Danju: „Wir haben gekifft, weil Samy und Co. darüber gerappt haben“

Was machen, wenn man die Schnauze voll vom kalten und ungemütlichen Klima in Deutschland hat?
Ganz einfach: Man macht es wie Danju und steigt in den nächsten Flieger Richtung Spanien.
Im Falle des Chimperator-Boys bedeutete das: Nächster Halt Barcelona.
Hier wird dem in Süddeutschland angefangenen Studium weiterhin nachgegangen und nebenbei la vida loca ordentlich ausgekostet. Die Sonne scheint, die Menschen sind entspannt und die Pflanzen blühen.
Danju, der inzwischen nicht nur sein altes Pseudonym Dajuan, sondern auch seine ursprüngliche Frisur abgelegt hat, kehrt zurück nach Stuttgart. Im Gepäck befinden sich die spanische Mentalität, die merklich Einfluss auf den jungen Schwaben genommen hat und jede Menge Inspiration für neue Musik. Dass sein guter Freund und Labelkollege Cro hierzulande inzwischen ein Superstar ist, passt natürlich auch ganz gut. Ziemlich genau zwei Jahre nach Danjus letztem Mixtape „Cali“ steht nun sein Debütalbum „Stoned ohne Grund“ in den Startlöchern.
Wir sprachen mit Danju über seine Zeit in Barcelona, seine Vorliebe für Marihuana und natürlich die anstehende Platte.

Danju, lass uns mal über deine Zeit in Barcelona sprechen. Nach der Schule war dir Stuttgart zu kalt und du bist nach Spanien geflüchtet?

Danju: Ich bin ja nicht direkt nach der Schule abgehauen. Zuerst habe ich in Deutschland ein Jahr studiert. Daraufhin bin ich im Rahmen des Erasmus-Programms nach Barcelona gegangen, um dort weiter zu studieren, das war also studienintern. Zunächst nur für ein Jahr, später war ich dann nochmal für ein halbes Jahr dort.

Wie schwer war es denn dort überhaupt Fuß zu fassen?

Danju: Immerhin habe ich ja die Uni vor Ort gestellt bekommen. Ehrlich gesagt habe ich mir im Vorfeld gar nicht so große Gedanken darum gemacht, sondern bin einfach hingegangen. Über einen Freund hatte ich den Kontakt zu ein paar Jungs, bei denen ich ein paar Tage pennen konnte. Auch da bin ich einfach hin und dachte die ganze Zeit, ich würde bestimmt schon eine Wohnung finden. Dann habe ich eben da gehangen, jeden Tag nach Wohnungen gesucht – Rückblickend betrachtet war das natürlich alles ziemlich irre.
Wie ich dort angekommen bin, werde ich auch nie vergessen. Ich hatte ganz normale, lange Hosen an und da war es einfach sooo heiß! (lacht).
Wenn man in einer solchen Situation plötzlich völlig auf sich allein gestellt ist, tut einem das aber wirklich gut. Wenn man die Möglichkeit hat, irgendwie diese Welt zu sehen, sollte man das nutzen. Kann ich jedem nur empfehlen.

Wie hat die Zeit in Spanien dich langfristig verändert?

Danju: Die Zeit hat meine grundsätzliche Lebenseinstellung verändert, würde ich sagen. Weißt du, in Spanien ist einfach alles ein bisschen lockerer. Die haben eine völlig andere Mentalität als wir hier. Das liegt an der Sonne und so weiter. Damit will ich gar nicht sagen, dass Deutschland schlecht ist – beide Mentalitäten haben ihre guten Seiten. Ich muss aber zugeben, dass ich doch eher der Typ bin, um in der Sonne zu liegen (lacht).

..und den Kulturschock, als du wieder ins kalte Deutschland kamst, hast du auch gut verkraftet.

Danju: Ach, das ging schon. Man hat sich auch recht fix wieder hier eingelebt.

Cro war und ist immer noch einer deiner engsten Freunde – wie viel hast du in Barcelona von seinem Erfolg mitbekommen?

Danju: Klar habe ich immer mitbekommen, dass da etwas mit Carlo passiert. Anfangs aber gar nicht so krass, sondern eher am Rande. Es ist auch nicht so, dass ich ewig weg war. Zwischendurch war ich immer mal wieder in Deutschland zu Besuch. Das eine Mal, als ich kurz zu Besuch war, haben wir sogar auf die Schnelle einen Track aufgenommen – dieser „400.000 Pandas“-Song.

Was bedeutet es denn für deine Karriere, jemanden wie Cro im engsten Umfeld zu haben?

Danju: Ich empfinde die Situation mit Carlo auf jeden Fall als einen Segen. Das ist doch cool! Wir haben doch schon immer zusammen Musik gemacht und jetzt können wir das halt auf einer ganz anderen Ebene tun. Wir können alles tun, worauf wir Lust haben, es gibt tausende Möglichkeiten. Zur Zeit ist der Vibe so geil.

Mit „Cali“ kam dein letztes Mixtape 2014. Welchen Sound kriegen wir jetzt 2016 auf „Stoned ohne Grund“ zu hören?

Danju: Vergleicht man die Musik jetzt mit der von 2014, sind natürlich ein paar neue Elemente drin. Vom Grund-Soundbild, denke ich, ist es aber ähnlich geblieben. Wie man auch auf „Cali“ gesehen hat, habe ich auch damals schon gern viele verschiedene Dinge probiert – daran hat sich nichts geändert. Bei „Stoned ohne Grund“ sind jetzt auch ein paar Trap-Sachen dabei, darauf hatte ich wirklich Lust.

In einem Youtube-Kommentar wurdest du als „Weißer A$AP Rocky-Klon“ betitelt.

Danju: Ich habe auch schon ein paar Kommentare gelesen, das ist teilweise echt witzig, was da so steht. Irgendwie kann ich das aber auch verstehen. Genau so kann ich verstehen, wenn Leute sagen, die Musik ist behindert – wenn das deren Meinung ist. Ich find’s halt geil.

Nervt dich dieses permanente Schubladen-Gestecke nicht?

Danju: Manche Leute brauchen das eben. Sie können das gern für sich machen, mich interessiert das eigentlich nicht.

Hast du dir mal Gedanken darüber gemacht, dass das ständige Glorifizieren von Drogenkonsum einen schlechten Einfluss gerade auf die jüngeren Fans haben könnte?

Danju: Zufälligerweise habe ich gestern mal wieder nach langer Zeit die Statistiken bei meiner Facebook-Künstlerseite gecheckt. Die meisten meiner Fans sind männlich und zwischen 18 und 24 Jahre alt. Da war ich auch ehrlich überrascht. Man muss aber auch daran denken, wann Carlos Hype begann. Das war vor vier Jahren. Wenn die Mädels damals 14 waren, sind die jetzt 18.
Klar – manche sind 12 oder vielleicht auch 10.

Ich kann meiner Musik doch keinen FSK-Stempel aufdrücken, nur weil kleine Kinder das eventuell hören könnten.

Außerdem haben wir schon immer über’s Kiffen gerappt, das ist jetzt nichts neues.
Ein Kommentar, den ich unter einem meiner Videos gelesen habe, lautete „Oh, ein Rapper, der über’s Kiffen rappt – sehr innovativ“. Natürlich ist das nicht innovativ, aber ich tue das eben auch schon seit zehn Jahren.
Aber es gibt ja auch noch andere Songs. Meine Musik kann ich jedenfalls nicht ändern, nur, um nicht junge Hörer potenziell zu gefährden. Theoretisch müssten die Eltern dann mit den Kindern reden, aber das wird auch nichts bringen, weil sie es dann trotzdem hören werden.
Meine Musik ist doch aber auch noch gar nichts – guck doch mal, was es da draußen noch so gibt.

Aber so ein 15-jähriges Mädchen, das behütet in einer ländlichen Gegend aufwächst, ist doch tendenziell eher Fan von dir als von Straßenrap.

Danju: Ja, grundsätzlich schon. Das ist schwer einzuschätzen, aber es wird auch 14-jährige Mädchen geben, die Straßenrap hören. Das ist selten, aber es gibt sie.
Die Jugendlichen wissen doch heute alles mit 14 durch das Internet. Die checken mehr als man denkt.

Ob es auch welche gibt, die unbedingt ihren ersten Joint rauchen wollen, nachdem sie dein Album gehört haben?

Danju: Das ist auf jeden Fall so. Bei mir war das früher nicht anders.

Wir haben alle gekifft, weil Samy und Co. davon gerappt haben.

Das ist ein Teufelskreis, aber ich habe ihn nicht begonnen.

Seit deinem letzten Tape „Cali“ ist einiges an Zeit vergangen – was hast du getrieben?

Danju: Es ist so viel passiert in den Jahren. Wir waren ja auch viel unterwegs. Unter Anderem war ich auf SAM Tour und auf 2 Cro-Touren. Dann noch auf unfassbar vielen Festivals, da kam schon gut was zusammen. Die restliche Zeit habe ich dann schon genutzt, um am Album zu arbeiten. Zwischendurch musste man auch mal chillen, aber gerade in dem letzten halben Jahr habe ich eigentlich nichts anderes gemacht als intensiv an der Platte gearbeitet.

Gerade Künstlern mit hohem Marihuana-Konsum sagt man ja gern nach, dass sie oft nicht die motiviertesten seien.

Danju: Nein, auch durch das Kiffen hatte ich eigentlich keinerlei Probleme mit der Motivation. Nur weil man high ist, heißt das ja nicht, dass man nicht dennoch intensiv arbeiten kann (lacht).

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

2 Comments

  1. stefan

    29. März 2016 at 10:47

    „das ist ein teufelskreis, aber ich habe ihn nicht begonnen.“
    ^^tolle rechtfertigung!

  2. Nina

    29. März 2016 at 1:02

    Hey, also ich habe jetzt nichts erfahren was man nicht so schon wusste wenn man danju verflogt. Aber was mich überrascht hat war das mit den männlichen fans. Ich bin der Meinung das auch viele jüngere und viele Mädchen danju auch hören. Wie ich es Aug z.B Instagram sehe. Gut es hören jetzt nicht so viele zwischen 14 -17 oder so. Aber ich habe das Gefühl viele ältere Mädchen hören ihn sehr gerne. Kann auch sein das ich mich irre weil ich und meine Mädels das alle hören und wir so im Alter von 19-24 sind. Aber was solls.
    Ich freue mich aufs Album.*_* danju ich liebe deine Musik!

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