View: „Wir haben das Blatt in Finnland gewendet. „

View

Mit seinem hypnotischen und experimentellen Sound hat View schon längst im hohen Norden Rückgrat bewiesen und die charakteristischen Akzente seiner Musik im Mainstream verbreitet. Der bürgerliche Name des Rappers, Juuso Ruohonen, lässt da schon mehr, als sein Künstlername, auf die Herkunft des 24 jährigen schließen: Finnland. So exotisch das nordeuropäische Land, zumindest in Anbetracht an die Kombination aus Rap und Suomi, zunächst scheinen mag, bleibt bei View zumindest in dieser Hinsicht verschont. Auf Englisch rappt er mit seiner tiefen, monotonen Stimme und präziser Aussprache auf futuristische Instrumentals, die sich über die komplette Facette der elektronischen und traditionellen Klangerzeuger erstrecken. Mit dem Release von der Avalon EP im Jahr 2015 ist View ins Visier des finnischen Mainstreams geraten: Er gehört zu den erfolgreichsten finnischen Rappern der neuen Generation, mit einem unverkennbaren, dunklen Sound. Gründe genug, um View auch hierzulande etwas näher kennenzulernen. Inwiefern View sich in die finnische Rapszene einordnen lassen kann und was überhaupt die finnische Rapszene ist, solltest du hier nachlesen. Das Interview führte Niko (Head of BACKSPIN) im Rahmen der Music & Media in Tampere, Finnland.

Die Hohe fünf mit View

Wie bist du zum ersten Mal mit Hip-Hop in Kontakt gekommen?

Ich komme aus einer kleinen Stadt, die ist ungefähr 200km von Helsinki entfernt. Wie hatten dort Rap-Nights. Im Alter von 12 oder 13 Jahren war ich zum ersten Mal dort. Jemand hat dann angefangen zu beatboxen und wir haben im Freestyle darauf gerappt. Ich auf Englisch und meine Freunde auf Finnisch. So bin ich zum ersten Mal mit Hip-Hop in Berührung gekommen.

Welche finnischen Rapper haben dich beeinflusst?

Ich war eigentlich nie ein richtiger Fan von finnischem Hip-Hop. Ich habe nur ein paar Künstler gehört, als ich jünger war. Da gab es zum Beispiel diesen Untergrundrapper Asa, der sehr experimentellen Hip-Hop gemacht hat. Das fand ich sehr spannend. Internationale Künstler die mich geprägt und beeinflusst haben sind zum Beispiel Nas, Michael Jackson und vielleicht auch Kanye West. Momentan ist es Mick Jenkins, er macht momentan wirklich gute Sachen.

„Ich sehe mich selbst aber nicht als Künstler, der sich groß von anderen beeinflussen lässt.“

Ich habe ein Idol und das ist Michael Jackson.

Warum wolltest du Rapper werden?

Ich wollte nie Rapper werden. Ich wollte einfach nur Musik machen, da ich mich so am besten ausdrücken kann. Durch meine Musik kann ich meine Gefühle preisgeben und mich öffnen. Ich kann Sachen ausdrücken, die ich niemals laut sagen würde. Es war ein natürlicher Prozess mit der Musik anzufangen, um meine Gefühle zu verarbeiten.

Du bist Teil der neuen Generation im finnischen Rap. Was habt ihr in der Szene verändert?

Wir haben das Blatt in Finnland schon gewendet. Wir bekommen eine viel größere mediale Präsenz. Unsere Musik wird im finnischen Radio gespielt und dort wird eigentlich nur die Musik von den großen Rappern präsentiert. In den letzten paar Jahren hat es sowieso kein englischer Rap von finnischen Künstlern ins Radio geschafft. Mittlerweile gehören wir zu den am viert häufigsten gespielten Artists in den finnischen Radiostationen.

„Das ist eine große Sache für die ganze Szene.“

Das gleiche gilt für Festivals. Früher hatte englischer Rap von finnischen Künstlern dort keine Plattform, nun stehen wir auf verschiedenen Bühnen. Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht ist die Zeit gerade einfach richtig. Die Menschen sind offener. Ich glaube das ist die Hauptsache momentan.

Du planst im nächsten Jahr ein Album zu veröffentlichen. Wie sieht es damit aus?

Wir haben da ein kleines Problem. Vor ein paar Wochen haben wir ein Konzert gespielt, bei dem der Computer von meinem Produzenten gestohlen wurde – der Backup war leider auch mit in der Tasche. Das ist ziemlich mies. Wir hatten schon mehrere Songs fertig und jetzt ist es einfach weg. Aber das ist ok, dann kann ich die Songs einfach noch besser machen. Es könnte jetzt aber ein paar Schwierigkeiten mit dem Releasedate geben, aber wir versuchen es zu schaffen. Zu dem Album kann ich aber schon mal sagen, dass es von meiner Vergangenheit handeln wird. Es geht darum wer ich bin, quasi wie mein Tagebuch der letzten Jahre – Dinge die ich fühle, oder einfach meine eigene Meinung. Es wird ein sehr persönliches Album.

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