jahren Bescheid zu wissen?

DJ Premier: Das ist sehr wichtig. Die meisten der jungen Leute kümmert das nicht und das ist genau der Punkt, an dem sie in der Zukunft Problemen haben werden. Wenn du nicht studierst, was die ganze Kultur ins Rollen gebracht hat, wirst du gegen eine Wand rennen. Ich hoffe nicht, dass das geschieht, aber das wird es früher oder später.  Du musst immer sicher gehen, dass du den Leuten, die vor die kamen Respekt zollst, damit du verstehst, dass du ohne diese Leute nicht dort wärst, wo du jetzt bist. Respektiere die, die vor die kamen.

 

 

Du hast in der Vergangenheit erzählt, dass du 1977 beim Blackout in New York warst. Woran erinnerst du dich?

DJ Premier: Ich war so viele Einbrüche nicht gewohnt. Das war ein Trip, weißt du? Zu sehen, wie das alles passiert und die ganzen Scheiben zerschlagen und Fernseher geklaut werden. Als Kind dachte ich „Wow, das ist cool. Ich will auch einen Fernseher klauen. Ich will auch ein Radio klauen.“ . Auch wenn das eigentlich nicht richtig war, dachte ich als Kind „Sowas passiert nur in New York.“ . Es war so riesig. Es ging es nicht nur um einen Block, das war in ganz Manhattan, der ganzen Stadt, überall. Es war verrückt.

Du kannst sehr viele Geschichten davon erzählen, wen aus der Musikindustrie du schon alles getroffen hast. Gab es eine ganz besondere?

DJ Premier: Ich habe Prince getroffen. Das war unglaublich. Er sagte mir, dass er ein Fan von Gang Starr sei, ohne dass ich ihn überhaupt danach gefragt habe. Ich dachte nur „Wow. Prince hat das gerade zu mir gesagt.“ . D’angelo und Treach von Naughty by Nature standen in dem Moment neben mir. Das war eine der unglaublichsten Sachen, die mir jemals jemand ins Gesicht gesagt hat. Prince meinte, dass er „Step in the arena“ (Anm. d. Verf.: Das zweite Album von Gang Starr. Es erschien 1990.) besonders mochte. Ich wollte in dem Moment ohnmächtig werden. Wer würde nicht wollen, dass Prince sowas zu einem sagt? Ich wünschte, ich würde eines Tages noch Quincy Jones treffen, weil er so viel Wissen hat. Es gibt so viele Fragen, die ich ihm stellen will. Hoffentlich passiert das eines Tages noch.

Du hast erzähltest, dass du schon als Kind alle möglichen Genres hörtest. Nach was schaust du in der Musik, wenn du Samples aussuchst?

DJ Premier: Das variiert, weil ich alles mag. In den 90ern wollte ich nur Jazz-Samples benutzen, weil das sonst niemand wirklich machte. Später änderte sich das und ich wollte meine Vielfältigkeit zeigen, indem ich alle Arten des Samplings aus benutzte. Heutzutage schaue ich nach nichts genauem. Du könntest Husten oder Niesen und ich könnte das benutzen und einen kranken Beat daraus machen und es im Premier-Stil flippen, sodass du denkst „Okay, Premier ging ab“ .

Die Snowgoons waren in deiner Radioshow „Live from Headqcourterz“ zu Gast. Woher kennt ihr euch?

DJ Premier: Ich habe die Snowgoons durch M.O.P. getroffen, als sie an deren neuen Album arbeiteten. Außerdem habe ich immer ein Auge auf Europäischen Hip-Hop, von Deutschland bis Frankreich, geworfen. Ich habe das immer verfolgt, weil wir vom Beginn unserer Gang Starr Karriere an viel mit Europäern zu tun hatten. Von der London Posse, die wirklich groß waren von 90 bis 99, über Black Twang, Clash The Culture bis IAM aus Frankreich. Außerdem waren wir mit DJ Mirko Machine und Spax in Deutschland auf Tour. Wir kamen damit so oft in Berührung, dass es immer Teil unserer Philosophie war Respekt und Liebe für Künstler in Europa zu haben. Ich habe ein neues Album, das ich veröffentlichen werde mit MC Eiht von Compton‘s Most Wanted mit dem Titel „Which Way Is West?“ . Brenk Sinatra produzierte den Großteil davon. Er ist aus Wien und seine Beats sind dope. Wir wollen ihm noch mehr Arbeit geben, weil er einen neuen Sound in die Szene bringt. Es ist wunderschön all die verschiedenen Stile zu hören, die von Amerikanischer Musik beeinflusst wurden. Das ist dope.

 

 

Was kannst du uns zum neuen PRhyme Album verraten?

DJ Premier: Wir sind im Prinzip zu 90 Prozent fertig damit. Wir müssen tatsächlich nur noch einen Song aufnehmen. Royce ist seit ein paar Jahren trocken und das ist großartig. Ich bin so stolz auf ihn. Das einzige Problem ist, dass er 24 Stunden am Tag arbeiten will, ohne zu schlafen. Ich bin einfach 50 Jahre alt, da sage ich schon Mal „Ich brauch ein kleines Nickerchen um on point zu sein“ . Er kam nach New York und wir nahmen zehn Songs in zwei Tagen auf. Alle Vocals, ganz neue Beats und alles drum und dran. In zwei Tagen! Diesmal benutzen wir die Musik von Antman Wonder. Shoutout an ihn. Adrian Younge war ja derjenige, der das ganze Projekt ins Rollen brachte. Musik komplett von einem Künstler gesamplet, das macht PRhyme aus.  Antman Wonder gab uns originale Samples. Er arbeitet so viel mit anderen Menschen, dass wir ihm sagten „Gib uns etwas, dass du noch keinem anderen vorher gegeben hast.“ .  Das hat er dann auch getan. Ich hab ein paar sehr gute Beats gemacht on Royce ist on fire. Ich kann noch nichts über die Gäste sagen, die wir auf dem Album haben werden, aber wir haben eine gute Reihe an Leuten.

Gibt es noch etwas, dass du deinen Fans mitgeben willst?

DJ Premier: An all meine Fans, wie ich immer sage: Ich liebe jeden einzelnen von euch. Damit meine ich Fans meiner Musik, meines Movements und von allem, was wir repräsentieren. Von mir, bis zu Gang Starr. Ruhe in Frieden Guru. Gang Starr for life, Shoutout an die ganze Gang Starr Foundation, Jeru The Damaja, M.O.P und so weiter, und so weiter. We just stay heavy to keeping the music alive and well.

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Stuttgarter Heidelberger, der in Hamburg ist, sich in der Musik zuhause fühlt und von Hannes Wader erzogen wurde Hip-Hop zu lieben.

1 Comment

  1. Lazy

    12. April 2017 at 16:04

    Ihr wisst hoffentlich, dass eure mobile seite völlig für den arsch ist? Euer lazyload funktioniert nicht. Die seite kommt nicht hinterher. Zuviel werbung die man zt nicht schließen kann. Dadurch abstürze… Formularfelder reagieren nicht, weil anderes zeug noch stundenlang geladen wird… Ich mag euch, deswegen der hinweis… Die relevante Konkurrenz ist da besser aufgestellt.

Erzähl Digger, erzähl

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