Die Macher von „Familiye” und Moritz Bleibtreu über ihren Kinofilm, Kritik und Xatar

Kubilay Sarikaya und Sedat Kirtan kommen aus Berlin-Spandau und haben ihren ersten Kinofilm gedreht. „Familiye“ erzählt die Geschichte dreier ungleicher Brüder, die zwischen Gewalt, Liebe, Kriminalität, Fürsorge, Drogen und Hoffnung stets um Anerkennung und Zusammenhalt in ihrem Viertel kämpfen. Moritz Bleibtreu, der Co-Produzent des Films, hatte sich auch noch spontan zum Interview mit den Jungs dazu gesetzt.

Woher kennt ihr euch und was war euer Antrieb am Anfang mit so gut wie keinen Mitteln diesen Kino-Film zu machen?

Kubilay: Wir beide haben uns 2004 aus familiären Gründen kennengelernt. Also mein Cousin ist sein Schwager. Wir haben uns dann 2006 entschlossen das Drehbuch zu entwickeln, das wir dann 2010 mit dem Piloten „Verzzokkt“, welchen wir in einem kleinen bescheidenden Kino gezeigt haben, abgeschlossen haben. Danach haben wir zwei Jahre gebraucht einen Finanzierer zu finden und das Drehbuch für „Familiye“ zu schreiben.

War das am Anfang nur ein Hobbyprojekt oder wusstet ihr das ihr damit in die Kinos wollt?

Kubilay: Direkt durchstarten. Also wir beide arbeiten immer noch jeder nebenher in seiner Branche, aber wir haben das von Anfang an mit voller Leidenschaft durchgezogen. Wir wollten das Ganze schon cineastisch an den Mann bringen.

Als ich den Trailer gesehen habe, musste ich direkt an „Hass – La Haine“ aufgrund  der Thematik und der Schwarz/Weiß Optik denken. Welche Filme haben euch für „Familiye“ inspiriert?

Kubilay: „La Haine“ auf jeden Fall. Wir sind aber auch große Fans von deutschen Autoren-Kinomachern wie Wim Wenders. Generell sind wir schon sehr sozialkritisch angehaucht, wir wollten also nicht nur einfach ins Kino, sondern da steckt auch schon eine Portion Sozialkritik hinter.

 

Hip-Hop muss sich aufgrund seiner Popularität in letzter Zeit immer Leuten von Außen erklären, da man nicht richtig verstanden wird. Ihr habt euren Film schon auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg gezeigt. Was für ein Feedback habt ihr bisher bekommen? Insbesondere von Menschen die nicht von der Strasse kommen?

Kubilay: Das Feedback war durchweg positiv. Das war auch der Grundgedanke, dass wir den Film sehr nah am Menschen drehen. Klar, wird die Straße gezeigt. Klar, es werden kriminelle Handlungen gezeigt. Und trotzdem geht es um die Geschichte einer Familie, um die Zerrissenheit dreier Brüder und das ist tatsächlich emotional sehr gut angekommen. Uns haben Menschen gegrüßt und gratuliert, die uns jetzt auf der Straße normalerweise nicht gegrüßt hätten. Die haben sich bedankt und fanden es klasse, dass wir es geschafft haben so einen emotionalen Film zu machen. Wir haben davon natürlich immer geträumt. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir einen Film nicht nur für die „Kanacken“ oder für die Hip-Hopper machen, sondern wirklich für ganz Deutschland. Es geht eigentlich jeden etwas an, der etwas von dem Wort Familie hält.

Ihr sagt, dass der Film „Von der Strasse, für die Strasse, mit der Strasse“ ist. War es euch wichtig eine politische Botschaft mit dem Film nach Außen zu vermitteln oder wolltet ihr nur eure Realität darstellen?

Kubilay: Also wir wollten ein bisschen auf unseren Kiez aufmerksam machen und auf die Menschen, die in den Massenmedien immer direkt so verurteil werden. Wir wollten die Leute authentisch darstellen mit ihren kleinen Geschichten, da diese normalerweise so nicht gezeigt werden. Also zu 33% ist auf jeden Fall eine politische Aussage drinnen.

In dem Film spielt unter anderem Xatar mit. Wie habt ihr ihn für den Film gewonnen?

Kubilay: Wir haben ihm den Trailer von „Verzzokkt“ damals geschickt und danach hat er sich direkt bei uns gemeldet. Er kam nach Berlin und dann haben wir uns entschieden, dass er auch im Film mitmachen soll und ihm die Rolle des Bäckers gegeben. Also kein Gangster oder irgendein Klischee. Er spielt einen ganz einfachen Menschen.

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