Die Meinung der Redaktion zu „Epic“ von Fler und Jalil

Mache es vor „Vibe“ zuerst noch den Anschein, Fler würde sich für kommende Projekte etwas mehr Zeit nehmen, als man es in den letzten Jahren von ihm gewohnt war. Am Ende brauchten die Anhänger dennoch wenig Geduld in Sachen Musik vom arbeitswütigsten Ex-Aggro Berliner. Denn gemeinsam mit seinem alten Weggefährten und mittlerweile Signing Jalil sollte die Reihe „Südberlin Maskulin“ in die dritte Runde geführt werden. Doch wie man es von Fler kennt, blieb es nicht lange beim Titel, schließlich einigte man sich auf „Epic“ – unter anderem, da es für die Änderung in den Titel „Future“ irgendwann doch zu spät war. Mit Unterstützung von Remoe und Newcomer Mortel predigt das Berliner Duo über 17 Titel den dekadenten Lifestyle den man sich als Maskulin-Rapper so erlaubt. Ob die Kollabo damit an das zurückliegende Erfolgsalbum des Labelchefs anschließen kann, haben wir besprochen. 

Fler & Jalil – „Epic“ kaufen

oder reinhören:

 

 

 

 
Das sagt die BACKSPIN Gang!!
  • 7/10
    Shana: "Ich war wirklich noch nie großer Fan von Fler, aber langsam finden auch wir zusammen. 'Vibe' hat mich schon gecatcht und 'Epic' wurde stilistisch gleich fortgeführt. Auch Jalil finde ich auf der Platte sehr stark, ehrlich gesagt taugt er mir sogar noch ein klein bisschen mehr als Fler. Alles in allem liefern beide super solide ab und das Ding ist richtig rund geworden und Dauergast in meiner Playlist. Highlight ist übrigens 'Slowmotion'." - 7/10
  • 8/10
    Hanna: "Frank White hat mit 'Epic' eine heftige Entwicklung hingelegt. Er disst niemanden mehr 'wegen seinem Standing' und sein Rap Style hat sich komplett geändert. Gefällt mir sehr gut. Vor allem besser als der alte Fler. Lyrisch gesehen hat er eine sehr breite Range, flowtechnisch hingegen ist 'Epic' eher eintönig. Wichtig finde ich Jalil auf dem Album, der meiner Meinung nach um einiges besser flowen kann. Definitiv clubtaugliche Tracks und dem derzeitigen Ami-Rap sehr ähnlich. Gut zu wissen, das ein Deutschrap Urgestein wie Fler den Trend verstanden hat. Immer noch ausbaufähig und auf Jalil sollte man denke ich wirklich in der nächsten Zeit aufpassen, denn er hat seinen Vibe gefunden. Angenehme Stimme, Top Flow und lyrisch sehr stark." - 8/10
  • 5/10
    Elias: "Beim Sound hat sich seit 'Vibe' nicht viel getan wie ich finde, außer das es nun ein Kollabo-Album mit Jalil ist. Ehrlich gesagt, kann ich mit Beiden nicht (mehr) viel anfangen. Fler fand ich früher mal ganz in Ordnung, als er noch zusammen mit Bushido unterwegs war oder bei Aggro seine Sachen gemacht hat. Jalil kannte ich vorher nur vom Namen, was mich nach dem hören des Albums nicht gewundert hat. Was ich gut finde ist, dass sie einen eigenen Sound haben. Ohne wirklich fundiertes Wissen über Jalil zu haben, würde ich allerdings sagen, dass dieser eher von Fler aus geht. Die Art wie die Beiden rappen, finde ich mittelmäßig und ist nicht wirklich meins. Auch Trap ist und bleibt nicht meins Trotzdem verstehe ich was die Fans der beiden, an ihnen haben und objektiv ist das Album alles andere als schlecht. Die Ein bis zwei Tracks waren auf jeden Fall drauf, die ich gut fand." - 5/10
  • 9/10
    Marvin: "Es fällt einem natürlich immer schwer, jemanden zu loben, der sich selber schon in sämtlichen Interviews zum Besten krönt. Aber getreu dem Sprichwort 'Ehre wem Ehre gebührt' muss man da manchmal mitschwimmen. Ich finde es beachtlich, wie Fler in den letzten Jahren vom vielgehassten Ghettojungen zum Künstler avanciert ist, der mal eben seinen Beef mit Farid Bang aus der Welt schafft. Hätte man das im Jahr 2013 gelesen, wäre man für verrückt erklärt worden. Das offene Zugeben von Ghostwriting, um dem Konsumenten das bestmögliche Produkt zu kredenzen. Viel reflektierter und reifer geht er an Interviews, Beefs und Tracks ran, was man eben auch merkt. Auch Jalil, den ich vorher, wie viele andere auch, in die Sidekick-Rolle gedrängt habe, zeigt, dass er sich hinter niemanden verstecken muss (kann). Auf vielen Tracks sticht er Fler durch seine Flows, Texte und die brachiale Stimme aus, was ich so nicht erwartet hätte. Im Vorfeld wurde ja viel vom futuristischen Sound und der neuen Herangehensweise gesprochen. Anfangs für mich nur leeres Gerede, doch ich muss ehrlich sagen, dass die beiden einfach abgeliefert haben. Nebst der Afrotrap-Überschwemmung haben die Beiden sich eine Rettungsboot gebastelt, was für mich einfach besser klingt, als das was sonst momentan veröffentlicht wird. Egal wie unsympathisch oder abgehoben er in Interviews für viele wirkt: Nach dem Album weiß man, dass es keine Arroganz war, die da aus ihm sprach, sondern einfach die Überzeugtheit, ein sehr starkes Produkt abgeliefert zu haben. Auch die raren Features, gerade Mortel, geben einigen Songs einfach noch das gewisse Etwas. Insgesamt sind die beiden für mich in Punkto Herangehens- und Arbeitsweise, Sound und Attitüde einfach die Nummer Eins in Deutschland. Ich hoffe inständig, dass viele Rapper sich davon inspirieren lassen, und das Deutsche Publikum weg von dieser alten Versteiftheit, die Fler so oft anprangert, hin zum Konsumverhalten der Amerikaner wechselt (zumindest was Rap angeht). Für mich bisher das beste Deutschrap Album dieses Jahr." - 9/10
  • 7/10
    Peter: "Trotz vieler Auskopplungen überraschte mich ‚Epic‘ doch noch: Das Album ist noch minimalistischer und punktierter als ich erwartet hatte. Vorallem Jalils Parts sind eine angenehme Abwechslung, die meistens dann einsetzen, wenn sein Labelchef kurz davor ist sich inhaltlich und musikalisch in eine Sackgasse zu verlaufen. Hatte ‚Vibe‘ für meinen Geschmack stärkere Videoauskopplungen, geht mir ‚Epic’auf Albumlänge angenehmer ins Ohr, trotz der Überlänge von 17 Tracks und der meiner Meinung nach schwächeren zweite Hälfte der Kollabo. Allerdings ist dieses Release nicht 'Vibe 2.0', weder musikalisch noch dramaturgisch bezogen auf die Karriere des Berliners, sondern ein weiterer nötiger Schritt sein aktuelles Standing zu festigen." - 7/10
  • 8/10
    Jakob: "Flers Aussage, dass 'Epic' das coolste deutsche Produkt des Jahres ist, könnte ich so unterschreiben. Coole, aber auch smoothe Beats, die man in Deutschland vergeblich sucht. Soundtechnisch haben Fler und Jalil und seine Producer meiner Meinung nach auf jeden Fall neue Maßstäbe gesetzt. Auch wenn die Beats überhaupt nicht voll gepackt sind, sondern eher minimalistisch gehalten sind und mal mit einem Sample rumkommen, geht es mir wunderbar ins Ohr rein. Rap- und textmäßig kann mich das meiste auch überzeugen, sonderlich überraschen tut es mich aber irgendwie nicht, zumindest bei Fler. Was Fler und Jalil wunderbar umsetzen konnten, ist es, eine gewisse Straßenmelancholie in ihre Songs einzubauen, die einem viel Atmosphäre verschaffen. Aber gerade rapmäßig finde ich, dass Fler neben Jalil etwas untergeht, auch wenn viele das anfangs nicht erwartet hätten. Bei den ersten Auskopplungen zeigte sich bei mir aber recht schnell, dass Fler auf jeden Fall noch eine Schippe drauflegen müsste. Das hat er meiner Meinung nach nicht wirklich getan, denn jeder Jalil Part stiehlt Fler die Show. Gerade flow- und stimmmäßig flasht mich ein Jalil viel mehr als ein Fler. Einige Tracks hätten sich die Beiden sparen können, einen Song wie 'Slowmotion' kann ich nach wie vor nicht hören und auch mit 'On/Off Beziehung' werde ich nie etwas anfangen können. Die gut gewählten Featuregäste geben der Platte noch eine gewisse Essenz dazu, die das Album noch einmal bereichern. Alles in allem aber ein Top-Album, indem Jalil meines Erachtens an seinem Ziehvater vorbeizieht. Aber im Endeffekt muss sich auch Fler nicht verstecken, jegliche Kritik basiert hier auf sehr hohem Niveau, auch wenn ich Flers Musik persönlich nie wirklich gefeiert habe." - 8/10
  • 7/10
    Yannick: "Cool in Zweierlei Hinsicht. Zum einen präsentieren sich Jalil und Fler 'Epic' auf eine verdammt freshe Art, schaffen halt einen Vibe, zum anderen ist der Sound über die gesamte Spielzeit wahnsinnig unterkühlt. Die Produktion fällt reduziert aus, mutet irgendwie plastisch an und hat durch die Sample-Wahl dennoch einen gewissen Charme. Dass man allerdings kaum Ausbrüche aus diesem Soundbild vorfindet, kann 'Epic' auch anstrengend bzw. sogar ein wenig langweilig machen. Da hat der Kollege Ahzumjot im Frühjahr ein wenig interessanter gezeigt, wie man düsteren Minimal-Trap mit einem organischen Vibe umsetzten kann. Aber das ist am Ende auch meckern auf einem sehr hohen Niveau, denn um es auf den Punkt zu bringen: Vor 'Vibe' braucht sich 'Epic' auf keinen Fall verstecken – gerade weil auch Jalil abliefert, wie noch nie zuvor in seiner Karriere und damit sogar seinen Maskulin-Partner immer wieder an die Wand flowt." - 7/10
7.3/10

Kurzfassung

Mit „Epic“ können Fler und Jalil an die Qualität des Vorgängers „Vibe“ anschließen, ermüden allerdings stellenweise durch die recht einheitliche Produktionen auf der Kollaboration-LP.

The following two tabs change content below.
Ich kann quasi nur über Musik reden...
Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.