Die Hohe Fünf mit Chimperator über die Auswirkungen von Covid-19 auf Labels

Chimperator

Wie so ziemlich jeder andere Bereich auch, wurde die Musikindustrie stark von den Auswirkungen der Covid-19 Pandemie getroffen. Touren mussten abgesagt werden. Releases wurden verschoben. Und die komplette Festivalsaison muss dieses Jahr ausfallen. Natürlich sind auch die Auswirkungen auf Labels sehr groß. Neben ihrer Labelarbeit führt das Stuttgarter Label Chimperator die Kultur- und Eventlocation „Im Wizemann“, in der normalerweise 300 Veranstaltungen mit rund 150.000 Besucher*innen im Jahr stattfinden würden. Durch das Ausfallen der Events ist die Location nun auf Spenden angewiesen, um die laufenden Kosten zu Decken. Wir haben die Geschäftsführer der Chimperator Live GMBH und der Chimperator Productions GmbH & Co. KG, Steffen Posner und Sebastian Andrej Schweizer, zu aktuellen Situation ihres Labels befragt.

Wie sieht es mit der Auslastung der Locations aus? Ist es logistisch möglich, dass „alle Künstler“ ihre Konzerte, bspw. auf den Herbst, verschieben können?

Steffen Posner: Hier muss erstmal vorausgesetzt sein, dass Konzerte im Herbst 20 stattfinden dürfen. Aktuell werden viele Tourneen aus dem Herbst nach Q1 bis Q3 2021 verlegt, dann lüftet sich unser Kalender mit erheblichen Problemen für uns bzw. andere Locations. Vielleicht kurz ein paar Zahlen dazu: vor Corona hatten wir in unserer Halle „Im Wizemann“ in Stuttgart im Herbst eine Auslastung von rund 80%, im März waren es dann knapp 99% und viele Shows mussten in andere Locations verlegt werden. Am Ende werden es eher 50-70% werden, wenn dann eine mögliche Öffnung zu kurzfristig kommt – wir brauchen immer einen gewissen Vorlauf. Zudem werden die Booker, Künstler und Managements verständlicherweise immer nervöser und der Ticketverkauf ist um ca. 90% eingebrochen. Alleine deswegen wollen und werden viele nach 2021 verlegen.

Sebastian Andrej Schweizer

instagram.com/abubasti

Was muss bei der Verschiebung einer Veranstaltung beachtet werden? Was hängt alles mit dran?

Sebastian Andrej Schweizer: Angefangen vom neuen Termin über das Handling der Tickets, Kommunikation mit den Ticketkäufern, Organisation der Band/Crew/Travel/Technik/Logistik ist der Aufwand enorm. Wir sind aktuell komplett damit ausgelastet Termine neu zu ordnen und vorzubereiten. Am Ende planen wir eine Tour doppelt.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise zur Zeit auf Releases? Sind Videodrehs und die Arbeit in Studios zur Zeit überhaupt möglich? Wie sieht es mit physischen Tonträgern aus, können diese noch produziert werden?

Sebastian Andrej Schweizer: Wir mussten uns auch erstmal daran gewöhnen aber inzwischen funktioniert das alles relativ gut. Videodrehs oder Fotoshootings waren natürlich erstmal nicht mehr möglich. Bei dem neuen Orsons Album haben wir deswegen alles animiert umgesetzt. Inzwischen sind Drehs mit kleinen Teams von fünf Leuten wieder erlaubt. Ins Studio zu gehen, war für die meisten unserer Künstler kein Problem. Die meisten haben ihr Eigenes und man ist da ja eh alleine oder zu zweit. Physische Tonträger können weiter produziert werden. Zu Beginn der Krise konnte erstmal nichts mehr bei Amazon angeliefert werden und auch Saturn & MediaMarkt haben nichts genommen bzw. wäre dann ja auch niemand da gewesen um dort zu kaufen. Ich denke, da beschleunigt sich gerade etwas, das sowieso stattgefunden hätte und CDs wird es mittelfristig als Standard-Produkt nicht mehr geben.

Wie wichtig ist das Live Geschäft für ein Label?

Sebastian Andrej Schweizer: Das Live-Geschäft ist auch für die Labels immer wichtiger geworden. Oft hat man als Label eine kleine Live-Beteiligung um querverrechnen zu können. Als Label investierst du in Künstleraufbau, die Videos, die Promo und das ganze drum herum. Das alles wird dann auch genutzt um Tickets zu verkaufen. Da sollten im Idealfall alle Beteiligten partizipieren.

Chimperator Steffen Posner

instagram.com/steffen_posner

Retten Streamingdienste die Labels? Vor zehn Jahren wäre bei so einer Krise vermutlich kein Vertrieb möglich gewesen.

Wenn du einen großen Katalog hast, rettet dir das – nicht nur jetzt in der Krise – den Arsch. Generell wird durch Streaming Musik die schon veröffentlicht, wird wieder öfter und länger gehört und es kommt konstant Geld rein, ohne das dem große Ausgaben gegenüberstehen.

 

Wer die Kultur- und Konzertlocation „Im Wizemann“ mit Spenden unterstützen möchte, kann das unter folgendem Link tun: https://www.startnext.com/wizemann-retten

 

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