Bremen Next: „Wir produzieren Sachen, die alles andere als langweilig und verstaubt sind.“

Bremen

Nicht selten werden die größten Hits aus unserer Szene, die sogenannten Radiosingles, verpönt. Es sei gar nicht erstrebenswert zwischen den großen Popstars in den größten Radiostationen unseres Landes gespielt zu werden. Denn nur wenige Radiosender bedienen die Geschmäcke des durchschnittlichen Deutschrapfans. Einer dieser Sender ist Bremen Next. Mit dem Ziel etwas innerhalb des kleinsten Bundeslandes der Republik und darüber hinaus zu bewegen, ist das Team von Felicia Reinstädt angetreten. Mehr über den jungen öffentlich-rechtlichen Sender erfahrt ihr in unserem kurzen Gespräch, das wir mit der Redaktionsleiterin und Musikchef Matthias Zähler führten.Bremen

1. Wie nehmt ihr das Wachstum und das steigende Interesse an der Deutschen Hip-Hop-Szene wahr?

Hip-Hop in Bremen oder generell in Norddeutschland hat an sich ja schon ein lange Tradition. Wir freuen uns, dass auch immer wieder neue Leute nachkommen und natürlich beobachten wir ganz  genau, was Rap-Deutschland sonst so macht. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel die Sachen von der 187 Strassenbande und Miami Yacine gefeiert, 2017 sind wir auf Nimo gespannt und was von Ace Tee noch alles kommt. Vielleicht kündigt sich da ja ein deutsches R’n’B Revival an.

2. Wie beeinflusst dieses euren Content? Wie geht ihr darauf ein?

Deutschrap ist bei Bremen NEXT natürlich ein großes Thema. Leute wie Kollegah, KC Rebell, Sido oder Eko Fresh sind bei uns im Radio und Video zu Gast. Wir haben aber auch ein Auge auf den Nachwuchs und schauen, was in der internationalen Szene abgeht. In unsere Spezialsendung „Punchline“ (jeden Mittwoch um 20 Uhr) geht’s um neuen Trends und Strömungen im Hip-Hop, wir haben aber auch ein Herz für Old School Lover. Daneben ist Bremen NEXT natürlich nicht nur Rap, wir verorten uns auch im elektronischen Bereich und spielen Drum’n‘Bass, House, Techno und artverwandte Club-Genres, die in den letzten Jahren auch immer mehr Einzug in den Hip-Hop gehalten haben.

3. Welche Grenzen, was explizite Sprache in Liedern angeht, liegen euch immer noch auf?

Wir spielen keine Tracks, die auf dem Index stehen oder zweifelsfrei homophob, frauenverachtend oder rassistisch sind. Wir haben aber durchaus Titel mit härterem Sprachgebrauch im Programm, die man bei anderen Radiosendern nicht hören kann, wie zum Beispiel Tracks von SSIO oder Hanybal. Gerade im Hip-Hop haben Lyrics ja oft mehrere Deutungsebenen. Wir hören uns alle Songs genau an und entscheiden, was wir davon vertreten können.

4. Versteht ihr die Vorurteile, die einem Sender der öffentlich-rechtlichen Anstalten, wie ihr es seid, entgegengebracht werden? Vor allem in eurer Zielgruppe von 15-25 gelten die öffentlich-rechtlichen eher als langweillig und verstaubt.

Bei Bremen NEXT sind Leute am Mikrophon, vor und hinter der Kamera, die genau Teil dieser jungen Zielgruppe sind, und produzieren Sachen, die alles andere als langweilig und verstaubt sind. Natürlich gehört bei einem öffentlich-rechtlichen Angebot auch so etwas wie ein Bildungsauftrag dazu, der muss aber nicht mit steifen Kragen und Krawatte daherkommen. Bei uns gehen Spaß und Sinnsuche Hand in Hand: Wir möchten unterhalten, aber auch informieren und gesellschaftliche Diskussionen anstoßen und aufgreifen – alles in einer Sprache und Anmutung, die zu unserem Publikum und zu uns passen.

5. Ihr seid ein sehr junger Radiosender. Was plant ihr für die Zukunft? In Zeiten von YouTube und Streamingdiensten bewerten viele die Zukunft des Mediums als kritisch.

Deshalb sind wir auch nicht nur im Radio zu Hause, sondern in allen sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube, Instagram und Snapchat. Unsere mediale Heimat ist weit gesteckt und wird mit der Zeit auch weiterwachsen. Aber natürlich wollen wir unseren Leuten nicht nur online,  sondern auch im Real Life begegnen. Am 17. März planen wir mit der Bremen NEXT Night unsere erste große Clubnacht. Mit dabei sind sieben Clubs in Bremen und Bremerhaven und über 20 DJs und Produzenten aus dem Hip-Hop, Electro- und Drum’n’Bass-Bereich, darunter bekannte Namen wie ESKEI83 oder DJ Desue. Wir freuen uns schon wahnsinnig auf das Event, denn so etwas gab es in der Region noch nie und genau dafür sind wir angetreten, hier etwas zu bewegen. [Weitere Information rund um das Event findet ihr hier.]

Bremen NEXT empfangt ihr seit neuestem auf UKW 96.7 und im Bremerhaven UKW 92.1 und im Digitalradio. Also egal ob ihr selber in der Hansestadt, an der Küste oder auch in Hamburg wohnt könnt ihr den Sender hören.

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Moin! Aachener, der irgendwas mit Medien studiert, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und fest zu BACKSPIN gehört. Kopf ist kaputt, aber Beitrag is nice, wa.

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