DCVDNS und das N-Wort: Wo ziehen wir die Grenze? (Kommentar)

n-wort

Vor knapp zwei Wochen sorgte DCVDNS für einen Sturm der Entrüstung, als er in seinem neuen Video zu „Der Erste Tighte Wei$$e“ das N-Wort in den Mund nahm. Einige dunkelhäutige Rapper wie Mortel und auch Sylabil Spill äußerten sich über ihre Social-Media Kanäle dazu, der eine eher emotional, der andere eher rational. Nach wie vor habe ich als Weißer keine Deutungshoheit über dieses Wort, jeder schwarze Mensch hat das Recht DCVDNS dafür zu kritisieren. Er bestätigte zudem auch noch, dass es sich bei jener Line um eine Anspielung auf Taktlo$$ handelt. Was meiner Meinung nach noch zu wenig thematisiert wurde und wieso ich diese ganze Thematik, die entstanden ist, stellenweise lächerlich finde, ist, dass DCVDNS, auch wenn er besagtes Wort aussprach, einem dunkelhäutigen Rapper eigentlich seinen Respekt ausgeprochen hatte. Der afro-amerikanische Schauspieler und Comedian Reedo Brown sagte einmal, dass er die Verwendung des Wortes von einem Weißen nicht kritisch sieht, sofern das N-Wort nicht das stärkste Wort im Satz ist. Somit hält er Aussagen von Weißen wie „N***** you’re funny“ für unproblematisch.

Natürlich hat Ice Cube Recht damit, dass dieses Wort wie ein Messerstich für die schwarze Bevölkerung sein kann. Er sagte aber auch, dass man dieses Wort als Werkzeug oder als Waffe benutzen kann. Bei DCVDNS kann man sich natürlich darüber streiten, ich tendiere da aber eher zum Werkzeug. 

Am treffendsten fand ich die Worte von Sylabil Spill, der sich sehr reflektiert zum Thema äußerte und dem Saarbrückener Rapper keineswegs Rassismus unterstellte, wie es andere im Netz taten. Klar kann wieder mit der Kunstfreiheit argumentiert werden, die frei von jeder Einschränkung sein müsste, doch man kann es auch anders betrachten. Es gibt nämlich auch Menschen, die Satire nicht witzig finden, und das aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Nur weil etwas nicht so gemeint ist, heißt es nicht, dass es so verstanden wird.

Was ich aber eigentlich viel interessanter finde ist, wo die deutsche Rapszene ihre Grenze zieht. Komplett legitim, dass über die Verwendung des Wortes diskutiert wird, auch wenn es am Ende leider ohne Ergebnis geblieben ist, doch die Rapszene hat doch genauso andere kontroverse Themen, die seit jeher problemlos durchgewunken werden. Sexismus, Diskriminierung, Homophobie, Gewalt- und Drogenverherrlichung – alles Themen, die in deutschen Rap zuhauf zu finden sind, die aber anscheinend nicht „schlimm“ genug wären, um sie anzusprechen. Manuellsen droht Bushido eine Machete in den Kopf zu jagen – und keiner erhebt seine Stimme, auch nicht der Moderator dieses Interviews. Natürlich lebt Rap von einer gewissen Härte und Wut, aber es hat überall Grenzen. Diese Grenzen werden beispielsweise überschritten, wenn einer Person Gewalt angedroht wird.

Insofern fand ich es durchaus erstaunlich, dass DCVDNS mit einem einzigen Wort für so einen Medienskandal sorgen konnte. Wenn wir DCVDNS für die Verwendung eines Wortes kritisieren, müssten Fans wie auch Reporter und Redakteure auch AK Ausserkontrolle und Bonez MC für ihr Video zu „Jim Beam & Voddi“ kritisieren, genauso wie Haftbefehls Song „Copkkkilla“. Das passiert aber zu selten, von den Fans, aber auch von den Hip-Hop Medien, BACKSPIN eingeschlossen.

Insofern sehe ich da durchaus eine Doppelmoral, die viele in sich tragen. „N-Wort darfst du nicht sagen, aber Drogen ticken und Menschen schlagen geht klar“ scheint bei einigen die Devise zu sein. Und das ist, so hart die Vergangenheit und teilweise auch Gegenwart der schwarzen Bevölkerung in den Gesellschaften dieser Welt ist, falsch. Alles was schlecht ist und Menschen seelischen wie physischen Schaden zufügt, ist scheiße und es wird keinem damit geholfen, indem man Gräueltaten nach Grausamkeit gewichtet. Homophobie ist nicht weniger schlimm als Gewaltverherrlichung – es ist beides scheiße und sollte gerade im Hip-Hop, welches einst das Sprachrohr der Schwachen und Unterdrückten war, doch thematisiert werden. Besonders schade finde ich es, dass diese Diskussion, war sie vor einigen Tagen noch so aktuell, auf einem einzelnen Fall und nicht auf allgemeiner Ebene ausgetragen wurde und mittlerweile wieder in der Versenkung verschwunden ist und es in zwei Wochen wieder jeder vergessen hat. Zu einem Konsens kommt man am Ende irgendwie eh nicht, aber man sollte zumindest darüber diskutieren.

The following two tabs change content below.
Leben, Life, Hayat & NUR DER HSV!

Neueste Artikel von Jakob (alle ansehen)

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.