Der Wert der Musik – Hört genauer hin

Brutal, rau, schmutzig, dynamisch und elektrisierend. Die finstere Seite eines Genres. Ein Momentum, eine musikalische Erweckung, eine Erfahrung fürs Leben. Ein Album welches ein Leben veränderte, Songs die eine Realität abbildeten. So oder so ähnlich, kann man eine Berührung mit einem Künstler und seiner Musik beschreiben. Eine greifbare Interpretation dessen, was das Maß aller Dinge sein kann.

Musik ist die einzige universelle Kommunikationsform die es gibt. Dem Sender und Empfänger bedarf es keinerlei Voraussetzung etwas über den Interpreten oder über das Stück zu wissen, um einen Song individuell zu verstehen. Somit sind beide Instanzen in der Lage, Musik genießen zu können und so auf eine gemeinsame emotionale Ebene zu gelangen.
In einer berühmten Textzeile heißt es:

„Music the great communicator/ Use two sticks to make it in the nature.“ 

Betrachtet man diese genauer, könnte die subversive Botschaft treffender nicht sein. Hier finden innerhalb einer Zeile gleich drei direkte Verweise statt, welche am Ende den Kreis zur Musik schließen.

  • Zum einen wird hier der primitive Akt des belanglosen Zusammenschlagens zweier Stöcker beschrieben, um ein beziehungsloses Geräusch zu erzeugen.
  • Aus diesem Vorgang heraus entstehend wird hier die Brücke geschlagen, zur einfachsten bekannten Erzeugungsform von Feuer, in welchem Hitze durch Reibung von Holz entsteht. Die prähistorische Nutzung von Feuer war eine der ersten Formen von Kommunikation und essenziellsten Schritte zur Menschwerdung. Ein Ort des Zusammenkommens, zum gemeinsamen Musizieren oder der Verwendung von Rauchsignalen.

  • Hier schließt sich der Kreis zurück zur Musik mit der Deutung zweier einfacher Drumsticks, welche benötigt werden, um auf Schlaginstrumenten Töne zu erzeugen.  


Dies ist nur eine von unzähligen Zergliederungen einer Textzeile eines Songs, welcher man sich bedienen kann. Verdeutlicht werden sollen hierbei die Dimensionen, inwieweit Musik allein auf der textlichen Ebene stattfinden kann und dabei als Kommunikator in seiner einfachsten Form agiert. Reflektiert man anhand dieser Zeile die Zusammenhänge von Kommunikation und Musik weiter, führt einen dies zum bedeutungsvollsten Glied innerhalb dieses Konstrukts, der hörbaren Musik selbst.

Ein mehrdimensionales Phänomen

Beschreibt man Mehrdimensionalität von Musik weiter anhand des Hip-Hops, kann man diese in einen Beat, einen Sound und einer Stimme fragmentieren. Somit besteht ein konkreter Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Elementen und definiert so ein grenzüberschreitendes Phänomen innerhalb dieses Gebildes. Das Rhythmusgerüst eines Beats umfasst ein Zusammenspiel aller hörbaren Elemente, die nicht Teil des Gesangs (des Raps) sind. Dieser kann Einfluss auf die Beatkonstruktion nehmen, sollte jedoch weiter isoliert von der Stimme analysiert werden. Schließlich bestätigt allein die Arbeitsteilung zwischen Künstler und Produzent dieses Argument seit je her. Kontextualisiert man dies hin zu einem Hip-Hop Battle, sieht man hier, dass sich die Stimme (die Lyrik) an den Beat orientiert, indem zwei Rapper gleichzeitig auf unterschiedliche Weise zum selben Beat performen. Somit findet eine Kommunikation ausgelöst allein durch die hörbare Ebene zweier Individuen statt, aus der ein semantischer Prozess resultiert. Der Kreis zwischen der textlichen und akustischen Dimension schließt sich und formt so ein zeitgenössisches Musikstück.

Musik sollte mehr Respekt erfahren

Also warum nun diese glorifizierte, beschönigende Darstellung? Warum diese Auferlegung der Funktionalität von Musik? Jeder, egal auf welchem Wege, egal welchen Genres, egal aus welcher Motivation, Emotion, Position oder Tat hinaus Musik genießt, solle sich dessen bewusst sein, um was für ein phänomenales Erzeugnis es sich bei der Musik handelt. Die Art und Weise in welcher Geschwindigkeit die heutige Gesellschaft mit einem Wert, einer Tradition, einer Kunstgattung, etwas unverzichtbaren wie Musik umgeht und diese über Bord wirft, ist atemberaubend. Aufgrund dieser Entwicklung muss es einem vor Augen gehalten werden, wie beeindruckend und unfassbar Musik zu begreifen ist. Erst wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, gelingt es möglicherweise, eine größere Wertschätzung und bewussteren Konsum hervorzurufen. Die Wertigkeit von ehrlicher Musik in einer schnelllebigen und leistungsorientierten Musikindustrie ist verloren gegangen. Es muss mehr an Bedeutung zurückgewinnen, auf den Missbrauch eines solchen Mediums und die damit verbundene Entwertung zu verzichten und eine Zurückbesinnung zur Magie von Musik stattfinden. Denn so kann sie an alter Kraft anknüpfen und erneut die Welt verändern, wenn bewusster damit umgegangen wird. Selbstverständlich gibt es sie noch, die musikalischen Großtaten, jedoch bleiben diese zu oft wirkungslos, bei all den fabelhaften Momenten welche die Musik einem geben kann, da kaum noch jemand richtig zuzuhören vermag, richtig? 

 

 

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