Die Meinung der Redaktion zu Kay Ones „Der Junge von Damals“

Kay-One-Der-Junge-von-damalsNur rund ein Jahr ließ sich Kay One Zeit, bis er nach dem letzten Album „Jung genug um drauf zu scheißen“ eine neue Platte veröffentlichte. Erst knapp vier Wochen vor Release kündigte der Rapper aus Ravensburg seine neues Album „Der Junge von Damals“ an, danach gab es beinahe wöchentlich neue Vorgeschmäcker auf Album Nummer Fünf. Im Vorhinein war angekündigt, mit „Der Junge von Damals“ wolle man sich stilistisch komplett neu erfinden. Für die Produktion des Albums zeichnet Gorex verantwortlich, der die insgesamt 18 Songs starke Platte komplett mit Beats bestückte. Auch den ein oder anderen musikalischen Gast hat Kay sich eingeladen, neben mehreren Features von Michelle Mendes und Faydee treten Manuellsen, Brandon Beal und Phillipe Heithier in Erscheinung. Wir haben uns das neue Album angehört.

Kay One – „Der Junge von Damals“ kaufen

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 6/10
    Diana R.: "Ich bin teilweise positiv überrascht musikalisch, die Raps sitzen und auch die Beats klingen anfangs sauber. Sie sind jetzt nicht überragend kreativ und innovativ, aber okay. Später auf dem Album wird es mir aber viel zu viel Pop mit den englischen gesungenen Hooks und einfachen Pop-Melodien. Es klingt dann mehr so nach viel zu einfachem deutschen Pop für mich. Aber das ist ja Geschmacksache. Inhaltlich ist das Album sehr zweiseitig- einerseits bleibt er in vielen Tracks bei Hymnen an Yachten, Jets, Champagner und Frauen. Andererseits crashen Songs wie "Das Öl wurde zu Blut", auf denen es um die ernste Lage in der Welt geht, ziemlich unsanft. Krass finde ich den Bruch auch bei den Bars: "Bitch ich mach' aus dir noch ein Pornostar, denn ich bin fresh, gut aussehend und vorbestraft. Egal, was soll's!", die Kay One auf den Beat von Grandmaster Flashs "Message" rappt, statt "Don't push me, ’cause I'm close to the edge. I'm trying not to lose my head". Da blutet mein persönliches Hip Hop-Herz ein wenig und ich frage mich, wie man Lines über so einen großen Life-Struggle mit solchen Lines ersetzen kann. So bleibt bei mir eher ein weirder Eindruck nach dem Hören." - 6/10
  • 3/10
    Kevin: "Einerseits muss Kay One niemanden etwas beweisen. Er ist ein guter Rapper und kann zurecht jeden MC des Landes zu einem Battle herausfordern. Andererseits bleibt er der Szene seit Jahren ein Album schuldig, das diesen Eindruck auch untermauert. Natürlich schuldet er nicht wirklich jemanden etwas. Allerdings ist die eine Hälfte von 'DJVD' für die Großraumdisko in deinem Heimatdorf konzipiert und die andere für gebrochene Herzen. Einfach zu viel Kitsch, zu viele abgedroschene Soundideen. Songs wie 'Donald Duck' oder das Feature mit Manuellsen erfinden das Rad zwar nicht neu, aber das braucht es ja auch gar nicht. Mit solchen Tracks kann ich durchaus leben. Einzig der Titeltrack gefällt mir richtig gut. Da zeigt Kay, dass er durchaus dazu fähig ist gute Songs zu schreiben und diese rüber zu bringen, ohne dass man die Musik leiser machen muss, weil es sonst die Nachbarn hören könnten." - 3/10
  • 5/10
    Peter: "Es braucht über 14 Tracks, möglichst viele, ganz nach dem Moto je mehr desto besser. Von denen sind ein paar Straßen-Banger und mindestens einer, besser mehrere Songs kommen mit gesungener Hook daher. Ein Kopf-Hoch-Bruder Track und einen Storyteller über die harte, aber auch unbeschwerte Jugend, in dem die Schattenseiten des heutigen Fames thematisiert werden, darf natürlich auch nicht fehlen. One-Hit-Wonder featuren, deren Haltbarkeitsdatum lange abgelaufen ist. In der Promophase wird das Album als das beste Album aller Zeiten, aber auch für Fans der alten Sachen angepriesen. Klingt ganz nach einem durchschnittlichen Deutschrap-Album oder eben "Der Junge von Damals", nur das Kay One kein durchschnittlicher Rapper ist. Schade eigentlich, Prince of Belvedere bleibt sein stärkstes Album." - 5/10
  • 3/10
    Yannick H.: "Früher Teil der egj-Crew von Bushido, heute Popstar und Liveact in Deutschlands Discotheken. Ungefähr so klingt auch sein neues Album, teilweise nach dem Sound der Disco. Kay vergleicht seinen neuen mit dem alten Lebensstil, packt im halbgarem „Believe“ die Motivationskeule aus und wartet mit Lyrics wie „Du Nutte, check mein Kontostand / Ich geh' 3x die Woche Sonnenbank“ auf. Ich kann dem allem nicht viel abgewinnen, da kann auch das einzige Rap-Feature in Form von Manuellsen nicht viel dran ändern." - 3/10
  • 5/10
    Can: "Durch die ganze Hintergrundgeschichte ist es natürlich nicht einfach, komplett unvoreingenommen das neue Album zu bewerten. Es ist aber genau deswegen umso wichtiger, dass wir das Album neutral betrachten und so jeden Song gerecht bewerten können. Kay hat schon bei GD bewiesen, dass er nicht nur gut, sondern besser als viele andere rappen kann. Der Inhalt seiner Songs ist wiederrum absolute Geschmackssache und meinen trifft er meist einfach nicht. Die Singles 'Herr Reichert' und 'Der Junge von damals' kommen dafür aber ziemlich gut an. Die Produktionen und Kays Technik sind ziemlich solide. Dazu muss ich auch sagen, dass ich versucht habe, alle Liebes- und pseudo-Polittracks auszublenden, da ich mir diesen inhaltslosen Kram absolut nicht geben kann. Kay hat eine große Fanbase und die werden mit dem Album verdammt zufrieden sein, aber mich kann es in seiner Fülle und Länge keineswegs überzeugen." - 5/10
  • 6/10
    Niko: "Fraglos ein echt guter Rapper. Inhaltlich mir aber ein wenig zu nah an seinem selbst ernannten Vorbild P. Diddy, oder wie er grad auch immer heißt. Ein paar Herz-Schmerz-Nummern zu viel und ein bisschen zu wenig Rap über Rap, was ihm wahrscheinlich sogar richtig gut stehen würde. Aber, andersherum ist das Album nur das konsequente Ergebnis aus dem Weg, den er eingeschlagen hat." - 6/10
  • 6/10
    Niels: "Ich hatte aufgrund des Titels ein wenig gehofft, dass es sich bei der neuen LP um ein Konzeptalbum handelt. Besonders der Vorgänger hatte für mich mehr Mixtape- als Albumcharakter, was an den starken Sprüngen zwischen melancholischen Songs, Party-Hymnen und Battletracks lag. Auch wenn reflektierende Lieder wie der Titeltrack oder auch „Denkmal“ dem Albumtitel gerecht werden und zugleich zu den stärksten der LP gezählt werden können, begeht Kay für mich denselben Fehler wie auf der Platte zuvor. Dramaturgisch gesehen wird man also von einer Stimmung in die nächste geworfen, was den Gesamteindruck der Platte leider trübt." - 6/10
  • 4/10
    Yannick W.: "Eine schwieriges Album. Kay One hat seine Stärken zweifelsohne als Rapper-Rapper, ich frage mich immer wieder, warum er sich nicht darauf besinnt und seine Skills präsentiert. Denn auch auch auf 'Der Junge von Damals' überwiegen die Tiefpunkte. Songs wie 'Shake That' verkörpern den typischen, anspruchslosen Großraumdissen-Sound, auch die Herzschmerz-Titel hat man in dieser Form schon mehrfach gehört. Die Teils nur mittelmäßigen Gesangshooks und oft uninspirierten Parts tragen da nicht grade zur Rettung bei. Seine absoluten Tiefpunkte erreicht das Album dann mit den platten 'Du-schaffst-das'-Songs 'Believe' und 'Beverly Hills' die auf einem Plastik-Pop Beat samt englischer Hook daherkommen. Dabei bietet 'Der Junge von Damals' sogar einige Höhepunkte. In der Manuellsen-Kollabo 'Baller' oder auf 'Puff Puff Pass' präsentiert Kay, dass er zumindest wirklich gut rappen kann. Auch der Titelsong, der es schafft eine gute Story und Rap-Skills unter einen Hut zu bringen, weiß wirklich zu gefallen. Vielleicht kommt das nächste Release ja mit etwas mehr Konstanz und einem wenigstens in Ansätzen erkennbaren roten Faden daher." - 4/10
  • 3/10
    Jana: "Wahrscheinlich fängt jede Bewertung von Kay Ones Schaffen derart an: Raptechnisch kann man ihm nichts vorwerfen, er beherrscht das Handwerk. Aber das eben auch schon seit Jahren, und ich würde mal behaupten, das weiß inzwischen auch annähernd jeder. Das war's dann auch mit dem Positiven, was bei mir vom 'Jungen von damals' hängengeblieben ist. Inhalte wahllos zusammengewürfelt, von "ich zeig dir, wie ein Reicher feiert" im Eingangstrack oder "20.000 Euro hat allein mein Hund gekostet" bis zum politisch sein wollenden "Das Öl wurde zu Blut", in welchem bemängelt wird, dass es auf der Welt nur um Geld geht. Hä?! Weiterhin bisschen der Ex hinterhertrauern (nein, natürlich wurde in "Irgendwann" endgültig abgeschlossen) um dann wieder cheesy mit Statussymbolen und Geld um sich zu schmeißen. So gut wie jedes Lied wirkt für mich extrem konstruiert und aufgesetzt; Sentimentales wird gerne mit dramatisch-trauriger Klaviermusik unterlegt, Tracks wie "Mile High Club" und "Shake It" wollen verzweifelt nichts anderes sein, als ein 08/15 (und auch hier im unteren Bereich) Großraumdiskotheken-Clubhit. Ein "Denkmal" setzt sich Kay One höchstens dafür, dass es für ein gutes Album bei Weitem nicht reicht, krass gut rappen zu können. Für letzteres gibt's dann auch die 3 Punkte." - 3/10
4.6/10

Kurzfassung

Mit „Der Junge von Damals“ kann Kay One uns nur bedingt überzeugen. Zu wenig von seinem Talent als Rapper zeigt er auf seinem neusten Album, auch die teils recht kitschig geratenen Pop-Songs kratzen am Gesamteindruck.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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