Die hohe Fünf mit AzudemSK

AzudemSK

Applaudiert

 

Der Münsteraner AzudemSK ist seit zwölf Jahren am Mic aktiv, und so langsam applaudiert ihm das Leben. „Bis das Leben applaudiert“ heißt passend sein aktuelles Album, das dieses Jahr erschien. Beim Tourstop in Hamburg, wo wir ihn treffen, ist die ihm entgegen kommende Anerkennung deutlich zu spüren. AzudemSK, der in Stade geboren wurde, fühlt sich hier merklich heimisch, angekommen. Der Hip Hop Untergrund hat ihn schon 2006 bei seinem ersten Album „Titel Thesen Temperamente“ willkommen geheißen, das er damals noch an Schulhöfen verteilte. Als bekennender Sprayer und ausgesprochener Lyriker hat er sich mit den folgenden Releases „Zopf oder Kahl“, „Back To Drama“ und vor allem mit „Classic“ eine treue Fanbase erarbeitet. Wo früher noch die Wut im Vordergrund stand, hört sich „Bis das Leben applaudiert“ weitaus ruhiger an. Was aber lange nicht heißt, dass er seinen Antrieb verloren hat. Zeit ein paar Fragen an den guten Mann zu stellen.  

Die hohe fünf mit AzudemSK

Als Sprayer und Rapper vertrittst du mehrere Aspekte des Hip Hops. Was sagst du zu der Fokussierung der Hip Hop Medien auf den Rap?

Hat glaube ich in erster Linie damit zu tun, dass die Leute Rap außerhalb dieser Hip Hop Kultur etabliert sehen. Was ja auch der Fall ist, wenn Rap im Radio gespielt wird, hat das nicht unbedingt etwas mit der Kultur zu tun, es mag in Ordnung sein. Für mich hat es was mit Hip Hop zu tun. Ich bin dazu über Hip Hop gekommen, logischerweise, es war ein Teil der Kultur: Der, der rappen konnte, hat gerappt, der der Malen konnte, hat gemalt, der der Tanzen konnte, hat getanzt… Ich find’s nicht wirklich schlimm. Die Leute, die sich nicht mit Graffiti auskennen, müssen das nicht zwangsläufig in ihr so genanntes Hip Hop Magazin aufnehmen.

„Die Leute reden Rap breit. Es ist fast schon in Ordnung und fast schon gut, dass sie es nicht mit Graffiti machen in dem Ausmaß wie in den 90er Jahren, als das verkauft worden ist wie Breakdance.“

 

Du lebst schon lange in Münster und fühlst dich dort heimisch. Würdest du sagen, dass du dort deine musikalische Familie gefunden hast?

Das ist schwierig zu sehen. Musikalische Familie – nein, nicht zwingend. Dadurch, dass ich in Münster mittlerweile wenig mit Leuten Musik mache, sehr an meinem Schreibtisch gebunden bin. Meine Familie kommt von da, deshalb fühle ich mich da wohl. Ich bin zehn Kilometer vor der Stadt aufgewachsen und fühle mich dort heimisch, deswegen mache dort auch automatisch die Art von Musik, die mir grad gefällt. Also ich muss weder in ein Studio flüchten, noch zu Leuten flüchten, um mit denen das zu machen, was ich fühle. Ich mache das zu Hause. Ich fühle mich da heimisch. Zurzeit mehr alleine als mit Menschen.

Du releast, wenn es geht, auf Vinyl. Bist du selbst ein Sammler?

Ja. Wobei ich sagen muss, dass ich, seit ich mit hhv Kontakt aufgenommen habe, oder sie mit mir, dass ich dann auch erst einen Drive dazu bekommen habe. Erst dann wieder angefangen habe Platten zu kaufen. Und auch regelmäßig viel zu kaufen. Das habe ich das letzte Mal gemacht, als hhv gegründet worden ist. 2002 habe ich extremst viel Platten gekauft, innerhalb kurzer Zeit. Das war das erste woran du gedacht hast, nachdem du Dosen gekauft hast. Mittlerweile mache ich es wieder sehr gerne. Ich würde mich nicht als Sammler bezeichnen, aber das Regal wächst stetig.

Inhaltlich höre ich bei deinen Texten eine gewisse Wut und Sehnsucht heraus. Woher kommt das?

Beide sind für mich eher eine Tugend als ein Laster, würde ich behaupten. Wut und Sehnsucht – finde ich gut. Beides ist auf jeden Fall großer Antrieb für das, was du vielleicht auch mit dir alleine am Schreibtisch auszumachen hast. Aber beides sind in erster Linie Triebfedern.

Was gibt es in der Zukunft von dir zu hören?

Ich hoffe viel. Wenn wir jetzt schonmal in Hamburg sind, kann ich das ja auch offen aussprechen. Wenn ich das hier von Pierre Sonality seh, wie breit sie sich aufstellen. Unglaublich viel parallel arbeiten und sich darin auch ausleben, weil sie auch so vielschichtig sind, dann inspiriert mich das in der Hinsicht, dass ich denke, ich muss mich nicht zwangsläufig verdrehen oder irgendwo positionieren wollen, darum geht es nicht.

Aber ich hab Bock, fokussiert an Projekten zu arbeiten. Das wird jetzt auch geschehen. Ich habe mit Orange Field das erste Mal eine Platte im Visier, die nur von einer Gruppe produziert worden ist.

Wer meine Alben kennt, weiß, dass die von sehr, sehr vielen Leuten produziert ist. Das waren immer breite Mischungen von Sachen, die in sich schlüssig waren. Orange Field, aus Dortmund wird das komplett produzieren. Ich hab den Omaure über Lord Folter kennengelernt, der in meinen Augen ein sehr unterschätzter Beatproduzent ist, mit dem ich jetzt wahrscheinlich auch was mache. Mehr will ich noch nicht verraten. Das wird Boss.

The following two tabs change content below.
Seitdem er für BACKSPIN schreibt, träumt er von Torch, Morlockk Dilemma und anderen Hip-Hop Dingen. Bei der Recherche ist er aber hellwach - Kaffee sei Dank! - und gräbt eifrig nach Schätzen, die sonst unter'm Radar bleiben. Bei all dem bleibt er auch noch funky.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.