Die Meinung der Redaktion zu Kurdos „Vision“

Zwar schon im elften Stock gestartet, ging es für Kurdo in den vergangenen Jahren von Projekt zu Projekt immer weiter nach oben. Als einer der Ersten abgekapselt von herkömmlichen Promophasen schaffte er es dennoch, sich rasend schnell eine große Fanbase aufzubauen und Erfolge zu feiern. Ein Jahr nach dem letzten Album, „Verbrecher aus der Wüste“, legt er nun schon nach. „Vision“ trägt das mittlerweile vierte Album des Heidelbergers als Titel, veröffentlicht wurde es natürlich erneut über sein eigenes Label Almaz. Unterstützer finden sich in Form von Kollegah, Farid Bang und Genetik. Und lange gedulden auf weiteres Album muss man sich scheinbar auch nicht, eine Kollabo mit Majoe scheint bereits auf dem Weg zu sein. Nun gilt allerdings erst einmal seine eigene „Vision“. Wir haben die neue Platte besprochen.

Kurdo – „Vision“ kaufen

 

  • 4/10
    Marvin: "Ich bin ohne große Erwartungen in 'Vision' reingegangen, auch weil ich mit Kurdo bisher nicht viel am Hut hatte. Das war für mich instinktiv auch die richtige Entscheidung, denn für mich ist der Lichtblick in 'Vision' der Ausblick auf das Ende des Albums. Die Thematik aller Tracks ist extrem ähnlich, die Beats reißen mich nicht vom Hocker (ich bleibe eher drauf sitzen) und auch inhaltlich ist da vieles verkehrt. Alleine die Zeile 'Ich merke Deutschrap wird wieder weich, deswegen wünsch ich mir Weltkrieg Nummer 3' ist dafür sinnbildlich. Im einen Track sagt er, dass er auf Trapbeats scheißt, rappt dann aber 4 Tracks später über die generischste Ausführung eines solchen. Erzwungene Reime, die nur existieren damit die jüngeren Fans sagen können, wie krass das denn klinge, obwohl es das gar nicht tut. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, trotzdem kann ich mir nicht erklären wie Kurdo eine so große Fanbase angerappt hat, er vermutlich auch nicht wenn er ehrlich ist. Irgendwem wird das sicherlich gefallen, mir allerdings nicht." - 4/10
  • 3/10
    Jakob: "Ich kann Kurdos Vision leider nicht erkennen. Was ich aber durchaus erkenne ist ein Produkt. Ein Produkt, welches gut funktioniert und sich bestimmt gut verkaufen wird. Musikalisch ist das Album, wenn man es als rein technisches Medium betrachtet, vollkommen in Ordnung. So funktioniert Musik für mich aber nicht. Wenn man nämlich den künstlerischen Mehrwert auf 'Vision' sucht, muss man wirklich lange suchen – und findet am Ende trotzdem nichts. Kurdo als Künstler besitzt nach vier Alben immer noch keinerlei Profil. Nichts Interessantes, lediglich ausgelutschte Phrasen, die man selbst von ihm schon 100 Mal gehört hat. Nach mittlerweile vier Alben habe ich verstanden, dass Kurdo als Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland gekommen ist. Er muss mir das nicht ständig nochmal sagen – ich bin nicht dement. Abgesehen davon widerspricht er sich nonstop. Sagt er auf einem Song, dass er 'immer noch auf Trapbeats' scheißt, macht er fünf Lieder später einen Trapsong. Aber immerhin kommt er mit durchdachten politischen Lines um die Ecke: 'Wallahi, billahi, Trump statt Killary', 'Scheiß auf Politik, Merkel Kahba' oder auch der Klassiker 'Fick das Grundgesetz'. Der persönliche Liebestrack 'Rendezvous' hat mich auch umgehauen - vor Fremdscham und Kitsch. Interessant fand ich auch seinen letzten Track: 'Brauchte einen Abschluss-Song, der etwas aussagt'. Was das wohl über den Rest des Albums aussagt? Für mich bis jetzt das Eigentor des Jahres." - 3/10
  • 5/10
    Lukas: "Als ich vor ein paar Wochen das Snippet zu 'Vision' sah, hab ich mich gefreut mal ein etwas abwechslungsreicheres Deutschrapalbum zu bekommen. Die Single "Ya Salam" fand ich auch ziemlich cool, mit sommerlichem Flair und in der Zeit erschienen, als ihn Hamburg mal eine Woche die Sonne schien. Leider waren im Snippet die besten Line schon verwendet und 'Ya Salam' war der für mich mit Abstand beste Song des Albums. Der Rest war wie man es erwarten würde ein Rapper, der aus dem Ghetto kommt und auf unkreative Weise erzählt, wie er es geschafft hat und was er nun macht. Ziemlich gut zusammengefasst in der Aussage: "Früher rappte ich für einen Benz, aus dem Ghetto. Heute rappe ich in einem Benz aus dem Ghetto." Viel mehr hat das Album für mich auch nicht zu bieten. Widersprüche, wie die Hookzeile "Ich scheiße immer noch auf Trapbeats" auf dem Inbegriff eines Trapbeats, oder Aussagen wie 'ich hab gemerkt Deutschrap wird wieder weich, also wünsche ich mir Weltkrieg Nummer drei' steigern meine Sympathie für das Album auch nicht grade." - 5/10
  • 4/10
    Yannick W.: "Wollte man 'Vision' in einem Wort zusammenfassen, käme man wohl nicht um 'erzwungen' herum. Denn nichts Anderes ist die neue LP Kurdos. Ob nun versucht wird, gekünstelt Tiefgang zu erzeugen, ohne wirklich die etwas zu erzählen, beziehungsweise Projektionsfläche zu bieten, oder schlicht und ergreifend bewusst provoziert wird – spannend ist ‚Vision’ zu keinem einzigen Zeitpunkt. Über technische Raffinesse braucht man gar nicht sprechen, die Musik Kurdos lebt schon immer mehr von Attitüde und Atmosphäre als von ausgefeilten Reimen, so auch hier. Ins Ohr geht besonders 'Ya Salam' auf Anhieb, wirkt dabei allerdings nicht ganz unkonstruiert. Was am Ende übrig bleibt, sind recycelte Straßenrap-Themen und –Zeilen und die Frage, wie ernst Kurdo es mit seinen stellenweisen Grenzüberschreitungen meint. Eine Hook, in der er selbst zur überzogenen Einteilung in Schwarz und Weiß greift, lässt wenigstens die Hoffnung übrig, man könne seiner Musik durchaus ein Augenzwinkern beimessen." - 4/10
  • 5/10
    Peter: "Wirklich visionär klingt das neue Album von Kurdo nicht. Einige Anspielstationen und Hooks bleiben zwar länger in meinem Kopf als diese Bewertung es erwarten lassen würde, aber auf der anderen Seite schüttel ich nach zu vielen Zeilen des Rappers aus Heidelberg den Kopf, da diese mir teilweise sehr weit hergefriffen scheinen oder einfach weit weg von meinen Gedanken sind. Jedoch merkt man dem Sound des Albums an, dass er die (deutsche) Rapszene beobachtet und demzufolge nah am Zeitgeist ist, was sich vor allem in seinen gepickten Produktionen widerspiegelt. Unterm Strich gefällt mir ‚Vision' etwas besser als sein Vorgänger, kommt aber nicht an 'Slum Dog Millionaer‘ ran. Dazu fehlen Lieder oder Thematiken, die herausstechen." - 5/10
  • 5/10
    Cedric: "Das Album hat mich leider nach der ersten Hälfte komplett verloren. Was mit durchaus gut gemeinten ‚deeperen‘ Songs Anfing, die sich bewusst von den üblichen Straßen-Rap Texten des Genres abheben ('Traum', 'Schatten des Ruhms', 'Ausweg', 'Mag sein'), endete irgendwie generisch und austauschbar. Auch klanglich liefert das Album trappige, sowie Dancehall inspirierte ('Ya Salam') und schnulzige ('Rendezvous') Beats. Das ist alles nichts Eigenes. Schade eigentlich, weil er die Technik und die Stimme besitzt und ich das Gefühl hatte, er versucht seinen Hörern mehr mitzugeben, als nur Ausführungen über das Ausmaß seines Reichtums." - 5/10
4.3/10

Kurzfassung

Mit seinem vierten Album kann Almaz-Chef Kurdo nur bedingt überzeugen. Auf „Vision“ schafft er es aufgrund der eng gefassten Themenauswahl nicht, sich großartig von den Kollegen abzuheben.

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