Curly über die Fashiontrends von 2018

Nicht nur musikalisch, sondern auch modetechnisch zeigt sich der Wahlberliner Curly treffsicher. Sein einziges Klamottenproblem ist der volle Wäschekorb. Wer könnte da besser passen, um ein kleines Recap über den aktuellen Stand der Modewelt abzugeben. 

Trends, die 2018 hängengeblieben sind

Was Curly als erstes in den Kopf schießt sind die Schuhe von Balenciaga und Gucci. Am auffälligsten sind für ihn hierbei die ganzen Riesenschuhe, die von den Balenciaga Triple S inspiriert den Markt überflutet haben. Für Curly sind nicht die Marken oder die Klamotten an sich das ausschlaggebende, sondern die Bedeutung, die man ihnen gibt und dahinter steckt. Dabei fällt ihm auf, dass dieses Jahr massig Fashion-Songs erschienen sind. Exemplarisch dafür nennt Curly den Track „Alexander Mc Queen“ von Lil Tracy.
Was Curly sonst so geflasht hat, ist wie es Künstler schaffen einer Marke einen Hype zu verpassen, der sich gewaschen hat. Dafür stehen unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Travis Scott und Nike, die Tyler, the Creator x Converse-Kollabo, oder Drake, der mit seiner Stone Island-Kette die italienische Luxusmarke auf einmal unumgänglich machte. Aber auch Sneak Disses gegen Marken wie Adidas von dem kanadischen Weltstar, der unter anderem in „Sicko Mode“ („Checks over Stripes, that’s what we like“) oder in „No Stylist“ („I told her ‚don’t wear no 350s ‚round me'“) gleichzeitig gegen den deutschen Großkonzern und gegen den Erfinder der Yeezys Kanye West schoss, zeigen, wieviel Einfluss Fashion auf Rap hat. 

Da wir uns in Hamburg getroffen haben, fällt Curly passenderweise die 187 Strassenbande mit einer ähnlichen Leistung als Trendsetter ein:

„Das war ja auch ’n beispielloses Ding, wie 187 dieses Kroko oder Lacoste-Zeug gepusht haben. Ich hab‘ gehört, der Store in der Innenstadt hat 30% Umsatzsteigerung gehabt.“

 

Marken oder Stars sind nicht im Fokus. Viel mehr sind es Dinge, die Curly einfach nice findet. Das können dann auch gut und gerne Leute sein, die einfach auf der Straße rumlaufen.

„Meine Mutter hatte früher swaggy Sachen an. Der Pulli, den ich anhab’, ist zum Beispiel von meinem Vater. Ich find einfach geil, wenn man Sachen kombiniert, die nicht so zusammengehören.“

Rapper, die als modische Vorbilder dienen, sind für Ihn höchstens die aus den 90ern.

„Das wichtigste ist für mich, dass man sich wohl in seiner Haut fühlt, aber es muss schon flashen. […] Ich find halt so 90’s Rapper hatten einen geilen Style. Den Style feier‘ ich. Also ich geh jetzt aber nicht auf diese Insta-Seite, wo steht, wo man das nachkaufen kann, was Rin anhat. Aber die gibt’s.“

© Timo Milbredt

Curly und die Trends

„Auf’m Dorf ist das anderes, wenn jemand aufm Dorf mit einer knöchelfreien, zerrissenen Jeans rumläuft, denken alle, du bist geisteskrank. Das ist halt bisschen verrückt. Es dauert in kleinen Städten oder Dörfern länger bis alles angekommen ist.“

Das ist für Curly alles halb so wild. Egal, wie viel dein Outfit kostet, du wirst dadurch nicht besser. Er betont deutlich, wie wichtig es ist, dass man sich in seinem Outfit einfach wohl fühlen muss. Formate wie „Wie viel kostet dein Outfit?“ betrachtet Curly mit gemischten Gefühlen. Da geht es in seinen Augen viel zu sehr darum mit Geld zu prahlen. So einen stoisches Statement im Bezug zu Geld setzt er lieber durch bescheuerte Gimmicks, wie die Supreme-Maske im Video zu „Sie hasst mich“.

Impact von Mode

Auch bei diesem Thema ist Curly keineswegs zu verkopft. Für ihn lässt sich da keine pauschale Aussage treffen, drum plaudert er einfach mal aus dem Nähkästchen:

„Ich hab‘ so’n limitierten Nike Pegasus zum Jubiläum der Wiedervereinigung. Da ich die Geschichte hinter dem Schuh kenne, ist das mein Lieblingsschuh. Der Vater des Designers war in der NVA und ist morgens in der NVA-Uniform zur Arbeit und Abends in der Bundeswehruniform heimgekommen. Der Designer hat dann die eine Seite des Schuhs in NVA-Muster und die andere in Bundeswehrmuster gemacht. Ich hab da so’n Interview gesehen, wo er das erklärt hat. Immer, wenn mich jemand auf den Schuh anspricht, freut es mich zu erzählen, was da für ne Geschichte dahinter ist. Ich find das immer gut, wenn Sachen ne Geschichte oder ne Bedeutung haben. Das wertet alles immer voll auf.“


Curly, was sagst du dazu?

Daunenjacken: „Daunen Jacken – Helly Hansen unschlagbar. Ich Feier die Jacken vom Style aber ich finde die so unbequem. Du bist immer so’n Michellin-Männchen, auch wenn die sauwarm sind.“

Patches:„Ich find Patches geil, weil ich hab viele Löcher in meinen Hosen und muss die flicken. Ich hab‘ den blauen Elefant von der Sendung mit der Maus als Patch. Der wird bald in meinen Schritt wandern.“

Bauchtasche: „Ich hab‘ mich damit angefreundet in den letzten zwei Jahren. Davor war ich so ’n Rucksacktyp. Aber da passt halt alles rein. Handy, Weed, Papes, Kippen, mehr braucht man nicht.“

Fußballtrikots: „Find‘ ich geil. Ich habe mir jetzt eins von Gosha geholt. Oversized, das rock‘ ich gern. Oder so zusammengeschnittene. Gibt auch so einen Typen in Berlin, der so Sachen nice kombiniert – Dennis Loesch.“

 

Off-White: “Krasser Typ der Virgil. Also Off-White habe ich persönlich verweigert, weil ich das teilweise zu dumm fand, wie teuer und stressig das war. Diese Air Max hätte ich mir fast geholt, aber dann dachte ich mir bei Off-White echt, dass das halt ausartet. Also ich gönn dem Typ auch, aber ab diesem IKEA-Ding dachte ich mir so „Okay, vorbei, Bruder“. Weil auch voll viele Marken aufgesprungen sind […], da kauf ich mir lieber sehr viel Weed. Aber ihr könnt mir den schenken, wenn ihr wollt.“

Witzkollabos, wie DHL x VETEMENTS oder die Balenciaga Crocs: DHL-Jacke ist der Hammer. Kollege hat bei DHL gearbeitet und wir haben den auch dazu gebracht, uns die zu geben. Ich finde, bei High Fashion Sh*t gut, wenn das komplett over the top ist. Dass du schon denkst, dass man das nicht mehr anziehen kann (lacht). Bisschen wie ein Gesichtstattoo, das man wieder ausziehen kann.“

Baggies: “Früher war ich der krasseste Baggyträger. Shoutout an meine Mutter. Irgendwann hab ich mir eine Levis 501 geholt auf chillig und fand sie so nice. Seitdem kauf ich nur noch 501 Hosen, weil die so perfekt sitzen. Ich hab jetzt nicht so krass das Bedürfnis, eine Baggy anzuziehen. Mich hat so krass genervt, dass die auf den Schuhen draufgelegen sind.“

Camouflage: „Camo feier ich. Allgemein find ich olivgrün geil.“

Motorsport: „Ja, das is schon ganz geil. Ich hab mir letztens bei Second Hand eine Jacke geholt, die is so krass. Da gibts auf jeden Fall geilen Swag. Dieses Motorcross Ding war ja auch so bisschen dieses Jahr.“

NASA: „NASA is so high, wie geht. Auf jeden Fall der richtige Ansprechpartner.“

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Alle Bilder, die in diesem Beitrag verwendet wurden, stammen von Timo Milbredt.

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