DJ Mirko Maschine & Spax – Die Profis: Unter dem Radar

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Bereits nach den ersten Takten bestätigt sich der von Mirko Maschine und Spax proklamierte Eindruck: Das sind Vollblut-Profis. Als Realkeeper befinde ich mich nicht nur auf der Suche nach den neuesten Outcomings, sondern auch nach fossiler Materie aus der Boom-Bap-Zeit. Die Stärke von „Unter dem Radar“ liegt im Spagat beider Welten; ein 2015er Jahrgang, der über Jahrzehnte im Eichenfass des Plattenspielers reifte. Die Einflüsse namhafter amerikanischer Künstler aus der goldenen Zeit, die Referenzen der Cuts deutscher Klassiker sind in jedem der 13-Track starken LP greifbar. Es fühlt sich wie eine halbe Ewigkeit an, als sich auf einem Deutschrap-Release der DJ noch in den Vordergrund spielte. Denn während der Produzent die ihm gebührende Aufmerksamkeit langsam zurückerobert, geht gerade nahezu unbemerkt die Säule des DJings unter. Mirko Maschine kümmert das scheinbar wenig und zeigt beispielsweise in der letzten Minute von „Ich, Booth, Bühne“ wo der Cutter hängt („Mirko verdammt, woher hast du das Pures Gift A capella?!?“). Auch Spax‚ Wind der Inspiration weht deutlich von der westlichen Küste des Atlantiks. Abgesehen von einem gemeinsamen Track mit Guru, versteht er sich selbst auch als Poet mit Message. Besonders gefällt mir auf „Apnoe“ der umklammernde Reim, welcher unter zeitgenössischen MCs leider zu wenig Verwendung findet. Als Profis beherrschen sowohl Mirko Maschine als auch Spax jeden ihrer Handgriffe. Allerdings müssten die Flows entstaubt und die Klangbretter experimentierfreudiger werden, um heute relevanter zu sein. Der moderne Hörer wird sich auch an Spax‚ erhobener-Zeigefinger-Lines und dem „Großes Kino“-Charme aufreiben. Als Realkeeper dürfte es aber nicht in ihrem Sinne sein, große Änderungen an ihrer Herangehensweise vorzunehmen. Entscheide selbst, ob du mit der Zeit Schritt hältst oder auf altbewährte Methoden zweier Profis vertraust.

 

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.
Razer

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