Die hohe Fünf mit: B-Tight (aus BACKSPIN MAG #116)

Wagt man einen Rückblick, war B-Tight in der Vergangenheit alles andere als untätig. Mit „Drinne“ wagt er eine Exkursion in die Crossover-Szene, tritt mit der Platte beim Bundesvision Songcontest 2012 an und wird ganz nebenbei noch Familienvater. Sieben Jahre nach „Goldständer“ – dem letzten Hip-Hop-Album von B-Tight – ist der ehemalige Aggro-Berlin-Künstler zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Im Januar 2015 soll mit „Retro“ seine neue Platte in den Läden stehen. Ein guter Anlass, um B-Tight fünf Fragen zu stellen.

Wirft man einen Blick in deine Biografie, stolpert man über Worte wie „frauenfeindlich“ und „drogenverherrlichend“, die dich früher charakterisiert haben. Das trifft heute nicht mehr ganz auf dich zu, oder?

Nicht ganz. Natürlich habe ich das früher total verherrlicht und den Lebensstil zelebriert. Aber stell dir mal vor, ich würde jetzt immer noch so abgehen wie vor zehn Jahren. Dann wäre ich jetzt entweder hängen geblieben oder tot. Das ist doch beides scheiße! (lacht) Wenn ich mein Leben Revue passieren lasse, gibt es Dinge, die mir geholfen haben, und Dinge, bei denen ich mich frage, wie ich danach überhaupt weitergekommen bin. Ab und zu denkt man sich da schon: Zum Glück habe ich die Kurve immer wieder gekriegt und bin jetzt kein Junkie unter der Brücke.

Was hat Aggro Berlin für dich getan?

Aggro hat mein Leben verändert und positiv beeinflusst. Teilweise hat es sogar mein Leben gerettet. Aggro hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Im Rückblick auf die Aggro-Zeit haben sich meine Werte aber krass verschoben. Damals war es mir wichtig, dass ich nach dem Konzert eine Braut abschleppe, genug Drogen habe und schön besoffen bin. Mittlerweile sieht das ganz anders aus, wenn ich auf Tour bin. Da lege ich inzwischen Wert auf meine Gesundheit. Ich trinke nicht mehr zu viel und achte darauf, dass ich am nächsten Tag nicht zu kaputt bin, um mit meiner Familie zu telefonieren.

Wie ist mittlerweile eigentlich das Verhältnis zwischen Sido und dir?

Inzwischen hat jeder von uns sein eigenes Privatleben, das er auf die Reihe kriegen muss. Das heißt, wir können einfach nicht mehr jeden Tag chillen und uns einen nach dem anderen reinpfeifen. Wir können nicht mehr unbewusst durch das Leben eiern. Es ist also sehr viel weniger geworden, aber jedes Mal, wenn wir telefonieren, schreiben oder uns sehen, ist es so, als wäre nur eine Minute vergangen. Dieses brüderliche Gefühl ist da und das wird es auch immer sein.

Lässt man das Projekt „Drinne“ kurz außen vor, kam mit „Goldständer“ 2008 dein letztes Hip-Hop- Album. Wie bewertest du das aus heutiger Sicht?

„Goldständer“ war ein durchwachsenes Album. Die erste CD war sehr experimentell – ich wollte sehen, was man so machen kann. Die zweite CD war dagegen total persönlich. Alles klassische Hip-Hop-Dinger mit viel Inhalt. „Goldständer“ ist eines der schönsten Alben, die ich je gebracht habe, es ist trotz allem sehr rund geworden. Mit „Drinne“ war ich aber sehr viel zufriedener. Da gab es jedoch das Problem, dass die Hip-Hopper nichts damit anfangen konnten, die Rocker aber auch nicht. Es gab nur eine kleine Schnittmenge. „Drinne“ war ein schwieriges Experiment, aber es hat so viel Spaß gemacht, dass es sich definitiv gelohnt hat.

Was kann man von „Retro“ erwarten?

„Retro“ ist im Vergleich zu früher vom Sound und vom Text her aufgewertet, es hat mehr Wortwitz. „Retro“ heißt für mich, mich wieder jung zu fühlen. Nicht darüber nachdenken, sondern einfach angeben und Eier zeigen – das, was man im Rap nun mal so macht. Natürlich bin ich nicht die „Nummer Einz“, natürlich bin ich nicht in der Szene unerreicht. Aber wer solche Aussagen meinerseits auf die Goldwaage legt, hat mich nicht verstanden. Jeder, der ein bisschen Menschen- verstand in sich trägt, sollte wissen, dass ich das alles nicht todernst meine.

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