Cashmo: „Alles was ich hatte, war ein Traum in einer kaputten Welt.“

Klassischerweise wird die Promophase eines Rappers mit einem Video eingeleitet. So macht es auch Cashmo. Jedoch mit einem fast 90-minütigen Video: Der Stolberger erzählt sein Leben ab seinem zehntem Geburstag im Jahr 1994. Denn in diesem Jahr wurde er mit einer Lüge konfrontiert, die hauptverantwortlich für sein Leben auf der schiefen Bahn ist. Seine Biographie dreht sich um Gewalt, Kriminalität und Musik. Bereits in seinen „echten Storys“ erzählt er die ein oder andere Anekdote aus seinem Werdegang, die er zum Teil auch in seiner Musik verarbeitet. Wir stellten Cashmo ein paar Fragen zu seiner Dokumentation.Cashmo

Die hohe Fünf mit Cashmo

1. Du läutest mit ihr deine Promophase ein: Bevor wir einen Track hören, veröffentlichst du diese Dokumentation. Warum?

Cashmo: Mir war einfach wichtig, dass die Leute erstmal wissen wer oder was Cashmo wirklich ist! Ich weiss, dass ich für viele nur dieser eine Produzent bin der für den ein oder anderen Grossen Beats oder Videos produziert hat! Ich wollte es schaffen, den Leuten zu erklären was alles hinter meinem Sound steckt – dass ich kein Image Rapper bin, dass all das was ich rappe real ist. Mit Songs ist so was heute nicht mehr möglich da jeder darüber rappt wie Street er ist. Viele Künstler schlüpfen in eine Kunstfigur sobald der Stift das Blatt berührt und genau das bin ich nicht. Die Dokumentation war für mich da der einzige Weg das zu zeigen und daher habe ich sie auch direkt zu Beginn der Promophase gebracht, damit die Leute schon ab der ersten Single die Musik und Aussagen anders und ernster wahr nehmen!

2. Was kann eine Dokumentation aussagen, was ein Song nicht kann?

Cashmo: Diese Frage erübrigt sich wenn man die Antwort bei Frage 1 liest!

3. Gab es für dich Grenzen? Also was du aus deiner Jugend erzählst und was nicht?

Cashmo: Damals habe ich noch nicht mal meinen Freunden von dem Vorfall erzählt der 1994 passierte und warum eigentlich alles so gekommen ist wie es war. Jetzt habe ich aber damit gebrochen und habe einfach alles offen gelegt, weil wenn ich den Leuten in meinen Songs erzähle: „Ich war im Heim, ich war im Knast, ich war alleine“ und so weiter, klingt das so als wäre ich vielleicht selber für diesen Werdegang verantwortlich, wie es bei vielen ist die zum Beispiel einfach angefangen haben Scheiße zu bauen, weil sie cool sein wollten! Bei mir war das aber anders, ich wurde mit zehn Jahren einfach in diese Welt geworfen und stand auf einmal ganz auf mich alleine gestellt da. Ich habe mir das nicht ausgesucht und das ist der Unterschied zu 98 Prozent der Leute aus dieser Rap Szene, die von Hustle rappen, aber sich diesen Weg aus Image Gründen ausgesucht haben.

4. Wie war es für dich selber die verschiedenen Geschichten auszuwählen? Lag dir alles noch auf der Zunge oder musstest du lange überlegen?

Cashmo: Ich habe quasi nichts ausgewählt sondern habe chronologisch die wichtigsten Elemente meines Werdegangs erzählt. Natürlich gab es mehr das geschehen ist aber das ist Stoff für meine Echten Storys,  weil bei dieser Doku zu tief ins Detail zu gehen, hätte bedeutet wir hätten 20 Teile a 90 Minuten drehen müssen. Alles was ich erlebt habe, ist in meinem Kopf eingehämmert. Das ist genau wie bei meinen Echten Storys. Ich erzähle fast jede Story One Take weil ich halt kein Schauspieler bin und mir was dazu reimen muss! Wenn du diese Dinge erlebt hast dann braucht man einfach nur davon erzählen und es wird immer authentisch rüber kommen, weil man merkt das echt ist!

5. Gewalt und Kriminalität sind ein elementares Thema des Videos. Was ist die Moral von deiner Geschichte?

Oftmals schreiben mir Fans oder junge Künstler Mails und sagen mir: „Ey Cash ich habs drauf aber keine Aufnahme Möglichkeit, daher kann ich mich nicht der Welt präsentieren.“ Dann sage ich, dass er sich dann
darum kümmern soll, dass er recorden kann! Dann sagen diese Leute: „Ja, ich habe aber keine Beats.“ Dann sage ich dann mach, dass du Beats hast. Und genau das ist die Moral von 1994! Ich hatte nichts, keinen Support, keinen Lehrer, keinen Sponsor, einfach nichts. Alles was ich hatte, war ein Traum in einer kaputten Welt. Ich habe niemanden dafür verantwortlich gemacht, dass ich nicht recorden kann oder keine Beats habe, ich habe es dann einfach geändert. Egal woher du kommst, wenn du etwas willst, dann kannst du das machen und es schaffen. Wir leben in Deutschland, mein Sprichwort ist: Geht nicht = Gibts nicht! Das ist vielleicht in einem dritte Welt Land anders, aber nicht hier. Egal woher du kommst, mach und du wirst es schaffen. Ehrgeiz, Willensstärke und Durchhaltevermögen, das ist der Weg zum Ziel und nicht dein Talent!

Passenderweise wird sein Album auch auf den Namen „1994“ hören und erscheint am 31.03.2017. Vorbestellen könnt ihr es hier.

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Moin! Aachener, der irgendwas mit Medien studiert, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und fest zu BACKSPIN gehört. Kopf ist kaputt, aber Beitrag is nice, wa.

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