DiscoCtrl: „Viele Tracks machen erst dann wieder Sinn, wenn ich sie zum ersten mal live spiele“

 

Zwischen Austin, Texas und Berlin bewegt sich DiscoCtrl. Auch musikalisch ist der junge Rapper flexibel und verbindet düsteren G-Funk, Boom-Bap und mehr. Mit seiner Crew ImageCtrl wagte er sich auch in elektronische Gefilde. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er mit „Dusk“ eine Mini EP. Der Nachfolger soll im Februar erscheinen. Einen Tag vor der Amtseinführung Donald Trumps hatte er ein Konzert in Hamburg. Wir trafen ihn davor, um mit ihm über den Einfluss dieses Ereignis auf seine Musik, Frida Kahlo, seine Labelheimat Audiolith und mehr zu reden. Viel Spaß beim Lesen!

DsicoCtrl

 

Erste Frage: Wie bist du bei deiner Single „Frida Kahlo“ auf den – für einen Rapsong untypischen – Titel gekommen?

Da ist eine Line, wo ich sage „I’m on my Frida Kahlo shit“. Der Grund ist, dass Frida Kahlo, dafür bekannt ist, dass sie die ganze Zeit Selbstportraits gemacht hat. Ihre berühmten Bilder sind alle von ihr selber. Ich fand, das war irgendwie ein ganz geiler Vergleich. Mit den Tracks, die ich zu dem Zeitpunkt geschrieben habe, das Gefühl hatte, dass jeder Track, den ich mache ein anderes Selbstportrait ist.


Trump wurde nun gewählt. Letztes Jahr hast du verraten, dass du eher leichtere Musik machen willst, um dich damit nicht zu beschäftigen, kommt da 2017 bei dir wieder Ernsteres?

Ja, auf jeden Fall! Also, ich weiß nicht, ob du „Era“ mitgekriegt hast, das war die letzte Single. Da ging’s eigentlich auch wieder in die Richtung.  Das Soundbild, das ich größtenteils fahre, also nicht exklusiv, ist relativ düster. Also von der Basiseinstellung sind meine Texte nicht unbedingt pessimistisch, aber ich sag mal, sie sind realistisch zumindest. Also bei mir hat’s ziemlich hart reingeknallt. Bis Ende, Mitte Oktober war ich noch in den Staaten, um dann einen Monat lang, Familie und Freunde zu sehen. Also war ich bis kurz vor der Wahl da. Da war eigentlich ein relativ optimistischer Flavor in der Luft. Mich hat’s richtig aus den Socken gehauen. Auf jeden Fall geht das auch in die Mucke rein, das neue Tape wird nicht exlpizit politisch, wie meine Sachen auch nie explizit politisch sind, aber der Flavor ist drin.

Fühlst du dich als Rapper verantwortlich, dich da zu positionieren?

Das ist eine gute Frage. Ich habe das Gefühl, das Politische und das Persönliche sind nie so wirklich getrennt, das trägt man in allen Situationen mit. Leute, die ein politisches Selbstverständnis haben, tragen das auch sicher in ihrer Musik und in ihrem Agieren raus. Ich denk jetzt nicht: „Oh, ich bin Rapper, die Welt wartet jetzt auf meine Politanalyse“. Bei mir geht es in erster Linie darum, Sachen, die um mich passieren, zu Musik zu verarbeiten, und da gehört das Politische auf jeden Fall dazu. Ich glaube aber nicht, dass ich letztes Jahr die Möglichkeit verpasst habe, einen Track zu machen, der die Leute davon abgehalten hat, dass die Leute Trump zu wählen.

Fühlst du dich bei deinem Label Audiolith gut aufgehoben?

Ja, voll! Ich find, das ist ein korrekter und entspannter Haufen. Vor allem gibt es direkte Kommunikation. Es gibt natürlich unheimlich viele Möglichkeiten auch verarscht zu werden zwischen Promotern, Booking, Label. Da mischen immer viele Leute mit, die auf den eigenen Profit aus sind. Bei Audiolith habe ich das Gefühl, dass alle immer klar damit sind, was sie voneinander erwarten und dass ich weiß, dass meine Musik nicht hintenrum an Rüstungskonzerne verkauft wird. Das ist ein entspannteres Gefühl, weil man ja auch viel abgibt. Als Artist, als Label, überträgst du auch viel auf andere Leute, und die können natürlich auch viel Scheiße damit machen.

Von dir gab es ein Feature mit Kobito. Hast du vor, mehr gemeinsam mit anderen Künstlern von Audiolith zu machen?

Kobito und ich kennen uns schon seit zehn Jahren. Das ist damals so in Berlin über Musikconnections gekommen. Ich habe im Moment nicht so wahnsinnig viele Feature geplant. Weil ich mich größtenteils selbst produzieren. Ich hab da immer Bock drauf, aber find’s schwierig mit Leuten auf einen Vibe zu kommen, die gleiche Arbeitsethik zu finden. Tracks anzufangen, die dann ein halbes Jahr auf irgendwelchen Festplatten rumliegen. Ich bin in alle Richtungen offen, es gibt viel bei Audiolith das ich krass feier, aber solche Sachen müssen sich auch organisch entwickeln.

Was kommt neues von dir?

Im Februar kommt „Dusk 2“, der Nachfolger von dem Mixtape „Dusk“, das ich so als Minirelease im März 2016 rausgebracht habe. Beide sind von mir produziert und verfolgen auch einen ähnlichen Sound-Strang. Es ist relativ düster und laid-back. Es sind auf jeden Fall wütende Tracks dabei. Da hauen wir auch noch Videos raus. Ich hab ziemlich Bock drauf, hab’s erst gestern ins Mastering gegeben. Es ist ruffer als ein Album sein würde.

Du bist ständig unterwegs. Würdest du sagen, das Reisen öffnet auch die Ohren für Einflüsse?

Oh ja! Einerseits, ein Set live zu spielen… Viele Tracks machen erst dann wieder Sinn, wenn ich sie zum ersten mal live spiele und sehe, wie Leute damit interagieren, da ensteht ein ganz neues Ding draus. Andererseits, in anderen Städten, in anderen Alltagen, auf anderen Parties, das finde ich richtig krass, was sich da alles ausbreitet. Ich war mit meinem DJ in der Französischen Schweiz zum ersten Mal. Da haben wir einen ganz anderen Vibe entdeckt. So was nehme ich auf jeden Fall mit nach Hause und versuche das einzuarbeiten.

Hast du einen Überblick, woher die Leute kommen, die deine Musik feiern?

Ich denk für die DiscoCtrl und ImageCtrl Sachen ist es definitiv hier, weil wir hier unsere Live-Basis haben und sich die Mucke besser ausgebreitet hat. Das hat damit zu tun, dass ich vor vier Jahren noch nicht die Musik gemacht habe, hinter der ich so stark stehe. Es breitet sich so langsam wieder in die Staaten aus. Aber es ist ein ganz anderer Markt. Ich habe auf jeden Fall nicht die Einstellung, dass ich unglücklich bin, wenn es gerade in Deutschland ein bisschen reinhaut, dafür in den Staaten nicht, ich mach da keine Hierarchie.

Hast du vor von der Musik leben zu können?

Ich mach das sogar ein bisschen. Ich produzier halt noch für andere Leute, so Film-, Fernsehgeschichten. Ich mach ein bisschen Booking, so ein bisschen Veranstaltung. Ende 2016 hab ich mir gesagt, dass ich da zu 100% hinter den Sachen stehen will. Es ist für mich auch nicht maßgeblich, dass ich jeden Tag auf der Bühne stehe, oder jeden Tag dick in der Presse stehe. So lange ich irgendwie involviert bin mit Musik, mit Veranstaltungen. Das ist für mich mittlerweile ein genau so gutes Gefühl, für Freunde gute Bookings raus zu hauen, wie für mich selber.

Noch etwas, was du los werden willst?

Ich wollte nur noch reinschmeißen, dass wir am 4. Februar bei „7 Years of Canyoudigit“  mit OG Maco in Wien spielen. März, April, Mai sind wir als Opener für Neonschwarz auf Tour. Also wer die Mucke im Internet scheiße fand, kann das live abchecken. Und wer den Audiolith Sampler verpasst hat, soll sich den auch noch abchecken.

Den Audiolith Sampler „Doin‘ Our Thing #4“ könnt ihr hier erwerben.
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Seitdem er für BACKSPIN schreibt, träumt er von Torch, Morlockk Dilemma und anderen Hip-Hop Dingen. Bei der Recherche ist er aber hellwach - Kaffee sei Dank! - und gräbt eifrig nach Schätzen, die sonst unter'm Radar bleiben. Bei all dem bleibt er auch noch funky.

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