Die hohe Fünf mit: Eloquent und I.L.L Will (aus BACKSPIN MAG #116)

Eloquent, I.L.L. Will, ihr habt im Herbst 2014 euer Album „Skizzen in Grau“ veröffentlicht. Davor gab es von euch bereits „Skizzen in Blau“. War die Fortsetzung für euch zwangsläufig?

I.L.L. Will: Das kam eher aus der Lust heraus, weil es mit „Skizzen in Blau“ schon so wunderbar klappte. Und mit „Skizzen in Grau“ lief es noch besser. Wir schickten uns die Songs hin und her und nach dreieinhalb Wochen war das Album im Kasten.

Eloquent: Dem kann ich noch hinzufügen, dass wir eigentlich an einem anderen Projekt gearbeitet haben. Das nennt sich „Jazz Knuckles“, da arbeiten wir mit Julian Rogers aus Berlin zusammen. Der hat allerdings parallel noch sein Soloalbum fertig gemacht, sodass er seinen Teil für unser Projekt nicht so schnell abliefern konnte. Ich hatte meinen Part allerdings schon fertig und war noch so im Modus, dass sich relativ schnell herauskristallisierte, einen Nachfolger zu „Skizzen in Blau“ aufzunehmen.

Dadurch, dass in dem Albumtitel das Wort „Skizzen“ steht, könnte, hat man die LP nicht gehört, der Eindruck entstehen, es handele sich um etwas Skizziertes, Unvollständiges. Warum habt ihr nach „Skizzen in Blau“ weiter an dem Wort im Titel festgehalten?

Eloquent: Die Titel beziehen sich unter anderem auf meine Schreibweise. Die erste Demoversion eines Songs steht bei uns jedenfalls meist ziemlich schnell. Doch dann steckt Willy noch mal eine Menge Arbeit in die Songs, sodass sie am Ende nicht wie hingerotzt klingen. Ich finde aber auch, dass ein Rapsong nicht notwendigerweise einen Refrain, eine Brücke sowie einen A- und B- Teil braucht. Es ist schön, wenn ein Song das hat, aber es ist für mich nicht erforderlich, um schöne Rapmusik zu machen.

I.L.L. Will: Vielleicht spielt da auch mit rein, dass ich die unfertigen Demo-Stücke „Skizzen“ nenne. Wenn ich ihn frage: „Was hältst du von dem Beat?“, dann ist der natürlich nie ganz ausgearbeitet, sondern nur eine Skizze. Ich hatte auch mal einen Ordner mit ein paar Beats aus Jux „Skizzen in Grau“ genannt – und ihm gefiel der Name.

Auf „Skizzen in Grau“ sind auf einigen Songs auch Instrumente wie eine Bass-Klarinette oder eine Querflöte live eingespielt worden. Inwiefern ist euch das für eure Musik wichtig?

I.L.L. Will: Ich lade mir schon länger Musiker ein und bitte sie, etwas zu meinen Tracks dazuzuspielen. Für mich ist das sehr wichtig. Das Instrumental bekommt so einen anderen Charakter. Das bringt einfach mehr Dynamik rein, und darauf stehe ich total.

Eloquent: Das gibt dem Track eine neue Dimension. Die ersten Sachen, die ich von Willy kenne, waren von seiner „Nicht vollständig EP“ – und da sind auch viele Gastbeiträge drauf. Deswegen war es auch mir von Anfang an wichtig, Gastmusiker dabeizuhaben. Allerdings ist das auch immer ein Balanceakt. Wird es zu viel, finde ich das schwierig. Ich liebe Livemusik. Und ich bin großer Rap-Fan – und wenn ich ein Rap-Album mache, will ich am Ende immer das Gefühl haben, dass es ein Rap- Album ist.

Für die, die „Skizzen in Grau“ noch nicht gehört haben: Wie klingt das Album?

I.L.L. Will: Es ist ein smoother, relaxter Sound. Ich glaube, bei dieser LP ist es überwiegend Jazz gewesen. Ich suche auch meistens in Jazz-Sachen. Das ist irgendwie mein Ding. Ich liebe Jazz so sehr, dass ich das auch bei meinen Hip-Hop-Sachen mit einfließen lasse.

Eloquent: Das sehe ich ähnlich. Dass wir beide Jazz sehr mögen, ist eine gute Basis der Zusammenarbeit. Wir müssen nicht lange darüber reden, in welcher Art von Musik wir nach Samples suchen. Es gibt genug Künstler, die wir beide feiern und von denen wir Platten zu Hause stehen haben. Dadurch ist es alles recht einfach und deshalb geht das auch alles so schnell.

In deinen Texten finden sich viele Battle-Rap Passagen. Hier und da streust du dann aber auch Persönliches ein. Typische persönliche Songs sucht man auf „Skizzen in Grau“ vergeblich. Warum lässt du all das zusammenfließen, anstatt daraus verschiedene Songs zu machen?

Eloquent: Das ist einfach meine Herangehensweise. Ich habe das schon bei vielen Tracks gemacht – auch welche, von denen man sagen kann, dass sie einfach nur nachdenklich sind. Mit Seelenstripease-Tracks habe ich aber so meine Probleme. Auch auf „Skizzen in Grau“ gibt es Momente, bei denen ich Bedenken hatte, ob ich das so raushauen kann. Denn das, was ich in meinem Zimmer fabriziere und das, was ich mit den Leuten teile, sind zwei verschiedene Dinge. Wenn ich ein Rap- Album höre, dann will ich geilen Rap auf geilen Beats hören. Wenn der Rapper dann noch etwas zu erzählen hat, super – aber mir ist die Musik dann doch manchmal wichtiger als der Inhalt. Ich persönlich versuche da, eine Mischung zu finden, mit der ich mich wohlfühle.

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