Creaturi Drăguțe über Street Art in ihrer rumänischen Heimat und Europa

Das Pseudonym ist bei ihr Programm: Creaturi Drăguțe (dt. Niedliche Kreaturen) platziert ihre Wesen nicht nur per Sticker, Paste-Ups oder Cans überall in Europas Städten, ihre Motive prangen auf Skateboards, T-Shirts und in Form von Tattoos auf den Körpern ihrer Fans. In dem beschaulichen Städtchen Craiova geboren, zog es sie bald in die rumänische Hauptstadt Bukarest, wo sie  sechs Jahre lang Veterinärmedizin studierte. Auf diesem Gebiet arbeiten, möchte sie aber nicht, sie will malen, kreativ sein, von der Kunst leben, das macht sie glücklich.

Creaturi Drăguțe ist ein Phantom: Nach getaner Arbeit chillt die Künstlerin im Kreise ihrer Liebsten.

Erstkontakt mit Street Art und Graffiti?
So mit 16 Jahren hab ich Graffiti als Teil der vier Hip Hop Elemente entdeckt und ein wenig später hab ich mich in Street Art verliebt.

Wie hast Du angefangen?
Zunächst war ich alleine. Ich habe an verlassenen Orten gemalt, auch auf der Straße, wichtig war mir einfach nur, immer mehr und immer besser zu malen. Malen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und als ich entdeckt hab, dass auch andere was damit anfangen können, gab es kein Halten mehr. Am meisten Spaß macht mir noch heute durch die Straßen zu schlendern und überall meine Kreaturen hinzukleben, um sie dann nach einiger Zeit auf meinem Weg wiederzutreffen…

Welche Reaktion kam aus der Öffentlichkeit? Hattest Du auch unschöne Erlebnisse?
Zu Beginn waren die Bewohner von Craiova nicht sonderlich begeistert von meinen Aktionen.  Wahrscheinlich war das, weil ihnen die Bildung im Kunstbereich fehlt, da es ein kleines, unterentwickeltes Städtchen ist. Die Situation hat sich drastisch geändert, als ich nach Bukarest gezogen bin. Ich kann nicht wirklich von negativen Erfahrungen berichten, nur dass meine Sticker öfter zerrissen wurden.

Hast Du ein paar positive Erfahrungen, Anekdoten etc.?
Street Art ist für mich ein Segen, sie hat mir eine viel lebendigere, buntere Lebenssicht gegeben und noch dazu sehr viele schöne Erfahrungen geschenkt. Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt, von denen ich lernen konnte, nicht nur über Street Art an sich, sondern auch über die Kunst, ein Mensch zu sein. All diese Erlebnisse haben mich zudem gemacht, was ich bin und dafür bin ich dankbar.

Wo hast Du außer Bukarest sonst noch gearbeitet und was waren Deine Eindrücke im In- und Ausland?
In Rumänien war ich in vielen Großstädten: Cluj, Arad, Timisoara, Iasi, Constanta…Im Ausland war ich in Italien, Bulgarien, Griechenland, Serbien und vor Kurzem bin ich nach England gezogen. Ein wenig enttäuscht war ich, dass es keine großen Unterschiede zwischen den Ländern gibt, was kreative Qualität angeht. Der größte, alles verändernde Unterschied ist die Art und Weise, in der wir denken und handeln.

Hast Du etwas lernen können von Künstlern aus anderen Ländern?
Ihre Arbeitsweise hat mich entschlossener gemacht, noch mehr zu ackern. Ich habe Leute kennengelernt, die ursprünglich nicht sehr talentiert waren aber durch Leidenschaft und Hingabe ihre Träume verwirklicht haben. Im Gegensatz zu anderen, die extrem talentiert sind, aber es vorziehen, ihren bequemen Alltag nicht aufzugeben und über zu wenig Wertschätzung herumzuheulen. Grundsätzlich hab ich gelernt, weniger von anderen zu erwarten. Wertschätzung und persönliche Entwicklung gehen Hand in Hand.

Kann man in Rumänien von einer Street Art und einer Graffiti Szene reden?
Und ob! In Rumänien gibt es sehr viele Künstler, die oft miteinander arbeiten, was wunderschön ist. Leider ist Street Art im wahrsten Sinne des Wortes recht schwach vertreten. Die meisten ziehen es vor, zu Street Art Veranstaltungen oder Wettbewerben zu gehen, anstatt ihre Kunst dazu zu nutzen, das Erscheinungsbild der Stadt zu verändern, ohne dafür einen egozentrischen oder materiellen Lohn zu erwarten. Aber ich bin mir sicher, dass sich das ändern wird, wenn diese Leute die wahre Essenz von Street Art entdecken.

Hauptsache bunt: Mit ihren wilden Kreaturen-Haufen will die Künstlerin Städte umgestalten.

Wie hat sich diese Szene in den letzten Jahren entwickelt?
Ich bin der Meinung, dass sich die Dinge sehr schön entwickeln und in Zukunft wird es noch besser. Das Publikum ist immer offener für Street Art, was die Künstler zusätzlich ermutigt, ihr Ding durchzuziehen.

Gibt es so etwas wie einen typisch rumänischen Stil?
Weiß nicht, ob es etwas typisches geben muss, aber es gibt Originalität und das ist das Wichtigste.

Was motiviert Dich? Welche Künstler inspirieren Dich?
Mich motiviert die Leidenschaft fürs Zeichnen, die Farben, und wie es den Kreaturen gelingt, Gefühle in den Menschen hervorzurufen. Viele schreiben mir, dass sie eine Kreatur auf der Straße gesehen haben und dass sie sie zum Lächeln gebracht hat. Das ermutigt mich, weiter zu machen. Ich bewundere viele Künstler aber meine Inspiration kommt aus der Natur, von den Tieren, oder sogar von Gesten oder lustigen Menschen.

Dein Name drückt bereits Deinen figurativen  Stil aus. Hast Du auch schon mit Buchstaben gearbeitet?
Als ich mit Graffiti anfing, hab ich sowohl Buchstaben als auch Characters gemalt. Ich mag Buchstaben aber die Kreaturen sind auf natürliche Weise entstanden und ich hab sie immer weiter gemalt, weil sie mein ganzes Wesen repräsentieren. 

Seit einiger Zeit gibt es Produkte mit Deinen Kreationen (Stickers, Buttons, T-Shirts etc.). Wie wurden Sie umgesetzt?
Mehrere Leute haben mich angefragt. T-Shirts zu gestalten ist, als würde ich auf Leinwand malen, nur das meine Dinger nicht im Haus eingesperrt an einer Wand hängen, sondern an alle möglichen Orte gelangen. Ich mag es, alle möglichen Gegenstände zu personalisieren und sie in eine meiner freundlichen Kreaturen zu verwandeln. Das hab ich auch mit Skate- und Longboards, mit Kendama (japanisches Geschicklichkeitsspiel; Anm. d. Verf. ) usw. gemacht.

Es gibt auch Toys von Dir, oder?
Vor Kurzem hab ich mit einem Mädchen zusammengearbeitet, das Spielzeug anfertigt. Mit dem Ergebnis bin ich extrem zufrieden, es ist, als wären die Kreaturen in dieser Dreidimensionalität zum Leben erwacht.

Hast Du viele Angebote aus der Industrie gehabt, zum Beispiel Werbung?
Ich hatte einige Angebote, aber ich will nicht, dass meine Kunst zu kommerziellen Zwecken missbraucht wird, so dass ich alle ausgeschlagen habe. Ich bin der Ansicht, dass alles, was einen materiellen Wert erhält, von seiner Essenz, seiner Seele verliert.

Kannst Du von Deiner Kunst leben?
Selbstverständlich kann man von Kunst leben! Und von Liebe! Im Gegensatz zu dem, was man uns von klein auf eintrichtert, geht das wirklich. Aber es ist viel Arbeit und Hingabe erforderlich und man muss dazu bereit sein, sonst wird man enttäuscht sein und glauben, dass es nicht möglich ist. Aber es ist.

Zukunftspläne?
Gerade habe ich damit angefangen, meine freundlichen Kreaturen zu tätowieren und diese Neuentdeckung erfüllt mich. Durch diesen Schritt, hab ich ein anderes Level mit meiner Kunst erreicht. Ich will einfach nur weitermachen und darin immer besser werden in der Zukunft.

Last Words? Shoutouts?
Hmmmm….mach was Dir gefällt! Alles ist möglich !

Hip-Hop brachte Creaturi Drăguțe zum Graffiti:  Hier eine Wall, die Style-Writing und Characters verbindet.

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Gabriel Medrea

Freier Autor, Baujahr 1980, Kindheit: Sozialismus in Rumänien. Als Hosenscheißer ab ins deutsche Wirtschaftswunderland. In Hip Hop Deutschlands Wiege Heidelberg Geschichte und auch Politik studiert. Nebenbei von allem bisschen was: Radio Deutsche Welle Köln, TV Ufa Serial Drama in Berlin und Onlinepresse Heinertown für Darmstadt.

1 Comment

  1. Pula

    7. November 2018 at 10:08

    Der Artikel ist echt nice geworden Meister ! Osten ist immer ein spannendes Thema.

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