Staiger als Stadtführer: Deezer mit Hip-Hop Route durch Berlin

Marcus Staiger hat auf Deezer eine Playlist erstellt. So weit, so unspektakulär. Allerdings handelt es sich dabei um eine Playlist, die dich mitten in Berlin zu den wichtigsten Orten der hauptstädtischen Hip-Hop Kultur führt. Und dafür gibt es keinen geeigneteren als den ehemaligen Labelboss von Royal Bunker. Während du in Kreuzberg raddelst und Songs aus früheren Zeiten hörst, erklärt dir Staiger in bester Hörbuch-Manier, welche Orte früher Sido, Bushido oder Fler geprägt haben und die Hip-Hop Kultur ausmachten. Wir haben mit ihm ein kurzes Interview geführt.

Die hohe Fünf mit Marcus Staiger

1. Was war deine erste Reaktion als Deezer auf dich mit der Idee zukam?

Ich habe mich mit Personen besprochen und die haben mich gefragt, ob das jetzt rüberkommen würde wie „abgehalfterter ehemals Label-Besitzer macht jetzt Stadtführungstour“. Ist das cool oder ist das nicht cool? Dann hat aber die Person gesagt, dass ich das okay finde und das ich auf jeden Fall ein Repräsentant der Berliner Hip-Hop Szene bin von dem man sich gerne was erzählen lassen würde. Vielleicht wollte mir die Person auch nur schmeicheln. Da ich ja auch versucht habe aktuelle politische Geschehnisse wie Stadtentwicklung, Politik und Gentrifizierung da so ein bisschen mit reinzubringen, denke ich auch, dass ich eine gute Person dafür bin.

2. Fiel es dir leichter die Musik oder die Orte rauszusuchen?

Die Musik ist hauptsächlich von Deezer ausgesucht worden und die Orte waren teilweise Vorschläge, die ich dann ergänzt habe. Die Texte zu den verschiedenen Orten habe ich mir aber selber überlegt. Es kommt natürlich auch immer ein bisschen drauf an, welche Orte überhaupt noch existieren, denn viele von den Orten gibt es so heute nicht mehr wie zum Beispiel der Corner an der Friedrichstraße.

3. Was denkst du macht die Berliner Rapszene heute aus?

Was die Berliner Szene früher ausgemacht hat, war die absolute Randlage, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Die Plattenfirmen saßen ja nicht in Berlin. Was Berlin heute ist, Medienhauptstadt mit allen großen Labels und Werbeagenturen, das war ja früher nicht. Die Plattenfirmen saßen in Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart. Und deswegen war es auch halt ganz cool hier eine Independent-Schiene aufzubauen. In Hamburg waren große Plattenlabels und da hatte die Hip-Hop Szene relativ schnell Zugang und es wurde auch relativ schnell professionalisiert. Davon hat Berlin immer geträumt, aber niemand kam außer Def Jam Germany mit Pyranja und Spezializtz. Die anderen waren halt auf sich alleine gestellt. Das hat sich natürlich grundlegend verändert.

Heute hat natürlich jeder der in Berlin anfängt, wenn ich jetzt zum Beispiel an Luciano denke, sofort einen Kontakt zu einem Major-Label. Teilweise aus persönlichen Connections, weil man sich zufällig im Club getroffen hat. Und das gab es zum Beispiel früher überhaupt nicht. Da war man früher komischerweise der Außenseiter. Und natürlich gab es früher noch die anderen Elemente neben Rap mit Breakdance und Graffiti. Das gehörte früher noch alles zusammen, aber heute ist das natürlich nicht mehr so. Maximal bist du heute vielleicht noch Sprayer wie Ufo361.

4. Bagdads Backwaren hat seinen Namen geändert. Rap am Mittwoch wird es in Zukunft so nicht mehr geben. Welche Veränderung in Berlin bedauerst du am meisten?

Was ich richtig bedauere ist das Verschwinden von Streetart und Graffiti-Cornern. Das ist irgendwie die krasseste Sache, dass diese Orte einfach verschwinden und das alles irgendwie reiner und steriler wird. Es gibt natürlich immer noch eine große Bombing-Szene und Kids, die da aktiv sind, aber ich glaube, dass da viel kaputt gemacht wurde. Die Hall of Fame existiert zum Beispiel nicht mehr. Natürlich hat sich aber auch die Menge an alternativen Örtlichkeiten verringert, weil halt doch immer alles teurer und professioneller wird.

5. Kannst du dir vorstellen selber irgendwann Stadttouren in Berlin zu geben?

Das Lustige ist ja, dass ich früher, als ich den Royal Bunker gemacht habe, auch tagsüber als Stadtführer gearbeitet habe. Ich bin dann immer nach der Schicht dort direkt aus dem Bus in den Royal Bunker gegangen, um die Open Mic Veranstaltung zu leiten. Insofern mag ich es natürlich Stadtrundgänge zu machen. Ich hab neulich mit Schülern von meiner Schwester, die Lehrerin in Baden-Württemberg ist, die hier waren, einen Hip-Hop Stadtrundgang gemacht. Wir sind auch im Prinzip die selben Stationen abgelaufen und das war auch ganz lustig, aber ich kann mir das jetzt nicht vorstellen, dass ich sowas mache.

Eine Zeit lang gab es hier mal die Fritz Music Tours und da dachte ich es wäre geil sowas mit Hip-Hop zumachen, weil ich weiß ja das andere Leute, die von Außerhalb kommen, diese Orte ganz mystisch aufladen. Das kennen die dann aus den Videos und finden das dann voll geil sowas mal in echt zu sehen. Aber das ist halt auch in sofern vorbei, weil es die Orte in der Form nicht mehr gibt. Da stehst du dann vor irgendwelchen Häusern und sagst dann: „Und hier war früher, ganz früher, das müsst ihr euch jetzt vorstellen…“. Das ist natürlich auch Quatsch. Auch mit Fotos ist das schwer zu rekreieren , denn damals wussten wir ja gar nicht, dass wir mit Royal Bunker Geschichte schreiben. Insofern haben wir sehr wenig dokumentiert.

Hier gehts zur Playlist:

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