Die Hohe Fünf zum Preis für Popkultur

In genau einer Woche geht der Preis für Popkultur in die dritte Runde. Dabei werden Künstler für ihre musikalischen Projekte, z.B.  Lieder, Alben, Videos oder Live-Performances, ausgezeichnet. Dabei hat der Preis etwas andere Voting-Verfahren, als man das aus der Industrie gewohnt ist. Außerdem gibt es auch Kategorien für Newcomer, Kampagnen oder für die schönste Geschichte. Deswegen hat Tobias Zumak von Four Music uns fünf Fragen zu dem Preis beantwortet. 

Was waren die ausschlaggebendsten Punkte für die Einführung des Preises?

Die Grundidee war, dass es in Deutschland keinen Preis gab, der die gesamte Branche abbildete und für dessen Verleihung kommerzieller Erfolg irrelevant ist. Wir möchten  Verdienste und Leistungen in verschiedenen Bereichen der Popkultur auszeichnen, die kreativ herausragend waren, wenn auch nicht immer kommerziell erfolgreich. Die Kunst, und nicht deren Vermarktung soll im Mittelpunkt stehen.

Wie läuft das Voting-Verfahren ab? Können auch Unbeteiligte daran teilnehmen?

Wir haben aktuell knapp 800 Mitglieder, die nominieren und abstimmen dürfen. Jeder, der sich beruflich im weitesten Sinne mit Musik befasst, ist willkommen und kann sich um Aufnahme in den Verein bemühen. Uns ist es wichtig, den gesamten Kulturbetrieb in Deutschland abzubilden, wir freuen uns über aktive Teilhabe. Etwa drei Monate vor der Verleihung beginnt die erste Phase: In der Nominierungsphase nennen uns die Mitglieder des Vereins ihre Favoriten. Diese werden sortiert und kategorisiert. In der folgenden Votingphase 1 wird zum ersten Mal abgestimmt, wer weiter kommt. In der Votingphase 2 sind dann noch fünf Nominierte übrig, unter denen ein weiteres Mal abgestimmt wird. Nach dieser Phase steht der Gewinner fest, der bis zur Verleihung geheim bleibt.

Welche Rolle spielt die Abschaffung des ECHOs beim Preis für Popkultur?

Wir haben uns nie als Konkurrenz zum ECHO verstanden. Wir sind ein eigenständiger, unabhängiger Jurypreis. Für uns war und ist immer wichtig, dass künstlerische Leistung nicht an Streams, Clicks, Verkaufszahlen oder ähnlichem gemessen werden kann. Wir möchten nicht den wirtschaftlichen Aspekt einer Musikkarriere in den Mittelpunkt stellen, sondern das Kreative. Wir möchten nicht nur die kommerzielle Spitze abbilden.

Man hat das Gefühl unter den Nominierten immer wieder auf dieselben Namen zu stoßen. Wird tatsächlich die gesamte Vielfalt der Popmusik beim Preis repräsentiert?

Demokratie ist anstrengend. Nicht irgendein Vorstand in irgendeinem abgehobenen Glaspalast bestimmt die Gewinner, sondern eben unsere Mitglieder. Wir haben somit eine rund 800-köpfige Jury. Wir sind offen für mehr Vielfalt. Das Voting-System ist so aufgebaut, dass diese Vielfalt über unsere Mitglieder kommen muss. Also ganz konkret: Wem Vielfalt bei den Nominierten fehlt, der sollte Mitglied werden, nominieren und abstimmen. So haben alle Einfluss auf die Ergebnisse.

CaspersLang lebe der Tod“ wurde in zwei Jahren hintereinander in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet: Lieblingslied (2016) und Lieblingsvideo (2017)

Gibt es klare Pläne oder Ideen für die Zukunft, um den Preis interessanter zu gestalten oder ihm zu weiterer Popularität zu verhelfen?

Wir stecken jetzt gerade in der Vorbereitung der Verleihung, aber der Blick geht natürlich auch auf die Zeit danach. Wir haben uns bewusst Verein zur Förderung der Popkultur genannt; neben der Gala wollen wir das Engagement ausweiten und zur Bildung von Netzwerken beitragen sowie Förderungs- und Bildungsangebote erarbeiten. Beim Reeperbahn Festival haben wir zum Beispiel ein Speedmeeting für Frauen in der Musikbranche und einen Education Day abgehalten. Das wollen wir ausbauen. Außerdem ist eine offene Diskussion über das Voting-Verfahren gewünscht, um hier noch mehr Transparenz in die Entscheidungsfindung zu bringen. Wir sind ein noch junger Verein und wollen offen mit Kritik und Ideen umgehen.

 

Die Preisverleihung findet am 18. Oktober in Berlin statt. Nominierte aus der Rapszene sind unter anderem  Haiyti, Casper, Trettmann, K.I.Z., Feine Sahne Fischfilet und Visa Vie. Weitere Infos zu den Show-Acts und eine Auflistung aller Nominierten findet ihr hier. 

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