Die Hohe Fünf mit: Antilopen Gang (aus der BACKSPIN MAG #116)

“Manchmal darf man auch eindeutig sein“

Geheimtipp-Dasein. DIY-Attitüde. „Zeckenrap“. Die Antilopen Gang ist kein unbekannter Name mehr in der deutschen Hip-Hop-Szene. Jedoch brauchte es fünf Jahre – von ihrer Gründung 2009 bis zum November 2014 – bis ihr offizielles Debütalbum erscheint. Dazwischen liegt die Anti Alles Aktion, diverse Releases in unterschiedlichen Konstellationen, der tragische Tod des Antilopen– Mitglieds NMZS (R.I.P.) und schlussendlich der Deal beim Düsseldorfer Label JKPMit „Aversion“ steht das erste Lebenszeichen der „neuen Antilopen Gang“ in den Plattenregalen des Landes. Musikalisch irgendwo zwischen Rap und Pop angesiedelt, wird der politische Zeigefinger stets aufrecht in das Gesicht der Gesellschaft gehalten. Mit einer ordentlichen Portion bitterbösem Sarkasmus öffnet die Antilopen Gang ihrem Publikum die Augen für den politischen Alltagswahnsinn. Wir haben uns die „Aversion“ zum Anlass genommen, um Koljah, Danger Dan und Panik Panzer fünf Fragen zu stellen.

Songs wie „Beate Zschäpe hört U2“ haben euch neben jeder Menge neuer Fans auch eine Klage von Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen beschert, den ihr in dem Stück als „Pseudo-Gesellschaftskritiker“ und „KenFM-Weltverbesserer“ betitelt. Stellt euch doch mal bitte vor, ihr müsstet fünf Minuten in einem Raum mit Ken Jebsen verbringen. Was würdet ihr ihm sagen wollen?

Panik Panzer: Was für eine unangenehme Vorstellung.

Koljah: Wir würden ihm mitteilen, dass wir den Raum nun verlassen werden. Dann würden wir den Raum von außen abschließen.

Was wäre der ultimative Wahlspruch, mit dem die Antilopen Gang ihre Wähler überzeugen würde, wäre sie eine Partei?

Panik Panzer: Deutsche raus aus Deutschland!

Danger Dan: Rinder statt Kinder!

Koljah: Todesstrafe für Kinder!

Und wenn sie dann gewählt würden, wofür würde sie sich konkret einsetzen, die Antilopen-Partei?

Panik Panzer: Wahrscheinlich ist es – wie immer – viel einfacher zu sagen, wogegen wir uns einsetzen würden. Aber da haben wir schon zu viel gesagt. Litschis, Kaugummis usw. Gegen all das haben wir schon öffentlich gestatet. Jungs, fällt euch denn noch was ein?

Danger Dan: Die Shitlers. Sie nerven langsam doch.

Koljah: Ich würde mich für die Abschaffung des Parteiensystems einsetzen und gegen Rauchverbote.

Wie viel Anti Alles Aktion steckt eigentlich noch in der heutigen Antilopen Gang?

Koljah: 2005 wurde die Anti Alles Aktion gegründet, seit dem haben wir immer Alben und EPs gebracht – das war eigentlich die Basis für alles, wenn man so will. Wir haben damals viel mehr live gespielt, in Jugendzentren und diversen alternativen Locations. Shows, nach denen wir da auf dem Boden schlafen mussten – da haben wir schon unsere dues gepayed. Ich meine, wir haben nicht umsonst einen Song auf „Aversion“, der „Anti Alles Aktion“ heißt. Das Statement passt auf jeden Fall noch immer.

Ein Antilopen-Text, der nicht vor Ironie strotzt, ist schwer vorstellbar. Warum spielt das Stil- mittel in eurer Musik eine so enorm große Rolle?

Koljah: Ironie ist häufig ein Fehler, kann nerven und ist oft unumgänglich als Stilmittel. Eigentlich wird das ganze Ironie-Gehabe aber überbewertet und viel zu oft genutzt und übertrieben. Ich finde es furchtbar, wenn Leute heutzutage Künstler wie Haftbefehl oder Schwesta Ewa auf so eine ironische Art und Weise feiern. Davon gibt es viel zu viele. Die finden die nicht wirklich cool, sondern betrachten deren Kunst mit einem Augen- zwinkern. Das sind zwei Künstler, die ich persönlich wirklich gern mag und ich kann es nicht ab, wenn Leute dann zwar eine gewisse Faszination für so jemanden hegen, ihn aber gar nicht wirklich feiern. Manchmal darf man auch einfach mal eindeutig sein.

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