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Die Meinung der Redaktion zu Genetikks „Fukk Genetikk“

Knapp eineinhalb Jahre ließen sich Genetikk nach dem Album „Achter Tag“ Zeit, um einen Nachfolger unters Volk zu bringen. Als musikalisches Duo vor Rund fünf Jahren in Saarbrücken gestartet, ist das Projekt Genetikk mittlerweile zu einem Künstlerkollektiv gereift, von den Beats bis hin zum Artwork entsteht alles in kompletter Eigenarbeit. So auch auf dem mittlerweile fünften Album der Crew, „Fukk Genetikk“. Nachdem auf dem letzten Werk besonders Referenzen aus Asien zu finden waren, begibt sich Frontmann Karuzo lyrisch jetzt in die Länder Südamerikas. Als Gäste haben sie sich Ant vom New Yorker ASAP Mob und Joy Denalane geladen. Wir haben uns das neue Album der Selfmade-Crew angehört.

Genetikk – „Fukk Genetikk“ kaufen

 

 

Das sagt die BACKSPIN Gang!
  • 5/10
    Daniel: "Genetikk scheinen langsam ihren Zenit zu überschreiten. Nachdem 'Achter Tag' bereits leichte Abnutzungsmerkmale erkennen ließ, schwächeln die Saarbrückener auf 'Fukk Genetikk' zunehmend. Während Karuzo weiter seine gespaltene Linie zwischen Weltverbesserer und reichem Gigolo fährt, fehlt es selbst Sikk dieses Mal an dem nötigen Beat-Fundament um seinen Partner aufzufangen. Doch es gibt noch Hoffnung: In einigen lichten Momenten zeigen Karuzo und Sikk ihre noch vorhandenen Stärken und zaubern wahre Bretter hin, allen Voran der Gänsehaut-Track 'Luzifer'. Alles in allem leider zu wenig, um von einem guten Album zu sprechen zu können: Hier wäre deutlich mehr drin gewesen." - 5/10
  • 9/10
    David: "Mit 'Fukk Genetikk' haben Karuzo und Sikk nicht zu viel versprochen. Meiner Meinung nach ihr bis dato bestes Album. Beim Hören kommt wieder dieses unbeschwerte Gefühl durch, dass sie auch wirklich nur das machen worauf sie Bock haben und sich wieder komplett ausleben. Hat mir zuletzt bei 'Achter Tag' etwas gefehlt. Außerdem gefällt mir der Sound, der sich irgendwo zwischen einer sehr samplelastigen aber dennoch trapartigen Produktion bewegt, sehr gut. Auch Karuzos verschiedene Flowvariationen wirken sehr erfrischend. Im Zusammenspiel erzeugt das einen einzigartigen Klangkosmos, den man schwer erfassen kann. Mit dem Album hat Genetikk auf jeden Fall abgeliefert!" - 9/10
  • 6/10
    Peter: "Ich werde mir nicht ganz einig bei dem neuesten Release der Gruppe aus Saarbrücken. Das gesamte Album ist etwas fade, ohne besondere Highlights. So wird der unaufgeregte, homogenen Sound des Releases zum Eigentor. Inhaltlich balanciert Karuzo zwischen seinem Lifestyle als erfolgreicher Rapstar und als armes Kind der Favelas, das gerne den Konsum und die Werte des Westens kritisiert. Klingt komisch, im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der anderen Seiten sind die Produktionen bärenstark und das gesamte Werk kommt mit ein eigenen Attitüde daher, die aber elegant an mir vorbeidriftet." - 6/10
  • 7/10
    Yannick W.: "So ganz genau kann ich gar nicht erklären, was mir bei Genetikk fehlt. Im Vergleich zum Vorgänger, der mir zu gekünstelt daherkam, macht 'Fukk' ziemlich viel richtig, besinnt sich über weite Strecken auf das gute Sample-Gespür Sikks, der Bretter für die lupenreinen Flow-Abfahrten seines Partners maßschneidert. Thematisch ist mir das Album allerdings wieder etwas zu sprunghaft, es wirkt befremdlich, wenn Karuzo wenige Minuten nach Kapitalismuskritik und Anti-Amerikanismus von der Jagd nach 'Toten Präsidenten' rappt. Sieht man darüber hinweg, bekommt man mit dem neuen Werk allerdings ein ziemlich starkes Album, das mich einfach nur nicht mehr so richtig catchen will, den schwächeren Vorgänger allerdings in vielerlei Hinsicht zu übertreffen weiß." - 7/10
  • 8/10
    Niko: "Ich bin mir grad nicht sicher, ob es ein generelles Bashing ist, was in der Szene passiert, aber es wirkt schon ein wenig verwunderlich, wenn Acts für das, was sie irgendwie schon immer gemacht haben, auf einmal abgestraft werden. Das passiert offensichtlich auch mit Genetikk. Hat es sich überladen, oft mit ähnlichen Elementen zu arbeiten? Oder ist das Album hier einfach nur ein echt gutes 'Zurück-zu-den-Wurzeln'? Für mich eher Zweiteres. Denn die gefühlsschwangere Atmosphäre des Andersartigen gab es schon immer, was nix daran ändert, dass der Sound weniger experimentell klingt, und man als "Fan" wieder das bekommt, was man liebt: Genetikk 1.0. Und mir ist das lieber." - 8/10
  • 7/10
    Raphael: "Auf 'Fukk Genetikk' bringen die Saarländer Schizophrenie des Genres auf den Punkt. Zwischen Ghetto-Romantisierung und überschwänglichem Protzen, zwischen Mittelfinger gegen Eliten obwohl sie selbst längst erfolgreich sind. Aber dieses Zerrissene begegnet uns auf groß produziertem Sound, der dem Album einen roten Faden gibt. Trotzdem kriegen sie mich nicht ganz auf ihre Seite." - 7/10
  • 6/10
    Niels: "Eigentlich verkörpern Genetikk eine Menge von dem, was ich prinzipiell erstmal zweifelslos als gut erachte: Ein gewisses Gespür für Ästhetik, stimmige Produktion und eine ordentliche Portion ‚Fuck-You-Attitüde‘. Dennoch kann ich dem neuen Album - ähnlich wie schon bei 'Achter Tag' - insgesamt verhältnismäßig wenig abgewinnen. Zwar kann ich musikalisch nicht wirklich meckern, dennoch wirken auf mich diese Phrasen und collagenartigen Texte oft einfach zu willkürlich, als dass ich in ihnen einen riesengroßen Sinn ausfindig machen kann. Wo wir zu meinem größten Problem mit der Musik der beiden kommen: Ich möchte einfach in wenigen Sätzen beschreiben können, was mich an einem Künstler begeistert und mir darüberhinaus klar darüber sein, welche Ansichten dieser vertritt. Bei Genetikk fällt mir das allerdings schwer. Doch vielleicht ist das auch genau, was sie ausmacht." - 6/10
  • 7/10
    Anna G.: "Auf 'Fukk Genetikk' gibt es viele kleine Details die extrem gut gemacht sind. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Der Acapella-Part auf dem Titeltrack, die Thematik von 'Diamant' und die portugiesischen Parts auf 'Mata Cobra'. Oder auch, dass jeder Track durch das Outro eine zusätzliche musikalische Ebene erhält. In meinen Augen ist Karuzo ein sehr starker Rapper und Genetikk liefert ein kunstvolles Gesamtprodukt. Hier liegt aber auch mein Kritikpunkt, denn für mich klingt der Sound stellenweise zu konstruiert, ja fast zu perfekt. Grundsätzlich ist Perfektion natürlich nichts Schlechtes. Aber vor allem verbunden mit dieser 'Uns ist alles egal‘-Attitüde, kommt mir die Musik stellenweise gewollt vor. 'Fukk Genetikk' kling für mich auf jeden Fall mehr nach perfekt durchgeplant, als nach 'Wir wollten uns keine Mühe gegeben'. Mein Favorit: Ganz klar 'Diamant'. Ich glaube, das war der einzige Track der mich wirklich berührt hat. - 7/10
  • 9/10
    Yannick H.: "Stellt für mich mit Blick auf Vorgänger 'Achter Tag' eine wahre Leistungsexplosion dar. Karuzo übt Kritik an Uncle Sam, an der Amerikanisierung an sich, Ausrottung der Indianer, größenwahnsinnigen Konsumwahn, ohne sich dabei selbst von diesen höchst zweifelhaften Idealen freizumachen. Entweder wird der musikalische Zeigefinger erhoben, oder die 'No Fuck'-Attitüde herausposaunt. Was sich schnell abnutzen kann und in Eintönigkeit verfällt, wird durch den Soundteppich von Sikk zu einer unterhaltsamen, 16 Anspielstationen andauernden Reise durch die Ansichten von Genetikk. Eastcoast-Einflüsse sind weiterhin nicht von der Hand zu weisen, jedoch wird dieser Pfad immer öfter verlassen. Auf 'Fukk Genetikk' sieht sich der Hörer einem gelungenem Wechselspiel zwischen Aussage und Delivery ausgesetzt, das über weite Teile gelingt und mir den Spaß an dem Saarbrückener Rap-Duo zurückgebracht hat." - 9/10
  • 7/10
    Anna S: "'Fukk Genetikk‘ klingt von Kopf bis Fuß durchgestylt. Trotz der unterschiedlichen Beats, liefert Sikk einen stilvollen Soundkosmos, der ebenso wie Karuzos markante Stimme den Wiedererkennungswert der Crew liefert. Seit ihrem ersten Album schaffen es Genetikk sich mit dem jeweiligen Nachfolger stets weiterzuentwickeln und ihren prägnanten Stil weiter auszubauen. 'Fukk Genetikk' ist in meinen Ohren nun stilistisch sehr nah am Vorgängeralbum – Kann aber ein paar Akzente setzen, wie zum Beispiel mit dem Storyteller 'Diamat' oder der Nirvana-Hommage 'Teen Spirit'. - 7/10
  • 7/10
    Shana: "Fukk Genetikk hat bei mir eine Weile gebraucht. Zu Zeiten von 'Foetus' und 'Voodoozirkus' war ich großer Fan. Das ganze Drumherum um die Marke Genetikk ist mir mittlerweile zu viel. Reduziert man das ganze aber auf das, worum es geht, nämlich Musik, hält man dennoch ein gutes bis überdurchschnittlich gutes Album. Das US-Feature finde ich auch eher überflüssig als alles andere, aber das nur als winzige Anmerkung." - 7/10
7.1/10

Kurzfassung

Zum fünften Album von Genetikk gehen unsere Meinungen teils ziemlich auseinander. Während die einen in der stilistischen Rückbesinnung eine der besten Projekte der Saarbrückener sehen, stoßen sich andere besonders an dem Spagat zwischen Zeigefinder- und Mittelfingerrap.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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