Die Hohe Fünf mit DJ Primetime über seinen Videomix “40 Jahre Deutschrap”

Deutschrapgeschichte

DJ Primetime ist ein passionierter DJ aus Halle (Saale). Geprägt von Old School, Classic Rap, Hip-Hop, R’N’B, 90ies und vielem mehr begann er seine Karriere 1997. Heute arbeitet er mit The Breed, Plusmacher und Issoe. Sein aktueller YouTube-Videomix „40 Jahre Deutschrap“ umfasst 300 Songs aus 40 Jahren Deutschrap-Geschichte kompakt in nur sieben Minuten.

Das anachronistische Corona-Lockdown-Projekt erschien am 5. August und erreichte bereits mehr als 70.000 Klicks auf YouTube. Die Timeline ist mit namenhaften Künstler*innen geschmückt. Unter anderem beginnt das Video mit den Fanta 4, Cora E. und Advanced Chemistry. Daraufhin verläuft es durch Songs von Aggro Berlin, Bushido, Eko Fresh, über Cro und Capital Bra bis hin zu RIN, Juju, Bausa und Ufo361. Es ist eine spannende Reise dessen Produktion mit viel Aufwand einherging. Wir haben DJ Primetime nach Genauerem über seine Compilation ausgefragt.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen so ein Video zu machen?

Es gibt ein ähnliches Video mit amerikanischem Rap. Das habe ich im März gesehen und fand es total cool. Dann dachte ich mir: “Das könnte mal einer für Deutschrap machen.” Daraufhin habe ich angefangen darüber nachzudenken, wie ich es machen würde, hab die ersten Blöcke im Kopf zusammengebastelt, angefangen zu recherchieren, alle Folgen Freestyle nochmal geschaut und dann saß ich plötzlich vor dem Rechner und war mittendrin. Ich habe seit April daran gearbeitet, als durch die Pandemie einfach Ruhe war und nichts ging. Anfang Juni war der Mix fertig. Ich habe nochmal drei Wochen für den Schnitt gebraucht und teilweise die Regisseure angeschrieben und um die Videos gebeten. Mitte Juni war ich dann fertig und habe nur noch verschlimmbessert und den Mix bis zum Release mastern lassen.

  

 

Wie hast du die Auswahl der Künstler*innen und Lieder für das Video vorgenommen?

Natürlich erstmal die relevanten Leute und Songs. In den 90ern war das noch relativ einfach, da gab es ja noch eine überschaubare Anzahl an aktiven Leuten mit Output. Ab Mitte der 2000er wurde das schon schwieriger, da das Feld immer breiter wurde. Habe mich dann natürlich auch da für die relevanteren Künstler*innen entschieden, aber trotzdem versucht, meine eigenen Favorites mit einzubauen, was leider nicht immer geklappt hat. Mir persönlich fehlen definitiv viele Leute und Songs im Mix. Ich musste einige Songs und Künstler*innen zugunsten eines dramaturgisch runden Mixes leider opfern. Maßgeblich war aber auch nicht zuletzt die Verfügbarkeit von Accapellas und Instrumentals, mit denen ich arbeiten konnte.

 

Welche Songs und Künstler*innen haben Deutschrap revolutioniert?

Advanced Chemistry, Fantas, Beginner, Kool Savas, Aggro Berlin, AON, 187 und noch viele mehr, die Deutschrap für immer eine Facette hinzugefügt haben – ob durch Sound, Rapstil oder Marketingstrategie. Trettmann und Kitschkrieg haben in den letzten Jahren für mich den größten Einfluss gehabt. Einer meiner Lieblingssongs bleibt trotzdem “Kapitel 1” von Torch. Klingt zwar abgedroschen, aber der hat mich damals sofort geflasht, als ich ihn 1997 zum ersten Mal hörte. Alles andere kam danach.

 

Wie findest du hat sich Deutschrap in den letzten 40 Jahren positiv entwickelt? Inwiefern negativ?

Positiv finde ich definitiv, dass es heutzutage leichter ist eigene Sachen zu produzieren und man als Künstler anfangs nicht mehr auf unerschwinglich teure Hardware angewiesen ist oder darauf die richtigen Leute zu kennen, um etwas zu recorden und veröffentlichen zu können. Negativ den Härtegrad der Texte, gerade bei Battles. Die Mutter von irgendjemandem wurde schon immer gefickt, aber darüber hinaus geht es mir dann teilweise doch zu weit und wird menschenverachtend, da will ich auch keine konkreten Beispiele nennen. Insgesamt freue ich mich über die Vielfalt, aus der sich jeder rauspicken kann was ihm passt.

 

Du steigst in eine Zeitmaschine, in welches Jahr(-zehnt) reist du zurück?

Definitiv in die frühen 90er und dann etwas älter sein als ich damals war. Ich bin erst 1997 in die Szene gekommen, da gab es zwar auch noch Jams, aber ich habe dann nur noch die Ausläufer der “alten Kultur” mitbekommen und genau den Umbruch erlebt, als Hip-Hop und Rap in den Medien immer präsenter und auch in Großraumdiskos immer mehr Rap gespielt wurde. Ich denke gerne an die improvisierten Parties mit DJs zurück, die jede Platte dreimal spielen mussten, weil sie eben nicht genug Platten hatten. Wo noch mittendrin gebreakt wurde und sich irgendwer das Mikro geschnappt hat und dann so lange gefreestylt hat, bis ihm das Ding abgenommen wurde.

 

Erzähl Digger, erzähl

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